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Ben Chananja · 1864-03-16 · 11 (16.3.1864) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
11 (16.3.1864)
Date
1864-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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23L 237 den ,konnten. Solche Szenen mußten doch jedes menschliche Gefühl em« pören und dem Nebel mußte rasch ׳abgeholfen werden, Also traten viele Gemeindeglieder zusammen, beschlossen den Koscherfleisch,Verschleiß für ihre Rechnung zu übernehmen ldenn früher engagirte jeder , der nur wollte, einen Schochet und verkaufte Koscherfleisch), legren-eine Tare.als Spitalsbeitrag auf, richteten das alte Spitalgebänve wieder her, schaffteu Betten. Wäsche und andere Requisiten an, und seitdem befinden sich die jüdischen Kranken im jüdischen Spitale. Wollte Gott, daß wenigstens diese Anstalt nicht zu Grunde gehe, was leider sehr zu befürchten ist. Das Hauptübel liegt darin, daß wir keinen tüchtigen Vorstand haben; wer mehr schreit, ohne Unterschied des Standes oder Alters, dessen Stimme ist maßgebend. Bei so bewandten Umständen ist natürlich nichts auSzurichten. — Nun zu etwas Erfreulicherm: Unlängst kam hier ein ״Israelitischer WohlthätigkeitS-Äereiu" zu Stande; jeder ohne Unterschieb des Standes und der Profession ist willkommen, bereits, sind an 200 Mitglieder verzeichnet und ihre Zahl ist stets im Zunehmen begriffen , so daß wir jährlich mehr als dreihundert Dukaten zn unserer > Disposition haben werden. Der Zweck des Vereins ist: Krankheitshalber ihrem Berdieuste nicht nachgehen könnenden Familienvätern rc., sowie auch anderen nicht durch ihr Verschulden erwerbsunfähig Gewordenen, so lange Unterstützung angedeihen zu lassen, bis sie, wieder hergestellt, ihrem Berufe Folge leisten können. Manche Thräne und mancher Kummer wird dadurch einigen Familien erspart werden. Dte Herren Doktoren Ellbogen und Liberls, beide hier sehr beliebte jüdische Äerzte, nehmen sich besonders sehr warm der Sache an und versprachen, unbemiitelte, kraukgcwordeue VereiuZmitglieder, während des ersten Jahres des VercinübestandeS, Unentgeltlich besuchen zu wollen, was aber der Ausschuß ablehnen will , da sonst einige die Güte ,der Herren Aerzte etwa mißbrauchen werden. Es wird daher für jeden, vom Borstande angesagten Besuch eine entsprechende geringe Summe gegeben werden. — Auch werden wir einen Tempel — zwar erst in zwei bis drei Jahren — haben, dessen Kosten sich aus. 10,000 Dukaten belaufen werden, die meisten Sitzesind schon vergeben und die Einzahlungen finde» ratenwetse vierteljährig statt. Zwei^Einzahlungen find schon bereits gemacht. — In Jbraila steht es auch sehr schlecht mit dem isr. Geuieiiideweseu. Zwietracht herrscht fortwährend und im neuen Tempel, der vorigen Sommer errichtet und 'השנה Ut^ .eingeweiht wurde, verrichtet man "schon seit ein paar Monaten keine Gebete mehr , auch an den Sabbathtagen ist kein MiNjan anzutreffrn. — Mit der christlichen Bevölkerung leben wir in gutem Einverständniß und die LandcSbehörden sind uns auch gewogen. Ueberhanpt ist unsere Lage in diesen׳ Angelegenheiten besriedi- . gend und wir können mit dem Dichter rufen : Nicht blind mehr wallet der-eiserne Speer ..' Nicht fürchtet der Schwache, der friedliche mehr Des Mächtigen Beute zu werden. ׳.