Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 10 (9.3.1864)
- Date
- 1864-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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205 fett!} denn die Hauptschule, welche unter dem Direktorate des Dr. Schön blühte, machte ,inen rapiden Rückschritt und Winkelschnlen schoßen aus wie Pilze ans der Erde. Der ehrwürdige Rabbi unterstützte nunmehr offenbar und kräftiger daS Chederthum. Unter seiner Aegide und unmittelbaren Leitung besteht ein vterklaffigeS Ehever, den Namen Talmud- Thora-Anstalt führend, in welchem vier ungebildete' Melamdim den zarten Kindern die Gemara mit dem Kantschu einbläuen. Wir gehören zwar zu. den Freunden der Talmud-Thora-Aiistalten und wünschen Herzlichst deren Gedeihen und Emporblühen,/ aber nur unter der Bedingung, wenn sie die bestehenden Schulen erweitern und ergänzen. Die fragliche Talmudschule hingegen ist eine Nebenbuhlerin der bestehenden Schule und kollidirt mit ihr; denn ihre Schüler haben die Schule nicht besucht und obgleich viele derselben kaum das sechste Jahr zurückgelegt und von der hebräischen Sprache keinen Begriff haben, werden sie dennoch in den Labyrinth des Talmud eingeführt. Von den schulbesuchenden Kindern dürfte kaum der fünfte Theil die öffentliche Schule besuchen, und der größte Theil dieses geringen Theiles besucht auch nur die Klasse eines Lehrers, der ein Günstling des Rabbi Jeremias ist, während ein jeglicher der übrigen Lehrer den Vorstand flehentlich bittet הבהליבנים Dessenungeachtet wagte bis jetzt kein Lehrer eine Klage gegen den Rabbi in den Zeitschriften.zu erheben; weil man fürchtete, von den Fanatikern als Denunziant verschrieen zu werden, und als solcher den Ort räumen zn müssen. , Wir würden gerne fortfahren, die Kulturzustände dieser Gemeinde zu schildern, wenn wir nicht überall dem fanatischen Rabbi begegnen und auf ihn stoßen müßten, allein er ist Alles in Allein und wir können keine Kulturfrage' berühren, die nicht von ihm beeinflußt und entschieden wird. Sowie Ludwig der XIV. sagte: ״Der Staat bin ich", ebenso kann der Rabbi behaupten: ״die. Gemeinde bin ich." Gleichwol scheinen die Dinge in neuester Zeit eine bessere Wendüng zu nehmen. , Die Nachricht, welche die Zeitungen brachten, daß Her Isidor Schön zum Vorsteher gewählt wurde, ist von großer Tragweite und kann nicht genug hoch angeschlagen werden. Herr I. Schön gehört zu jenen wenigen Männern, die Liberalität mit der größten Energie verbinden, und seine stattgefundcne Wahl belehrt uns, daß die Intelligenz ihre passive Stellung verließ und den Kampf gegen den Fanatismus aufnahm. Wir hoffen, daß es seiner Weisheit und Energie gelingen wird, den herrschenden Fanatismus zu besiegen und zu verbannen und die Gemeinde wieder in die Bahn des Fortschrittes und der Civilisation einlenken zu lassen. Unser nächster Bericht wird MiSkolrz znm Gegenstände haben. M. Silberstein, Hauptschullehrer. Miskolez, LS. Februar. Die Konferenzen werden denn doch stattfinden! Ob die über Schleswig-Holstein, weiß ich nicht, wol aber die über die Chorschulen. — Heute sind von den Rabbinen von Szikßü und St. Peter hierorts bereits Vorberathuugen gehalten werden; 14 Rabbinen haben Zustimmungsadressen gesendet: die Chorschulen werden verpönt! Ihren hiesigen Anhängern verboten die Zeloten, unsere neue Synagoge' zu besuchen. Ferner empfahlen sie ihnen, die Werke ״El ha- Adarim" und ״Narr Ha-Jbri" fleißig zn stndiren. Von hier reisten die Herren nach Njhely, wo die eigentliche Konferenz statlfinden soll. Die frommen Seeleuhirten haben die Absicht, eine vollständige ägyptische Finsternis über.uns heraufziibeschn-ören. Emet h. Battonya. Ende Februar. Bei der jüngst stattgefundenen Generalversammlung der hiesigen Chcvra Kadischa wurde der Groß» Händler Herr Hermann Steiner in Pest als Ehrenmitglied gewählt, in Folge dessen Herr H. Steiner ein sehr schmeichelhaftes