Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 6 (10.2.1864)
- Date
- 1864-02-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543128--3514-2547398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 126 Damberger, Sztveffy,' Ausländer Sim., Reitzer, Weiner. Leitender Ausschuß: Rosenbaum, Zadir, Holzer Sal., Politzer Sal., Scheinberger Ant., Lkchtenberger Mociz, Kicschnee Hermann, Pollak Sigmund, Pollak Ignaz, Gunst, Elias. A Prag, im Feber. Mein heutiger Bericht bmlgtmich in eine kleine Verlegenheit, ich weiß nicht, ob ich es mit dem Rabbiner oder mit dem Oberrabbiner halten soll. Der Meiselsynagogen-Vorstand, welcher jüngst in diesen Blättern so warm vertheidigt wurde, stellte an die Statihalterei das Ersuchen, daß man ihm gewähre, den neuen Prediger als Rabbiner anzustellen, d. h. daß er die Trauungen in der Meiselsynagoge vornehmen dürfe; der Oberrabbiner Herr Rappoport stellte wieder bei Begutachtung des Bittgesuches der M-iselsynagoge das Ersuchen, daß man in diese Bitte nicht eingehe, wenigstens so lange er noch lebt. Dieses Gutachten soll ein merkwürdiges Aktenstück sein, es soll Jnveklive gegen die hiesige Kultusrepräsentanz und eben nicht viel Schmeicheleien für den Nachwuchs der Rabbiner enthalten. In der jüngsten Sitzung der Kultusrepräsentanz, in welcher über diesen Gegenstand verhandelt wurde, wurde dieses Gutachten vorgetescn, und partienweise von dem Referenten Herr Dr. TedeSko widerlegt. Die Widerlegung muß als eine geistreiche bezeichnet werden, weil sie zumeist mit den eigenen Worten Nappoports geschehen, welche er in der Versammlung der Notadeln im Jahre 1851 gesprochen; so z. B. meinte unser Oberrabbiner, daß durch die vielen Synagogenrabbiner Sekten entstehen könnten, und gerade er war es, welcher sich damals ausgesprochen, daß durch werschiedencn Synagogenritus keine Sekten entstehen können, was übrigens durch den Ritus der-Aschkenasim, Sefardim 11. s. w. faktisch und praktisch wiederlegt ist. Als ein Jncidenzfall muß von dieser Sitzung erwähnt werden, daß in derselben Herr Ernst Wehli das Amt eines Vorsitzenden niederznlegen drohte, er verlangte, daß die Sitzung eine ge- Heime sei, die Geschäftsordnung bestimmt hingegen, daß nicht das Verlangen des Vorsitzenden allein zur Einführung einer geheimen Sitzung hiureiche, und der Gegenstand schien für manchen so pikanter Natur zu sein, daß er sich gegen eine geheime Sitzung aussprach, und Herr Vorsitzender Wehli blieb mit seinem Verlangen in der Minorität. Nach einer zweistündigen sehr interessanten Debatte war das Resultat, daß sich die Majorität der anwesenden Nepräsentanzglieder gegen daö Verlangen des Herrn Oberrabbiners Rappoport und für die Meiselsynagoge aussprach. Interessant ist auch, daß Herr Oberrabbiner zwei Vertheidiger seiner Ansicht gefunden, welche sich im Leben nnd in mannigfacher Gesinnung — man könnte sagen — diametral entgegen stehen, es sind dies die Herren Jur. Dr. Naudnitz und Koppelmaun Lieben, ersterer verlangte, daß man die Ernennung des Dr. Stein zum Rabbiner in suspendo lasse, bis man sich von d-n Qualisikationen desselben genügend überzeugt, der letztere machte geltend, daß man Herrn Oberrabbiner Rappoport als Gemeiuderabbiner angcstellt hat und ihn nun in seinen Rechten und Einkünften verkürze. ß Prag, 3. Februar. Die Sippurim von P a sch e l e s erwächen wieder zu neuem Leben. Mit den ersten Märzveilchen werden auch sie sich wieder sehen lassen. Preis des Jahrgangs: 1 fl. 8 kr. Monatlich erscheint ein Heft. Die Ausstattung wird, wie ich höre, eine auSgezeichnet schönsein; sie wird von der neuen vielversprechenden Buchdruckerei Sendes und BrandiS besorgt. Letztere hat soeben ihr Er, öffnungs-Zirkular versendet. Sie ist mit allen Mitteln versehen, auch große hebräische Werke zu drucken- Hoffentlich wird es ihr nicht an Beschäftignng fehlen. Szegedin, / Selbstverlag der AedaMon. 