׳r-tzz Bamberg, Auf.März. Hier hat sich ein Verein gebildet, der sich die Aufgabe stellt, jüdische Jünglinge aus Palästina in Europa, namentlich in Deutschland, für Wissenschaft, Kunst und Industrie zu erziehen. Möge dieses Streben mit dem besten Erfolge gekrönt, sein Inland. 2. 8..X. Ujhely, am 4. März. Vor wenigen Tagen weilten dahier die. bedeutendsten Rabbinen Oberungarns; unter ihnen der Ober« rabbiuer aus Unghvar, die Bezirkörabbinen aus Huszt , St.-Peter, und Szölös, sowieder Rebbe ans Szikjzü^ Andere Rabbinen habe» , verhindert zu erscheinen, schriftlich ihr Gutachten eingebracht. Wie wir vernehmen wurde unser würdiger Oberrabbi Löw von den Gästen überrascht und soll die Einladung zu dieser Versammlung vom Rebben Hillel aus Szikszü ansgegange» sein. Die Sitzungen waren geheim, wurden am 1. bis spät in die Nacht hinein gehalten, und wurden Laien nicht zugelassen. So viel steht fest, daß allgemein schwebende Fragen Gegenstand der Berathung waren und werden wir demnächst in der Lage sein, da ähnliche Versammlungen im Laufe dieser Tage in Ober- Ungarn stattfinden, gewichtige Enthüllungen zu machen, die ans die Regelung des Schulwesens und die'Errichtung eines Rabbinersemminarö Bezug haben. Rebbe Hilel, der berühmte Verfasser der □־#!־!*י? hat schon nach eintägigem Aufenthalte dahier, begleitet von einem zahlreichen Gefolge, sich nach Tokay begeben, woselbst er eine Rede im Geiste seiner Broschüre g» halten gedenkt; doch da sämmtlicheS Geflügel Tokay'S nach der Ansicht unseres Meisters mit einem Gilgul behaftet war, so sandte derselbe seinen SchameS in seine Residenz, damit dieser für den Sabbath einige Hühner für die Tafel unseres neugebackeneu Heiligen überbringe. SzairvaS, am 4. März. Auch hier hat die jüdische Wohlthätigkeit ihre Feuerprobe rühmlichst bestanden, und schon im November v. I. als die Noth fühlbar wurde, haben die Bemittelten unserer Gemeinte sich bis inklusive Mai zu einem wöchentlichen Beitrage von 35 fl. ö. W. verpflichtet, wovon 5 Witwen und 7 Familienväter mit Brot und Heizung unterstützt werden. — . Herr Heinrich Kann aus Preßburg hat Sammlung und Dertheilung: übernommen, was er. auch mit der׳ größten Pünktlichkeit Mfördert, und es ist um so lobenswerther, indem benannter Herr, welcher von seinem eigenen Geschäfte oceupirt ist, nach echt patriarchalischer Weisevon Hans zu Haus geht, um die milden Spenden entgegen zu nehinett. .Und wie es bei jeder frommen That der Fall ist, daß מציה גוררת מצור,, alfo (jat auch das löbliche Verfahren der hiesigen Gemeinde auf unsere Filialgemeinde Szl. AndräS zurückgewirkt, so daß die vorige Woche daselbst mittelst Kollekte 110 fl. ö. W. aufgebracht, wofür alsogleich Mehl gekauft und vertheilt wurde. — Zugleich hat Herr Ritter von KönigSwarter, Gutsbesitzer zu Szt. AndräS, 6 Metzen Weizen zum Peßachmehl. gespendet, nachdem derselbe bereits im Herbste dem ׳Ortsrichter.60 Metzen Frucht übersendet, um solche ohne Unterschied der Könfession zu.vertheilen, und 2500 fl. ö.W. als Darlehen vorgeschossen hatte. I. Lichtenstein Bez. Rabbiner. 