Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 10 (9.3.1864)
- Date
- 1864-03-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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207 208 LiterSrische Anzeigen. Das vierte Ezeabnch, nach seinem Zeitalter, seinen arabischen Uebersetzungen und einer neuen Herstellung. Von H. Ewald. Güttingen 1863. Von Leopold Dukes. . (Schluß.) In gewisser Beziehung steht auch der folgende Gedanke damit in Verbindung, nämlich, daß in der Welt des Guten mehr als des Bösen sei.'") Ein Gedanke, welchen die Philosophie und Theologie als ihr Eigenthnm ansprechen können. Wir heißen dieses jetzt Optimismus und halten diesen Begriff für einen Philosophie schcn. Durch Lcibnitz ist dieses Wort in Umlauf gekommen. Für ein gläubiges Gemüth enthält dieser Gedanke — selbst wenn er an und für sich nicht wahr sein sollte — viel Trostreiches. Dieses Trostreiche macht den Gedanken nützlich. Daß uns dieser Gedanke auch auf andern Seiten begegnet, beweist, daß. man schon seit lange von der Nützlichkeit dieses Gedankens sich überzeugt hielt. Schon EuripideS hat die folgenden schönen rein menschlichen Worte: ״Des Guten ist mehr als des Schlimmen. — Und wäre eS anders, dann bestünde nicht die Welt." ") Es ist dieses um so interessanter, da derselbe sich innerhalb des Polytheismus befand. Es ist die mohamedanische Anschauung, daß das Paradies acht Abtheilungen, die Hölle nur sieben derselben hat.'") Auch hier liegt der Grundgedanke, daß die göttliche Barmherzigkeit vorwaltct. So ziehet dieser Gedanke in den verschiedensten Formen — das menschliche Herz beruhigend— beinahe drei Jahrtausende durch die Welt. Allgemein religiöse AnschaulUlg,' ohne mit einer bestimmten Religion in Verbindung zu stehen. Es hat übrigens zu allen Zeiten Leute gegeben, in deren Kopf und Herz kein Raum war für Optimismus. Alrasi — der berühmte ara bische Philosoph ׳und Arzt war einer davon. '") Nach.andern Richtungen hin finden sich'Gedanken, welche außerhalb der praktischen Brauchbarkeit stehen , und deren allgemeinem Verständuiß überhaupt sich manche Schwierigkeit cutgegenstellt. Zn dieser. Klasse von Anschauungen gehört auch die talmud ische, daß die Schöpfung des Paradieses der Weltschöpfung vorangegangen ist. 17) ES begegnet uns diese Anschauung auch indem vorliegenden Buche (S. 60). Es ist nur im Vorbeigehen iu einem eingeschalteten Satz enthalten. Mau ersieht, daraus, daß diese Aiischanulig älter als der Talmud ist. Vorausgesetzt, daß die Ansicht Ewalds über das Zeitalter dieses Buches wirkliche Begründung habe. Die talmndische Anschauung selbst betreffend, so mag hier im Vorbeigehen bemerkt werden, daß Jehuda Halevi eine hieher gehörige Stelle anführt."), zugleich dabei bemerkend, daß diese talmndi sche Anschauung — wie manche, andere — als unverständlich zu bebetrachten ist. Derselbe hält diese Worte als eine Art rhetorische Nmschreibung des allgemeinen Gedankens: ״De r Gedanke gehe der Thal voraus." '") Durch dieses glaubt er den Sinn der Worte der täglichen Anschauung näher bringen zu können. Solche Stellen gleiten an der Phantasie unbemerkt vorüber, erst wenn der Verstand dabei verweilt, nnd sie zu erklären versucht, treten sie klar hervor, genauer gesprochen, ihre Unklarheit tritt dann erst hervor.. Es ist im Talmud von manchen Dingen gesagt עלו במחשבה ״ להבראותGott hatte sic vor der Schöpfung in Gedanken." Diese Phrase ist übrigens auch zu den Mohamedanern übergegangen.*°) In dem vorliegenden Buche (S. 74) ist auch von sieben Arten der Höllenstrafen die Rede. Daß auch im Talmud die Rede ist von 7״ מדורי Abtheiliingeu der.Hölle" bietet sich zur Vergleichung dar. Es ist diese Anschauung auch beiden Mohamedanern."') Das Hanptverdienst der Beschreibungen in dem vorliegendcnden Buche ist die Kürz e. Hölle und Paradies wurde übrigens oft beschrieben. PH antasie hat ihr Bestes hierin gethan, Poesie hat hilfreiche Hand zu« weilen dazu geleitet. Der eigentliche Zweck dieser Beschreibungen war, einen Spiegel vorzuhalteu. Es war theologische Abschreckungötbeorie. Vielleicht, daß dieses auch beigetragen hat, daß man diese Sachen nicht glaubt. Die alten Griechen hatten bereits Beschreibungen der Hölle. So haben auch die Hindu und die Parsen"") die ihrigen. Manche . dieser Beschreibungen hat sich auch der Pinsel angecignct nnd Maler haben Dichtern geholfen."") Das BuchSohar") und die'Divina comedia von Dante haben in Beschreibung von Hölle und Paradies mit einander rivalisirt. Beide haben ihren Phantasien auch Reflexionen eingewebt. Beide haben in verschiedene» Kreisen zahlreiche Leser gefunden. Die Zahl der Ver- : stehenden war, wie sich von selbst versteht, bedeutend geringer. So verschieden auch beide Werke an sich sind, so kann man über dieselben — lobend oder tadelnd — nur ein Nrtheil fällen, wenn vom Inhalte allein die Rede ist. Die Form, das eingcmischte Poetische hat Dante seinen Rang gegeben. Es ist auch nicht zu vergessen, daß Dante italienisch schrieb, der Sohar aber in chaldäischer.Sprache geschrieben ist. Dante hätte wol nicht so viele Leser gesunden, wäre sein Buch chaldäisch geschrieben."") Zum Schluffe mag noch angeführt sein, daß manche Engelsnamen in dem vorliegenden Buche.Vorkommen, welche von anderer Seite her gar nicht bekannt sind. So. z. Ä. (S. 63) Jermiel") S. 67 Paltiel. Es darf dieses Buch im Allgemeinen als ein arabisch geschriebener Midrasch betrachtet-werden, älter als seine hebräischen Namensgenossen — abermals vorausgesetzt, daß die Bestimmung seines Zeitalters richtig ist. — Wenn es jünger sein sollte, so steht es auch der Zeit nach den Midraschim näher. Dieses Buch und ähnliche andere — z. B. das Buch Henoch ■— stehen und fallen mit dem Talmud. Die Sachen auf ihren gehörigen Platz zu stellen, ist ein guter Theil der litcratnrhistorischen Erkenntniß. 'Sollte der Leser zu glauben geneigt sein, daß wir nach dieser Seite hin , für das vorliegende Buch etwas beigetragen haben, so sollen wirHhm hierin nicht widersprechen."") A n m e r kn n g e n. ■ '") Die hebräischen Morte läuten מרובה PHD IV1DD (ÜcOer das Wort מרה haben wir im Salomo Szegedin, Leipzig, Aclbstvrrlag her Ne-alrtlon. , Üommisßons-Vkrlag von' Franz lv a g n e r. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzn ein Bogen Beilage.