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Ben Chananja · 1864-03-16 · 11 (16.3.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
11 (16.3.1864)
Date
1864-03-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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235 286 21 Kameelen und 25 Mauleseln für das Gepäck uttd ein beträchtliches Gefolge bildeten eine ziemlich ansehnliche Karawane. Die Reise wurde in bequemen Lagmärschen von 18 Meilen ') gemacht. Sir Mo» ses Montefiore war. Mit einer Art Palanquin oder Pferde-Sänfte versehen. Trotz diesen Anstalten , die Unbequemlichkeiten der Reise zu mildern, erhielt der.werthe Baronet dennoch manchen ׳Stoß von Geböschen, Hervorragenden Steinen, welches seine Reisen ziemlich beschwerlich machte. Auf Befehl de« Kaisers wurde der Reisegesellschaft pon den'Gouverneuren jedes Distrikts zu Ende der Tagreise reichlicher Mnndvorrath geliefert. Dieser Unterhalt der Gäste des Sultans heißt Monn?) beiden Mauren. Schafe, Geflügel, Gier, Milch, Thee, Zucker wurden von den Bewohnern eines jeden Distrikts geliefert, und der Betrag der Lieferungen von ihren Taren abgezogen. Nach ihrer Ankunft in Marokko wurden dieselben in. einem Palaste des Sultans einquarticrt, welcher Sidi ben Dris genannr ist, und in einem Orangengarten sich, befindet. . Der Sultan übt Gastfreundschaft aus nach der Sitte,des AlterthumS. Es wird gar nicht erwartet, daß der Gast den Zweck seiner Reise angeben soll, bevor er sich von den Mühseligkeiten der Reise erholt und seine Kräfte gesammelt hat. Sir Moses Montefiore und seine Reisegesellschaft weilten sechs Tage in ihrer Garteiiwohiiuiig,, bevor ihnen die Ehre zuTheil ward, ihre erste Audienz beim Sultan zu haben. Wie die Leser wissen, gibt der Sultan — wie ein echter Kavalier — Audienz zu Pferde. Die Farbe des Pferdes zeigt die Laune an, in welcher der Sultan diesen Tag ist. Mehrere Tausende von Truppen standen aufgepflanzt, und sahen ängstlich nach der Pforte hin, woraus der Sultan kommen sollte. Sie waren erfreut, den Sultan auf einem fleckenlosen weißen Pferd e zu sehen. Gr rückte vorwärts um seine Gäste zu bewillkommcn und in einigen artigen Phrasen sagte er ihnen, daß er sich freue., sie in seinen Staaten zu. sehen, und sagte auch noch jedem ein passendes Wort. Er sagte, daß ihm Sir Moses MontefioreS Bestrebungen für seine Glaubensgenosse» in allen Theilen der Welt nicht unbekannt, sowie auch die allgemeine Wohlthä- ׳tigkeit dieses Mannes für alle Menschen überhaupt ohne Unterschied des 'Glaubens, und er drückte zugleich seine Genugthuung ans, denselben in Marokko zu sehen. Gegen das Ende der Audienz.überreichte S ir MoseS Montefiore die Bittschrift. Der Sultan empfing sie gnädig, gab dieselbe einem Kammerherr״, und bemerkte, daß er ihren Inhalt betrachten will. Vier Tage später wurde, den 8. Februar, ein kaiferl. Ferman an Sir Moses Montefiore als formale Gewährung seiner Bitte zugesandt.- (Dieses Dekret haben wir bereits in der vorigen Nummer S. 201 gegeben.) L. D. London, 6. März. Der Unter-Staatssekretär der .answärtigen Angelegrnheiten, der berühmte Layard — welcher die Ruinen von Nin ive h zum Träger seines Rumhes machte — hat in öffentlicher Parlamentssitzung einige interessante Worte im Zusammenhänge mit Marokko gesprochen. Er hat eine sehr schöne Huldigung den Verdiensten von Sir MoseS Montefiore dargebracht. Herr Aldermann David Salomo״ s stellte nämlich Freitag den 4. März die Anfrage, ob offizielle Nachrichten von Marokko eingelaufen sind in Bezug auf die philantropische Mission von Sir Moses Montefiore? wäs von Herrn Layard bejahend beantwortet wurde. Derselbe las auch einen Theil des Dekrets vor, welchrs wir in Rr. 10 S. 201 gebracht haben. Dev orientalische Styl erregte Lächeln, besonders die Phrase, daß ihnen (de,, Juden) nicht der geringste möglich denkbare Brnchtheil eines Unrechts zngefügt werde re. w. ') Englische Meilen. Das sind nicht ganz 4 