Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 13 (30.3.1864)
- Date
- 1864-03-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Colmar 1× ep/1047872
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263 264 Lo r resp ondenz. Ausland. V. Aus dem Regierungsbezirke Trier, im März. Als Ergänzung zu meinem Berichte III. in Nummer 8 des ״Ben^Chananja" führe ich ans dem mir vorliegenden Amtsblatte der königliche» Regierung zu Trier Nr. 10 noch folgendes Statistische an: Die Seelcnzahl der Israeliten im Regierungsbezirke beläuft sich, nach der neuesten Zählung, auf 5633, wovon auf Trier 487 kommen. — In den folgende»! vier Kreisen befinden sich die meisten Israeliten: Bernkastel 924; Saarlouis 871; Landkreis Trier 795, in Ottwnler 721. Als Druckfehler sind im zweiten Berichte zu berichtigen: Mer zig statt Mcrezig, ferner Bernkastel, Bittbnrg und Viehhändler statt Weiuhändler. a) Die religiöse Richtnng ist durchschnittlich die konserva tiv e. Der bei weitem größte Theil der Israeliten'im hiesigen Regierungsbezirke übt noch die Zcremonialgesctze aus und hält fest au den religiösen Gebräuchen. Wenn ich nicht irre, so ist im ganzen Bezirke auch nicht eine jüdische Küche, die »licht■'כשר wäre, wenigstens in welcher טרפה Fleisch konsumirt »vürde. Sehr erfreulich ist es, daß mit nur »venigen AllSnahmen, die erst ii» neuester Zeit entstanden sind, alle Kaufläden am Sabbath und Feiertagen geschloffen sind, »vaS besonders in Trier der Fall ist. Trotz dieser vorherrschenden konservativen Richtung, ist dennoch g. l. keine Spur mehr vorhanden von der fr»'r- Heren in hiesiger Gegend sehr verbreitet gewesenen Hyperorlhodorie, oder Verdamlnungssucht gegen Fr ei denkende und Handelnde. Ebensowenig Hängt man mehr so fest an kleinlichen und unwesentlichen Observanzen, oder'an die, welche sich auf Aberglauben bafirten. Ueberhaupt hat die vernünftige religiöse Anschauung sich allenthalben auch auf dem Lande Bahn gebrochen, und die allzugroße Aengstlichkeit und Starrheit verdrängt. So z. B. fällt eS Niemairden mehr ein, keinen □יע □HD zu genießen. sich nicht am חול המועד den Bart abnehmen lassen zu dürfen, sowie dann auch die Drälhe der. ערובי הצרת allenthalben spurlos verschwunden sind, und so noch vieles andere, daß selbst dem schlichteste», echt religiösen Biedermann als veraltet und unzeitgemäß erscheint. b) Synagogen Und Gottesdienst. Es wurde im״B.CH." schon früher mitgetheilt, daß im Regierungsbezirke seit der Amtsführung unseres OberrabbinerS Herrn Kahn mehr denn Einviertelhundert nene Synagogen erbaut und dazu noch mehrere zweckmäßig restaurirt wl'irden. In all diesen ist auch eine, von» Oberrabbiner und dem israelitischeu Konsistorium erlassene SynagvgenordullNg eingeführt, nach welcher die früheren Mißbräuche beseitigt werden und kirchlicher Anstand und Ordnung während des Gottesdienstes herrschen müssen, von dem Vorsteher auSgeknhrt und von den Gemeindegliedern willig befolgt werden. Das Wesen des Gottesdienstes ,ist, sowie die religiöse Richtung, auch noch ein konservatives, so daß an de» alten Gebeten noch nichts abgeändert ward. Jedoch ist der Chorgesang sowie die deutsche'Predigt sehr beliebt und einheimisch geworden, in-all den Gemeinden, wo solche nur eingeführt »verdeu können. Wir heben in dieser Beziehung die Gemeiliden Merzig (wo der nun selige, auch in diesen Blättern schon mehrmals rühmlichst erwähnte große Talmud-ll'^ *סיו.