8. A. tiiifcltf, am 6. März. Wohl selten wurde uns ein Artikel so aus der Seele gesprochen, wie der Ew. Hochwürden in Nro 9 des ״Ben Chanauja", ,die jüd. ^Volksschulen unseres Vaterlandes betreffend", und -haben in der That die Verhältnisse unserer Stadt sich derartig ungünstig gestaltet, daß bei der Masse von Schwierigke.iten, mit der bei uns ein geregelter Unterricht zu kämpfen hat, selbst die Zahl 200. unter 800 schnlpflichtigen Kindern eine hohe zu nennen ist. *) Doch scheinen Hochwürden kaum zu ahnen, daß leider auch bei intelligenten Männern der Gemeinde das.moderne Schulwesen in S. A. Ujhely nicht diejenige Würdigung findet, die es verdient und gerade aus persönlicher Feindschaft so manchem im Schulfache ergrauten Lehrer, trotz seltener Aufopferung und Liebe zu seinem heilige» Berufe- Verfolgungen zu Theil werden, die an das Unglaubliche gränzen. Doch geben wir die Hoffnung nicht ganz auf und sind wir gewiß, daß es. selbst bei denen Licht werden wird, die sich heute mit egoistischer Selbstverblendungüber den armen Lehrer, da reicher und angesehener als dieser,-erheben. Soll es. besser werden, ist es uns Ernst den Wahlspruch Ew. Hochwürden: ,,Nur Geduld, die Zukunft des Ludenthums gehört, der Schule" zur Wahrheit zu bringen, dann ist es dringend geboten, dafür zu sorgen, daß den Gemeinden durch Anstellung von KomitatSlehrern ans dem Schulfonde.honorirt, unter dir Arme gegriffenwerde und leben wir in der festen Ueberzeugnng, daß auf diesem Wege mehr Heil dem vaterländischen Schulwesen erwachsen Wird, als durch Eröffnung neuer Musterhäuptschulen. Ja es wäre der guten Sache mit theilweiser Uebersetzung der Musterlehrer in die einzelnen Koniitate. . hie und da mehr gedient, als mit der. Erweiterung dieser Anstalten. So sind dermalen in S. A. Ujhely 7 Lehrer, und 8 Lehrerinnen an der Musterschule angestellt, während die größte Mehrzahl in der Gemeinde einestheils für das hebr. Fach, das in hochdeutscher Sprache vorgetragen wird, nicht eingenommen ist, und es lieber sehen möchte, wenn ,,Chümesch" als nicht obligat erklärt und dieser Unterricht in die Chadarim gewiesen würde; anderentheils ein Elementarunterricht, in dem nur Lesen, Schreiben und Rechne» in einem Minimum von Zeit vorgetragen würde, mehr Schüler der Anstalt zuführen dürste, als der dermalige tägliche sechs-' : ständige Unterricht in den Hauptschulklaffen vermag. Wohl sind gerade in diesem Augenblicke für die Ujhelyer Mn- - sterschule die Neugestaltung der Dinge erst abzuwarten; **) doch wollen - wirbei der väterlichen Fürsorge der hohen Negierung, die zuversichtlich in der Person eines Lehrers der Ujhelyer Schule einen ebenso thatkräftigen, als gewissenhaften Direktor geben dürfte,Mc diese vom - Chassidismus so nnterwühltrn Gemeinde unsere Hoffnung nicht ganz, aufgeben. -׳ ׳; '• ... ■ Viel erfreulicher find die Verhältnisse der Gemeinde und insbesondere der Schule in Homouna, da diese unter den schwierigsten Verhältnissen schon seit nahe an 8 Jahren eine wohlorganisirte Haupt- *) Lange Ferien , sind in S. A. Ujhely nicht die Ursache des schwachen Schulbesuches, - da das Schuljahr mit Ende August schließt und gleich nach Snceoth die Einschreibungen beginnen; doch führt die Mehrzahl der Eltern-die. Jugend erst nach der Weinlese Ende Oktoberzur Schule.. Aehnlich ergeht es nach dem ׳Pnrimftste, wo die Mehrzahl der Jugend im Backhause bei dem MäzcSbacken zubringt. **) Wie bereits diese Blätter gemeldet, hat Herr Julius Weinberger bisheriger Direktor der Schule seine Resignation höheren Ortes' unterbreitet.

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