Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-03-02 · 9 (2.3.1864) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
9 (2.3.1864)
Date
1864-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543131--3543-2547430
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

175 176 ihr gelungen war, die Bestätigung und Anerkennung ihres Prediger» in der Person des jugendlichen und geistig begabten Dr. Hübsch und gleichzeitig die Befugniß desselben, Trauungen in der ihm unterstehenden Synagoge vokzunehmen, zu erwirken. Und nun. da es sich um gleiche Coneeffionen für die Meiselsynagoge handelt, auch jetzt fehlt es nicht an offenen, und was noch'betrübender tst, an im Skillen intriguicenden Widersachern, die dem schönen und frommen Unternehmen feindlich entgegentrotcn: die die Unternehmer, Männer, die von den lautersten Absichten geleitet werden und nichts anderes, als was zum Heile und zur Ehre der Gesammtgemeinde dient, wollen, verketzern und verleumden, als handelte es sich um nichts Geringeres, als um das Judenthum zu untergraben, Zwist und Zwietracht zu säen, und Spaltungen in der Gemeinde hervorzurufen. Ist das edel, ist das gerecht, heißt das für den gedeihlichen Fortschritt der großen Gesammtgemeinde Sorge tragen? Wird auf solche Weise die große Idee, die den ersten Begründern des geregelten Gottesdienstes vorschwebte, verwirklicht, wenn man jede freie Bewegung unterdrückt und die Stagnation zu verewigen sucht? Auch wir sind gleich dem Herrn Redakteur der ״Neuzeit" für ein einheitliches organisches Leben der Gesammtgemeinde und verwünschen jede Zersplitterung der Kräfte, von denen jede für sich unbekümwert um die andern, ihre Wirksamkeit nur durch krampfhafte Zuckungen kundgibt, indeß das innere Leben, welches den Organismus der Gesammtgemeinde durchdringen soll, schwindet. Aber diese Einheit des Gemeindelcbens wird nicht dadurch erreicht, daß man die brauchbaren Kräfte ausscheidet und von sich stößt, sondern daß man sich selbe geistig assimilirt, gemeinsam mit ihnen nach dem großen Ziele strebt, sic sich je nach Bedürfniß beiordnet und unterordnet; dadurch wird Ordnung, aber nicht, wie die Redaktion der ,Neuzeit" fürchtet, Unordnung und Zersplitterung geschaffen. Hat Herr N. seine Aufgabe als Oberrabbiner der großen Prager Gesammtgemeinde begriffen, dann dürfte es ihm schon wegen seiner geistigen Präponderanz und des hohen Ansehens, dessen er sich weit und breit in der ganzen Welt erfreut, was nicht leicht einem andern gelingen, das religiöse Leben in der Gemeinde und deren Institntioncn in einer Weise zu gestalten, die ihn mit hoher Befriedigung erfüllen , die Jahre seines Lebens, die der Allmächtige zum Heile Israels verlängern möge , versüßen, und sein Wirken hienieden zu einem gedeihlichen und segenvollen für ewige Zeiten machen müßte. Er würde den Mittelpunkt bilden, von dem die einzelnen Radien nach verschiedenen Richtungen erleuchtend und erwärmend ausgingen. Möge schließlich Herr Oberrabbiner R. die Versicherung von uns hinnehmen, daß wir eS mit ihm redlicher und aufrichtiger meinten, als so manche, die in speichelleckerischer Weise ihm schön rhun, sich vor der Welt seine Freunde nennen, ihn aber dabei in eigennütziger Weise auöbenten, um jede seiner Schwächen auskundschaften und als Mittel für ihre selbstischen Zwecke zn benützen. Und wenn wir ihm in diesen Blättern offen und mit aller uns zu Gebote stehenden Kraft der Ueberzeugung entgcgentreten, so haben wir keinen Augenblick uns entgehen lassen, welche hohe Achtnng ihm gebührt. Unsere Opposition galt der Sache, nicht seiger Perlon. Wir wollten auf diesem Wege das erreichen, was auf anderem Wlge nicht zu erreichen war, nämlich ihn vor voreiligcn Schritten warnen, zu denen er