8. AttS Mähren. In Nr. 3 der ״Neuzeit" bemüht sich ein Herr U. aus Brüun unsere in diesen Blättern gegebenen Berichte über die Zustände in Brünn zu bekämpfen. Im eigentlichen Sinne des Wortes will er aber bloS der Welt ein L für ein N vormachen, wie überhaupt die ״Neuzeit" ganz eigenthümliche Korrespondenten in Brünn hat; diese Herren verlchließen Aug und Ohr, um nichts zu sehen und zu hören, was in Brün» geschieht, um dann der Welt mit gutem Gewissen sagen zu können. Das Alles, was die elenden Skribler in andern Blättern geschrieben, ist nicht wahr, wir wissen nichts davon. So beginnt auch unser Herr N.: ,»Roma dslibsrata 6st d. h. Es ist Alles nicht wahr." Wir könnten einfach repliziren: So wenig, wie Roma deliberata est heißt: Es ist Alles nicht wahr, ebenso wenig ist Alles nicht wahr, was wir berichtet Habens Wir wollen aber Herrn U. schärfer auss Korn nehmen; wir fragen ihn: Was ist nicht wahr? Ist es etwa nicht wahr, daß-der rechtliche Bestand des vielgenannten Komitäs höchst antastbar war? Hat der frühere Vorstand das Recht gehabt, das Komitü einzuberufen? Ist es etwa nicht wahr, daß erst am 18. Februar 1864 das Trienninm des Rabbiners zu Ende gehen wird, daß demnach der frühere Vorstand, gelinde grsagt, die Sache überstürzt hat? Ist es etwa nicht wahr , daß in das Komitö Männer gewählt wurden, die statutenmäßig nicht wahlfähig sind und die dennoch über die Frage entschieden, als wenn sic dazu berechtigt gewesen wären? Ist eS etwa nicht wahr, daß am entscheidenden Tage eines der Dezemviren abwesend war und daß man aus lauter Eile oder vielleicht aus einem andern Grunde, den Ersatzmann nicht ' eingerufen habe? Ist das Alles, was wir über das Wahlkomitä früher gesagt, etwa nicht wahr? Und ist es etwa nicht wahr, daß es höchst komisch sei, wenn gerade ein solches Komitö, die vom Rabbiner und dem Vorstände schon angenommenen Vereinbarungen für nicht genug jüdisch und rabbiuisch hält, und sich für berufen glaubt, mehr äls der Rabbiner zu wissen, was dem Jndenthume und dem Rabbinismus gefahrbringend sein kann? Wen» Herr U. zum Schluffe dann meint, die Brünner Rabbinats-Jnstruktionen würden in Szegedin schwerlich den Preis erringen; so dürste er vielleicht nicht Unrecht habe». Aber wenn das KomitS in dem Wahne lebte, wirklich preiSwürdige und preisgekrönte RabbinatS-Jnstrilklionen zu Stande bringen zu können, warum ließ es den Rabbiner auf Grund der ihm selbst als schlecht scheinenden Instruktionen anstellen? Warum hat es seine Zustimmung zur Aufnahme nicht bis zur Abfassung besserer, preiswürdiger Instruktionen verschoben? Ist es also nicht wahr, daß daS Komitö nur allzu eilfertig war? 8-v. Iägerndorf, im Jänner Vor ungefähr fünf Monaten wurde bei der hiesigen Israelitischen Gemeinde die Predigerstelle vakant. Der Vorstand schrieb sofort einen Konkurs aus, und unter den vielen Konipetenzgeslichen, die in sehr kurzer Zeit von so vielen würdigen Konipetenten eingelaufe» sind, wurde das Gesuch des Herrn Rabbiners Dr. Frievländer bevorzugt und genannter Herr Dr. Fr. wurde sogleich von dem Vorstande auf das Neujahrsfest, Gastprebigten zu halte», geladen. Herr Dr. Fr. folgte dem Rufe: er kam. predigte und trug den Sieg davon. Er wurde mit Akklamation zum Rabbiner, Prediger und Religionslehrer erwählt. Herr Dr. Fr. hat sich aber auch in dieser sehr kurzen Zeit um die Regelung und Organisirung der Ncligionsschule, und des Gottesdienstes wahre Verdienste erworben. Die Religionsschule, die früher sehr vernachlässigt war, blüht Gottseidank jetzt durch das rast-' lose Streben des Herrn Dr. wie ein Baum gepflanzt an Wafferbächen. Seine Kanzelreden sind sehr gediegen und gehaltvoll. Eben durch seine ׳ - (Fortsetzung in der Beilage.) Leipzig, Üommislions-Vertag von Franz Wagner. Druck v^n Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein Viertelbogen Beilage.