deutsche Meilen. ') Der Leser erinnert, sich an das biblische מנה und ׳מנת המלך ־; Derselbe fuhr dann in folgender Weise fort: . . . ״Bedenkt man » daß mehr als eine halbe Mission Juden .in Marokko.wohnen, so sind die von Sir MoseS Mon tefiore geleisteten Dienste aller Welt einleuchtend. Ich hatte bei verschiedenen Gelegenheiten die Ehre, in geschäftliche Berührung mit demselben zu kammen, und ich kann mich nicht enthalten, dem nobeln und genereusen' Geist der PhilaNtropie Zeitgiilß zn geben, welche denselben bei allen Gelegenheiten beseelt, und zwar ohne Unterschied auf S.ekte und Glauben. (Beifall.)" Solche Worte von ei,1cm engl. Unter-Staatssekretär in öffentlicher Parlamentssitzung gesprochen, sind als schätzbarstes Denkmal für Sir MoseS zu betrachten, und dessen Glanz strahlt auch zurück nicht nur auf seine nächsten Landsleute, sondern auch auf die ganze Menschheit und zunächst airf seine allenthalben zerstreuten ReligionSgenosse», sie anspornend zur wahren Verehrung und zu edler Nacheiferung. Es cristirt ein alter hebräischer Spruch '22 ^'טוב שבשבהי□ הו ׳הטובים") ״Das Beste des Lobes ist, wenn es im Munde der Bortrefflichen ist." Es will uns vedünken, daß die.Anführung dieses Spruches bei dieser Gelegenheit als. passend betrachtet werden darf. o Galacz, im März. Mit großem Bedauern muß ich Ihnen die Mittheilung machen, daß unser israelitische Gemeinde in Galacz nicht zu der Einsicht kommen will, daß Zwietracht und Parteiung das Wohl einer Gemeinde untergraben, lind daß Eintracht vor Allem nothwendig sei, um das Gedeihen derselben zu förderm Unsere Gemeindeangelegenheitcn befindcu sich in einem sehr traurigen Zustande. Es edistireu hier drei Parteien, von denen jede mit Hartnäckigkeil darauf besteht, ihren Rabbiner als Oberhaupt.der Gemeinde aufzudrangen. Einstweilen ist. die finanzielle Lage der Nabbincn eben nicht die beste, da sie keinen firen Gehalt beziehen und nur auf das angewiesen sind, was ihre einzelnen Gönner ihnen freiwillig spenden. —Von einer Schule ׳kann gar nicht die Rede sein; alle Verwendungen für dieselbe bleiben fruchtlos, was auch nicht zu verwundern ist, da bei so verschiedener, Elementen, aus denen unsere Gemeinde zusammengesetzt ist, olle Versuche an der Unwissenheit der meisten Gemeindeglieder scheitern. Von einer Schule, wo die Kinder im Lesen und Schreiben der deutschen- und Landessprache, im Rechnen rc. Unterricht erhalten, wollen sie obsolut nichts wissen. Den- ״och dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben einst den Sieg davon zu tragen; wann? — läßt.sich nicht Vorhersagen, aber Geduld überwindet alles. Daß die Schule nicht cristirt, daran ist auch die Art .und Weise des Benehmens des früher angestellt geweseiicr DircktorS Schuld; denn hätte dieser verstanden, sich die Gunst der untern Volksklassen zu erwerben, so hätte die Schule noch jetzt bestanden, zum Wohle vieler des Unterrichtes sehr bedürftiger Kinder. — Im Spitalwesen ist zwar seit einigen Wochen ziemlich viel gethan worden, aber es war auch. schon die höchste Zeit dazu/ כי באו מי□ ער נפש! Es ist wirklich ein himmelschreiendes Unrecht gewesen, bei einer Seelenanzahl von 6000 Israeliten kein eigenes Spital zu besitzen, und dazu in Galätz! Die arme» Kranke״ mußten׳ natürlich ins christliche Spital gebracht werden , wo. die meisten keine Speisen zu sich nehmen wollten. Da schickt die Spitalverwaltung eine Anzeige vom Tode eines Juden, damit man ihn beerdige, und :man fand ihn!in der Todtenkämmer mit dem schwarzer, Leichentuche überdeckt, ans welches ein weißes Kreuz — über der Brust — angenäht war. Eine Fra», die dort starb, wurde a״f dem christlichen Friedhof beerdigt, da der Geistliche angab, daß sie sich vor dem Tode ziim Christenthunie bekannt hätte. Manche starben buchstäblich auf der Gasse unter freiem Himmel, da sie nirgends untergebracht wer- *) Vergl. Schirr Schlomo S. 41.

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