Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 9 (2.3.1864)
- Date
- 1864-03-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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BeUage zum ״Ben,Chanunju" Re. S. Leben getreten, und ibre ganze Thätigkeit binnen Jahresfrist reduzirt sich bisher auf ein Ncgiren oder Beschränken dessen, was die frühere von dem besten Witten durchdrungen gewesene Repräsentanz mit ehrlichem Sinne geräuschlos und ohne jegliche Reklame Gutes ins Leben gerufen hat. — Eine Vereinbarung deb -lanvesjüdischen Repräsentanz mit der Repräsentanz der Prager Kultusgemeinde und ein gemeinschaftlicheS Zusammengehen sollte erzielt werden; großartige Pläne sollten ins Leben gerufen werden: aber schon ihr 'erstes Zusammentreten zeigte die unnatürliche Frucht der Coalisirung nicht vereinbarer Parteien und Interessen, das ränkevolle Manöver der einen nach Präpondcranz stre« -enden Partei über die andere, - und eine gänzliche Mißachtung aller Rechts- und Billigkeitsrücksichten. Die Präger Repräsentanz glaubt die- , jenige Intelligenz als Monopol für ihre Gemeinde in Anspruch nehmen zu müssen, der die gesammte Landesjudenschaft a(dJejuna inisera plsbs sich unterordnen und aus den Wink gehorchen müsse. Alles dieses wissen die in der Prager Kultusgemeinde sitzenden und nichtssagenden. Advokaten haarscharf und in der unwiderlegbarsten Weise zu demouftriren, doch die guten schlichten Landleute wotten oder können dieses mit ihrem natürlichen, an keiner Hochschule gereiften Verstände nicht begreifen, und tragen doch einiges Bedenken, sich auf Gnade and Nngn.ade zu ergeben. — So ,ist die Sache vorläufig in der Schwebe; was daraus werden soll, 7und um was es sich handelt, ,sotten Sie Herr Redakteur von Ihrem an der Grenze .Böhmens tueitcnbeu: Korrespondeuten recht bald erfahren; für heute wotten Sie sich schon mit diesen kurzen Andeutungen begnügen. Literiirische Anzeigen. DaS vierte Ezrabuch, nach feinem Zeitalter, seinen arabischen Ueberfetznngeu und einer neuen Herstellung. Von H. Ewald.-Göttingen. 1863. Von Leopold DukeS. (Fortsetzung). Der bloße Wunsch verkörpert.sich oft in eine bestimmte Hoffnung, und diese nimmt zuweilen Phanta sie als ihre — vielleicht einzige — Bundesgenossin. Von einer trüben Gegenwart stehet man hoffend einer.bessern Zukunft entgegen. Gläubige Phantasie, auf vermeintliche sichere Prämissen gestützt, glaubte oft, die Zeit der Ankunft des Messias im Voraus berechnen zu können, Es begegnetuns im Talmud die Phrase רוחן של מחשבו HDH ]קצי *) eine Phrase, welche. gar nicht so leicht zu übersehen ist / und welche im Allgemeinen einen -strengen Tadel gegen diese Berechnung und Vorherbestimmung der Ankunft des Messias enthält. Es zeigt aber diese Phrase , daß die Sucht, die Ankunft , des, Messias zu berechnen, schon damals in voller Blüthe stand, und ferner, daß auch damals schon die,Schädlichkeit dieses Verfahrens eingesehen wurde. Nach den allgemeinen damaligen Verhältnissen war die Ansicht von der Schädlichkeit sehr richtig. Heute würde man die Sache-nur als überflüssig betrachten, und vielleicht mitleidig belächeln. Cs befindet sich im Talmud auch die Anschauung, ״daß man nicht .allzusehr auf das Erscheinen des Messias dringen soll." י) Diese Worte enthalten nur den verständigen Gedanken selbst gegen Gott nicht zudringlich zn erscheinen, und diese Sache, sowie viele andere ihm allein zu überlassen. Es ist interessant, zu bemerken, daß in dem vorliegenden Buche (S. 63) sich dieser Gedanke ebenfalls sindet. Die Zeit, in welcher der Messias erscheinen sott, wirdmannigfaltige Eigenthümlichkeiten darbieten. HiehergehörigeS findet sich auf allen Seiten im Talmud zerstreut. Manches desselben erscheint beim ersten Anblicke sehr seltsam. Eine nähere Betrachtung aber läßt Raum für'eine tiefere Deutung. Der Messias sott — nach der talmudischen Anschauung — nur in einem Zeitalter erscheinen, welches entweder ganz fromm (׳(כלו זכאי oder ganz schuldig (כלו חייב) sein wird. Es ist dieser Ausspruch ein Kind filosofischer und theologischer Meinungen, welche zu manchen Gedanken Anlaß geben können. In dem vorliegenden Buche (S. 63) sagt der Engel: ״wenn die Menschen dir gleichen werden" u.-s. f. In diesen Worten sehen wir die talmudische Anschauung »<m כלו זכאי (ganz fromm) wieder. Profttcn sind als positive Träger des göttlichen Wortes betrachtet. Sie müssen da s sagen, was sie zu sagen von höherer Macht beauftragt find. Der unbekannte Verfasser des vorliegenden. Buches wollte für einen Pr ofeten gehalten werden. Möge er dafür gehalten werden, und möge dieses ihm auch zu gute kommen, daß — nach unferer modernen Anschauung — ihü nicht der Vorwurf treffe, die ferne Gränzlinie überschritten zu haben, welche Selbstgefühl von Eitelkeit Es begegnet uns ferner in dem vorliegenden Buche (S. 71) ״mein Diener der Messias wird sterben ׳re. re. re," Man wird/ hier an die talmudische Säge von •משיר! בן יוסף erinnert, von welchem es dort auch heißt, daß er umkommen wird. Unter den zahlreichen Dunkelheiten, welche den Ursprung und die wirkliche Bedeutung mancher Änschaüung über den Messias umgeben, ist diese gewiß eine der dunkelsten, wenn nicht gar die dunkelste. In Bezug auf den Messias könnte manche talmudische .Parattele vorgeführt werden. Hoffentlichgenügen die bereits angeführten. Bevor wir den Messias verlassen, möge noch die Ansicht des Zehuda hallevi^) angeführt werden, nämlich, daß die modernen Völker mit ihren Bestrebungen den Weg für den Messias bahnen. Eine Ansicht, welche, auch Maim o n i d eS theilte , und deren Währheit nicht hier, der Ort zu betrachten ist. ׳; .Der Messias und was damit zusammenhängt, ist zwar der Hauptinhalt des vorliegenden Buches. Es treten aber im Verlauf des rhetorischen Vortrags desselben manche Anschauungen dem Leser entgegen, welche mit talmudischen in Verbindung stehen. Von dieser Seite sowol, als in allgemein kulturhistorischer Beziehung dürften sie vielleicht gerechte Ansprüche auf die Aufmerksamkeit, und auf eine kurze Betrachtung haben. Wie zu den interessanten Sprüchen des SertiuS '"), so ist auch zu .jeder Stelle beinahe! eine talmudische Parallele zu finden. Die Verschiedenartigkeit des Buches von Sertias und des vorliegenden, gibt sowol den talmudischen Parattelen selbst,, als den daraus zu ziehenden Folgerungen/ einen verschiedenen Charakter. Die Sprüche des Sertiuö sind — zur Ehre der Menschheit — allgemein moralischen Inhalts. Sertius war ein Römer und iw