Schreiben an den Vorstand deö genannten Vereins richtete, in welchem er nebst dem Ausdrucke seines Dankes auch das Interesse des Vereins nach Thunlich« krit zu fördern verspricht. Auch verdient es registrirt zu. werden:,, daßder hiesige Kultus- Vorsteher. Herr Simon Schenk als AuSschnßmitglled des hiesigen Kasino- Vereins mit Akklamation gewählt wurde. > Prag , 14i Februar. .1" אח״ wurde׳ die׳ Trauerandachtsfeierlichkeit für den verstorbenen RabbinatS-Affeffor und- Prediger Dn- Sachs, im hiesigen Tempel abgehalten, an der ein großer Theil der hiesigen Gemeindeglieder, bei denen das Andenken an De. Sachs, dessen Wirksamleik und reiner Charakter in ungetrübtem Andenken fortlebt, Theil genommen hat. Die Trauerseierlichkeit war nicht so sehr durch die Ge» dächinißrede. als vielmehr durch die tief in das Herz eindnngenden elegischen Töne unseres ausgezeichneten Oberkantors PereleS eine wahrhaft erhebende. Dem Vernehmen nach soll die dabei gehaltene Trauerrede im Druck erscheinen. Sollte sie unverändert , sowie sie gehalten würde, gedruckt werden, nicht mehr und nicht weniger, als die gehaltene Rede enthalten, so wäre es fast besser, wenn die Drucklegung unterlassen würde? Denn das dem edlen Verstorbenen gespendete Lob war mitunter doch etwas zweideutiger Natur und in einer Weise vorgebracht, wie sie nur unserem modernen Pharisäerthume eigen ist. Unter den Tilgende», eminenten Geistesanlagen und hohen Verdiensten, die der Verstorbene in der Prager Gemeinde während seiner beinahe neunjährigen Amts- Wirksamkeit sich erworben, gibt es doch gewiß noch andere, als die ihm nachgerühmte gründliche Kenntniß der klassischen Sprachen, oder daS ihm ertheilte Lob, daß er erst in Prag talmudische Studien zu betreiben an ge fangen und eö dennoch darin weit gebracht habe und anderem, dergleichen. Wir sollten glaubten, sei» wahrhaft nobler Charakter, sowie seine Manieren im socialen Verkehr, die Reinheit seines Familienlebens,, die ungeheuchelte nie zur Schau getragene Frömmigkeit, die bis zur. Aufopferung gehende Hingebung für Verwandte und Freunde und die? Achtung und Werthschätzung eines jeden Verdienstes, sind Tugenden, die dem edlen Verstorbenen umsomehr hätten nachgerühmt und hervorgehoben werden sollen, als sie so selten vereinigt, in einem Manne vorgefunden, und selbst bei Mäntiern von gleichem Berufe gar oft vermißt werden. 'S. Bvünn. ״Ben Chananja" hat in letzter Zeit so manchen Bericht über die hiesigen Gemeindcverhältniffe gebracht, wodurch dieselben vor den Augen der Welt wahrlich nicht im rosigen Lichte erscheinen konnten. Es mag daher zur AuSmärzuug der früheren Flecken wieder, etwas Schönes von hier erzählt werden, um zu beweisen, daß die altjüdische Tugend der Wohlthätigkeit auch aus dem Herzen der hiesigen jüdischen Einwohner noch nicht geschwunden sei. Der neue Vorstand׳ hatte die schöne Idee i seinen Amtsantritt durch einen Akt der Humanität und der Wohlthätigkeit zu verherrlichen, namentlich die durch den ungewöhnlich harten Winterfrost stark leidenden armen Glaubensgenossen allhier mit FeueruugSmitieln zu ver/ehen. Eine bei den Gemeindemitgliedern veranstaltete Kollekte brachte circa 800 st. ein, wofür Holz und, Kohle gekauft und den armen Familien, deren leider schon eine bcdeutende Zahl hier ist, der Bedarf für einige Monate verabreicht wurde. Von dieser Summe entfielen auch einige Gulden zur Anschaffung. von Fußbekleidung für arme Studenten.' Um dieses schöne Werk noch zu krönen, beschloß der Vorstand in seiner ersten Sitzung, den minder, gut gestellten Gemeindebediensteten, 7 an der Zahl, einen Holzbeitrag von je L0 fl. zu geben. Für diese so gut angebrachte Erwärmung richten die Armen gewiß die wärmsten Segenswünsche für den wackern Vorstand ,zu Gott empor und wir wollen diesen schönen Anfang als ein günstiges Omen für eine segensreiche Wirksamkeit in allen kultnellen Zweigen betrachten. M