י ועוקר Gelehrte, Herr Moses Levy, hierauf so sehr gewirkt hat, und hierfür fest מוסר נפש war, welcher gewiß an Gelehrsamkeit und echter jüdischer Frömmigkeit die RcbbeS in St. Peter u»»d Konsorten »veit übertraf קטנו עבה ממתנבם.) Ottweüer, Bernkastel und Trier-hervor. Zn Merzig und Trier wird auch ein Theil der פי וטיבם an den ausgezeichneten Sabbathen und Feiertagen mit Ausnahme ריר, ויהב 011מ, sowie fast in allen Gelneinden die וולת an den Sabbathen-vor ט׳באב und שבועות weggelaffen, sowie auch noch einige audere.f Dieses alles geschah ohne Streit uüd Kampf in den Ge-! meinden und ohne hierdurch die geringsten Parteiungen zu veranlassen, sondern nur im Sinne und mit Uebereinstimmung aller, weil sie-von der Nothwendigkcit und Zweckmäßigkeit einer solchen Umgestaltung innigst überzeugt waren. Und wahrlich ist diese, Manchem vielleicht als unbedeutend erscheinende Umgestaltung nicht zu unterschätzen; vielmehr muß sie als eine sehr bedeutende anerkannt werden, wenn man den frü- Heren erbärmlichen.Zustand der Synagogen und des Gottesdienstes im hiesigen Bezirke hiermit vergleicht. — Der größte Segen besteht aber darin, daß der Gottesdienst alle befriedigt und. erbauet und die Einheit und Eintracht im ganze» Bezirke vorhanden sind, so daß אי{ פוצה סהומצסצף. «)Schulen. In dieser Beziehung läßt der Regierungsbezirk noch Vieles zu wünschen übrig, da noch manche Gemeinden öfters ohne Lehrer sind, sowie andere sich noch mit unfähigen behelfen müssen. Dieser Uebelstaud hat seinen Grund darin, daß die Gemeinden sich sträuben, einen Lehrer definitiv aufzunehmen, dann in dem großen Mangel an Lehrern überhaupt und endlich in den gesetzlichen Bestimmungen, »vorüber ich mich später in einem befondern Artikel ausführlicher anslassen werde. Dennoch befindet sich der Regierungsbezirk auch in dieser Beziehung jetzt auf einem viel bessern Standpunkte, als in den früheren Zeiten. Viele Gemeinden haben ganz vorzügliche Elementar- und Religionslehrer, unter welchen einige, die sich durch viele gründliche Kenntniffe auSzeichnen. Auch bringen die meisten Gemeinden gerne große Opfer, ja die doppelten von früher, für die Acqnifition eines guten Lehrers. — Mit nur einigen Ausnahme»» versehen die Lehrer auch die Funktion des Vorbeters und viele auch die des Schächters, was besonders in den kleineren Gemeinden nicht anders thunlich ist, »penn sie einen Lehrer erhalten »vollen. — Mit der Zeit werden auch diese und ähnliche Ue.belstände sich beseitigen lassen, zumal auch der gewöhnlichste Landmann eifrigst darnach strebet und trachtet, seinen Kindern einen gründlichen und gediegenen Elementar- und Religioirsuntcrricht ertheilen zu lassen. Auch hierin herrscht Einheit und Uebereinstillimung unter den einzelnen Mitgliedern der verschiedenen. Gemeinden des RegiernngSbezirkes. Im nächsten Artikel über WohlthätigkeitSvereine. Trier, 15., März. Zu Ihrer ״Erklärung zu einer Erklärung" (Nr. 10 des ,,B. CH.") »verdeu Ihnen gewiß noch, folgende Ergäiizuugen von Interesse sein: , 1) 2» Frankreich sind nicht weniger als 64 Rabbiner (nach dem mir vorliegenden .לוח לשנת תדבר voll Baruch Crehangc) uild zwar 21 Rabbiner - Commune»» in dem Konsistorialbezirk Colmar, sic alle, oder höchstens nur mit einigen Ausnahmen, sind von streng konserva ti v e r religiöser Richtung und dennoch hat außer dem Kranä Rabbiner M. Klein zu Colmar auch nicht ein einziger.'dieser französischen Rabbiner das Machwerk des Dr. Hildesheimer unterschriebe». Der grand Rabbiner Klein zu Colmar wird daher in Frankreich allein schon בטל בששינם ושלשח• Oder glaubt etwa der grrmd - Rabbiner Klein, daß er gleiche dem ואסה במשהו,חמ^ בפסח? 2) Die Rabbiner in Holland sind mir größtentheils persönlich bekannt und zwar als sehr streng konservatlve, die auch nicht den klein-- lichstcn ך־ין und מלהג aufgeben. Der eine der Beiden,- die unter zeichnet sind, ist aber »»ich»-Rabbiner, sondern nur einer der vielen Dajonim in Ailisterdam; (die dortige Rabbinerstelle ist bekanntlich schon sehr lange »»»»besetzt) der andere gehört auch zu den Chaßidäern, wie der.Rcbbe zu St Peter in Ungarn. > v 3) Aus dem Königreich Hannover eine Unterschrift zu erhalten, mußte, aus welchem Grunde, »veiß ich nicht, — Herrn Hildesheimer von großer Wichtigkeit gewesen sein.'Da nun die dortigen Landes- und Distrikts-Rabbiner, fast alle sircng konservativ, ihre Unterschrift״icht hergaben, fo beschenkte er den ReligionSlehrer zu Aurich. in OstfrieSland mit dem Titel: Rabb inaisverweser. ׳ Der Sitz des