Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 13 (30.3.1864)
- Date
- 1864-03-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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265 266 Rabbiners für ganz OstfrieSland ist aber seit vielen Jahren Emd e n, wozu auch Aurich gehört. Die Stelle ist durch Herrn Dr. Hamburg er auch wirklich besetzt, wie kann sonach der Religiouslehrer oder auch der מרגו von Aurich RabbinatS-Verwe ser sein? und endlich 4) Unter den Unterschriften befinden sich zwei der Auerbach , Brüder des Konsistorial-Oberrabbiners in Bottn, der aber, obgleich konservativ, nicht unterschrieben hat; ebenso figurirt in denselben Herr Rabbiner Schwarz in Fürth (Baien,). Der Name seines Sohnes, des Herrn Dr. Schwarz in Köln, fehlt aber. Dieses ist der beste Beweis, daß nur die Ultras zum Unterzeichnen zu bewegen waren, diese aber nicht vermochten, selbst ihre nächsten Anverwandten, hierzu zu bewegen. Mit diesem 2?6stiwonium haben daher die Agenten der Orth odoxie sich das größte Ivstiwonium paupsrtutis (ArmuthSzeuguiß), gegeben; indem ja sogar fast alle streng konservative Rabbiner mit Ausnahme der Ultras nicht unterschrieben haben, was am besten die ausgestellten Thesen des Dr. Hildesheimer widerlegt. Somit wird in dlesem Falle eine Ausnahme von der bekannten talmudischen Regel מגלגלין זכות על ידי ופאי Kahn. München, 21. März. Nachträglich habe ich Ihnen zu melden, daß der Erzbischof die Betheilignng der hiesigen jüd. Gemeind e am Leichcnzuge des gottseligen Königs nicht zngeben wollte. Der Ra bbiner, der abgewiesen.wurde:, meinte , sich ruhig verhalten zu müssen, und der junge Prediger, — der erst vor Kurzem durch' zwei junge Freunde Unterschriften für sein ferneres Verbleiben sammeln ließ, — hat es weder nach Znnen noch nach Außen zu einer nur einigermaßen imponirender» Stellung bringen können. Der Gemeindeverwaltung gebührt die Anerkennung, in dieser Angelegenheit die nöthigen Schritte gethan, und die Ehre der Gemeinde gewahrt zu haben. Der gottselige König wurde von seinen jüdischen Nnterthanen ebenso aufrichtig und warm, wie von den christlichen, geliebt und verehrt. Frankfurt am Main, 21. März. In einem hiesigen christlichen Blatte: ״Religiöse Reform,' freies Organ für Vernunft und Wahrheit. Heransgegeben von Friedrich Dnkat", findet sich folgende Nach - richt aus Rendsburg: ״Ein schöner Zug von Toleranz trug sich am 13. Februar in hiesiger Stad» zu. Nachts zwischen 11—12 Uhr kamen von Kiel vier barmherzige Schwestern aus Trier hier an: un» die Pflege der verwundeten Soldaten in den hiesigen Militärlazarethen zu übernehmen. Weil eS so spät war, woflten sie nicht mehr in dem Lazarethe sich anmelden, noch auch wagten sie eS, eine Familie, wozu ein Herr sie empfohlen hatte, aufzusuchen. Obgleich der Zug überfüllt war, sahen sie doch keine Dame ausstcigen, au die sie sichchätten anschlicßen können; eine Droschke fanden sie auch nicht, und so waren sie'in großer Verlegenheit, und wußten nicht, wohin sie sich wenden sollten, nm eine Nachtherberge zu finden. Da erbot sich mit vieler Menschenfreundlichkeit ein einfacher Mann, ihnen ein Unterkommen zn suchen. Gr führte sie im Glatteise und in einem Sturme, wie man ihn nur dort zu Lande kennt, znm ersten Gasthause, allein sie fanden hier keine Aufnahme, die Stadt war nämlich ganz mit Militär angefüllt; er führte sie dann in verschiedene andere geringere Gasthäuser, aber auch hier war kein Platz mehr für sie. Auf den Straßen sahen sie die Passagiere herumlanfen und hörten, wie sie sagten: dann müssen wir in den Scheuern schlafen. Doch es hatte jener edcldenkende Mann schon vorher im. schlimmsten Falle sein eigenes Zimmer angeboten; er bemerkte , eS sei zwar kein Sopha darin , indessen könnten sie doch auf vier Stühlen sitzend, die Nacht durch zubringen; er wolle zu seinem Bruder gehen, und sie könn» ten die Thüre dann von Innen schließen. Wollten die. Schwestern nicht unter freiem Himmel zubringen, so mußten sie. endlich auf dieses Aner« bieten eingehe»», u»»d sie thaten eS auch, weil