von falschen und gleißnerischen Freunden getrieben wird, und die nur geeignet sind, ihm Kummer zu bereiten und seine Ruhe zu trüben. כי מרב שיחי וכעסי דברתי ער הנה. - P. 8. Gerade int Begrisse, dieses Schreiben an Sie, hochverehrter Herr Redakteur, abgehen zu lassen, wird uns die Mittheilung gemacht, daß die hiesige Kultusrepräsentanz mit ihrem Rekurse, gegen den im vorigen Jahre von der Statthalterei erfloffcncn Bescheid, demgemäß verordnet wurde, daß für die Folge kein Neubau oder Umbau eines Gotteshauses vorgenommen werden solle, ohne früher das Rabbinerkolteginm einzuvernehmen, und kein Rabbiner oder Prediger Trauungen vornehmen dürfe, ohne von der,Statthalterei dazu autoristrt zu sein, vom Ministerium abweislich beschieden wurde. Sowenig relevant jener nun auch ministeriell bestätigter Erlaß an sich ist, da der erste Punkt nichts als eine billige, ans der Natur der Sache fließende, sich von selbst verstehende Anordnung enthält, durch die dem Rabbinate nicht wie es hier verlautete, ein Veto eingeräumt, sondern nur die Ein- Vernehmung desselben, die Abforderung seines Gutachtens aufgclragen wird; der zweite aber nichts anderes festsetzt, als was schon früher als Norm bestanden hat; so liegt doch hierin einerseits eine Mahnung für die Repräsentanz und deren Sprecher, daß, .wo es sich um Geltendmachung der der Gemeinde zustehenden autonomen Rechte handelt, es nicht genügt, lange und salbungsvolle Reden in selbstgefälliger Weise zu halten, an die Niemand , sobald er den Sitzungssaal verlassen hat, weiter denkt, sondern daß auch die beste und gerechteste Sache thätiger und ernster Verwendung bedürfe. Anderseits aber dürfte der Herr Oberrabbiner R. in jenem abweislichen Bescheide des Ministeriums eine Satisfaktion erblicken für seine vermeintlich verletzte Ehre, eine hohen Orts ausgesprochene Anerkennung seiner geistlichen Autorität und Würde. Wir gönnen ihm diesen Sieg von ganzem Herzen, da ihm hierdurch nicht, wie es hter allgemein hieß, eine geistlich bindende Macht, ein in die Autonomie tiefeingreifendes Bevormnndungsrecht eingeräumt wird, sondern was wir billig und gerecht finden, und wofür wir uns immer auf das Entschiedenste ausgesprochen haben, der Gemeinde nur die Pflicht auferlegt wird, kein neues Knltusinstitut und keine Umgcstaltung eines bestehenden vorzunehmen, ohne das Gutachten des Rabbrnats über deffeu Zulässigkeit oder Unzulässigkeit von religiöser Seite eingeholt zn haben. — Mit diesem errungenen Siege ist aber auch Herrn Oberrabbiner R. der Weg zu einer ehrenvollen Umkehr, zur Versöhnung der Gemüther, die durch seine letzten oppositioneslen Schritte und die Art und Weise seines Vorgehens nicht ohne Grund irritirt wurden, eröffnet. Möge er seinen Sieg in diesem Sinne benutzen, damit man ihm nicht, wie einst dem großen korthnyensischen Feldherrn den Vorwurk mache. ״Vlnokrs sois, vicrtoria uti Lksvis!— dixi. Don der böhm. Grenze, im Febr. Es ist nun ein volles Jahr verstrichen, seitdem die neugewählte, um 13 Mitglieder verstärkte Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft unter großen Vecsprechungen ihr Amt angetreten und ihre Wlrksamkeit begonnen hat, aber vergebens forscht man nach den erfolgreichen Thaten, die von ihrem Dasein und Wirken Zeuguiß geben könnten. Das Feuer, von welchem die Mitglieder derselben anfangs dnrchdrungen waren, scheint doch am Ende nichts als ein bloßes bald verlöschendes Strohfeuer gewesen zu sein. Von asi den großen Projekten, die sie vorhatten, ist auch nicht eines ins ׳ Fortsetzung in der Seilage. Szegedin, Selbstverlag der Lkdaktion. Leipzig, Lommisstons-Verlag von Franz Vagnrr. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein Bogen Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.