das ganze Benehmen des Mannes ihnen Vertrauen einflößte. Als er nun aber die Thüre seines Hauses öffnete, und sie dann, durch ein enges Treppchen auf ein dunkles ganz kleines Zimmer führte und sie astein ließ, um Licht zu schaffen, wurde es denselben doch etwas. eigen zu Muthe. Der Gedanke aber, daß fie sich im heiligen Gehorsame nach dieser Stadl begeben hatten, um hier die Werke der Barmherzigleit zu üben, beruhigte sie wieder; sie wußten ja, daß Gott die Seinen nicht verläßt, und wahrlich, sie hatten keine Ursache, es zu bereuen, der Führung dieses Mannes sich überlassen zu haben. Nachdem er ihnen Licht gebracht, verabschiedete er sich, klopfte aber des Morgens bei guter Zeit wieder an, weil er ihnen glühende Kohlen zum Feueranzünden bringen wollte; da dies aber nicht recht ging, kam er nach einigen Minuten wieder und sagte, er wolle sie zn seiner in der Nähe wohnenden Schwester führen, wo sie ein warnies Zimmer finden würden; auch werde diese ihnen ein Frühstück bereiten. Sie folgten ihm in das Haus seiner Schwester und bekamen dort einen guten Kaffee, der ihnen vortrefflich schmeckte, weil fie am vorhergehenden Abend nichts genossen hatten. Und dieser Manu, der an barmherzigen' Schwestern ein solch schönes Werk der Barmherzigkeit ansgeübt hat, — war ein Israelit." Das genannte Blatt schließt mit der Bemerkung: Im Glend und in der Noih, mitten in den KriegSstürinen, vergißt sich der Unterschied der verschiedenen Religionsgemeinschaften, warum nicht auch im Frieden? Inland. :z: Wien, 24. März. Unser ehrw. Horowitz, der seit 35 Jahren Rabbiner unserer Gemeinde ist, fühlt.sich durch die Angriffe Hildesheimers schwer beleidigt und tief gekränkt. Üm die. öffentliche Meinung in Bezug auf seine mit Unrecht angegriffene Orthodoxie auf die rechte Bahn zu leiten, versendet er ein in elegantem hebräischen Style abgefaßteS Zirkular, worin er beweist, daß seine am 30. Dezember v׳ I. vor Gericht dcponirte, die Kompert-Affaire betreffende Aussage vollfommmen orthodox war. Der Glaube an die künftige Erscheinung des persönlichen Messias, sagt er, wurzelt tief in jedem jüdischen Herzen. Auch gibt cs nnr Ein Jndenthum, nämlich das orthodoxe. Diejenigen, die das Zeremonialgesetz übertreten, Ihn» dies nicht, weil sie die Pflicht- Mäßigkeit dieses Gesetzes leugneten, sondern nur, ״weil sie ihrer bösen Begierde und ihrem buhlenden Herzen folgen." Horowitz bedient sich gegen Hildesheimer und Konsorten sehr starker. Ausdrücke, schließt aber mit der ihm nur zur Ehre gereichenden Versicherung, daß er seinen Gegnern verzeihe. Hildesheimer läßt dagegen den Streit nicht fallen. Er hat, wie mir aus glaubwürdiger Quelle versichert wird, dem von Horowitz approbirten Peßach-Zucker nicht nur in seiner Gemeinde sein pluootum rabbinicruw entzogen, sondern den Genuß dieses Zuckers am Pcßachfeste förmlich verboten. Diese fanatische Gehässigkeit hat hier so viel Indignation hervorgerufen, daß hervorragende Orthodoxe, die bisher Hildesheimers Freunde waren, demselben rathen, Ungarn zu verlassen, und seine neuorthodore Agentie nach Halberstadt zu verlegen.!י. Wien./ 24.. März. Unser Rabbiner, Herr Horowitz . hat den hervorragendsten Mitgliedern seiner Gemeinde, die an jüdische»; Feiertagen ihre Läden und Schreibstuben öffnen, und sich über die Speisegesctze hinwegsetzen, öffentlich die Ehre erwiesen, anzuerkennen daß dieselben keine Sektirer sind, itldem sie bei dieser ihrer Handlungs- »veise nur ״ihrem bösen Triebe und ihrem zügellosen Herzen" folgen und in ihren Gotteshäusern früh und Abends die Restauration des Opferkultus erfleht wird. Ich lasse dieser Toleranz des Rabbiners in der Residenz alle Gerechtigkeit widerfahren. Auch ich wist zugeben, daß die hiesigen Juden, wie aste Sterbliche, ihre Schwächen haben. Aber empören muß doch jeden Gebildeten der Gedanke, daß wahrhaft gediegene Ehrenmänner, die unserm Volke zur Zierde gereichen, die für die Interessen des JndenthumS und der Inden bei jeder/sich varbietenden Gelegenheit mit Einficht, Muth und Hingebung in die. Schrapken trete»»,