Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 6 (10.2.1864)
- Date
- 1864-02-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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121 122 kichkeit auf sich geladen haken. — Dieses Mittel der Agitation ist jedoch so ziemlich neu. GS ist uns nicht bekannt, daß der verstorbene oder der jetzige Preßburger Rabbiner einen ähnlichen Schritt gemacht Haben; ebensowenig ist uns etwas AehnlicheS vom Rabbiner Hirsch in Frankfurt bekannt. Der Mann, der offen und frei den Riß und Bruch in den Gemeinden vertheidigt und ihn provozirt; der Mann, der einzelne Gemeindemitglieder ermuthigt, sich von der Muttcrgemeinde zu trennen, und diese Spaltung und Trennung als ein gottgefälliges Werk bezeichnet, ohne an die schöne Deutung und Auslegung der Stelle ,הלק לבם עתר ואשמן im Talmud zu denken : Herr Rabbiner Hirsch hat unseres Wissenö nie einen ähnlichen Schritt gethan. Wenn ich nun im Allgemeinen den Vorgang des Herrn Dr. Hildesheimer— um. mich eines sehr milden Ausdruckes zu bedienen — höchst,sonderbare finde; so würde ich doch kaum das Wort bei dieser Gelegenheit ergriffen habe», wenn ich nicht die Lösung einer wichtigen Frage herbeiführen möchte. Ich lege diese Frage Ihnen, Herr Redakteur, vor, weil Sie, wie.selten jemand Land und Leute in Ungarn kennen. Wie. so kommt eö, daß die Schleppträger deö ״Herzogs von Jerusalem" ungarische Rabbiner sind? Wie so kömmt es, daß ungarische Rabbinen — deren Anzahl freilich nicht groß ist — sich in den letzten Jahren wiederholentlich zusammen thaten, um bei den Behörden בערכאות שלהם zu agiliren? — Weder in Böhmen noch in Mähren oder Galizien oder in einem andern österreichischen Kronlandc, wo Jnd^li wohncn, wurde von Rabbinen ein ähnlicher Schritt gemacht. Nirgends ließ man sich herbei, Herrn Deutsch auch nur Einen Schritt zu folgen. Warum taucht diese Erscheinung gerade in Ungarn auf?*) Herr Deutsch seinerseits suchte sich in weiter Ferne Bmidesge- Nossen. Er apcllirte.au den See- und Landrabbiner Dr. Adler in London, den er in so arger Weise bei der Mortara-Angclcgenhcit kompromittirte (vergleiche ״Judentaufen in Oesterreich" von G׳. Wolf.) Ich muß übrigens bemerken: wenn von Herrn Deutsch in seinen Bestrebungen die Rede ist, und er gibt öfters Veranlassung von sich reden zu machen, so gelten die Bemerkungen nur ad personam; denn *) Dies ist leicht zu erklären.. In Böhmen und Mähren kann Herr D. keinen Anklang finden.. Die Spezies von Orthodoren, die er zu seinen Zwecken gebrauchen will, ist daselbst nicht mehr vorhanden. In Galizien .ist daran zwar kein Mangel, aber die dortigen Orthodoren erfreuen sich, einer so.ungestörten Ruhe und Sicherheit, daß ihnen vcrgeblich zngemuthet würde, bei der Regierung zu Gunsten ihrer Schule Schritte zu machen. Sie werden nicht angegriffen; sie׳ finden es daher unnöthig, sich zu vcrlhcidigcn. So glücklich ist die ungarische Orthodorie nicht. Sic wird bald an dem einen, bald an dem andern Punkte beunruhigt, und verliert von Jahr zu Jahr augenscheinlich an Terrain. Ihre Proteste gegrn die Trauungen in der .Synagoge, gegen die Dezentralisaiion des Almemorö, gegen den Ctiorgesang und die Predigt werden immer wirkungsloser. Es. ist^ mithin natürlich, daß sie, da wirklich Feuergefahr vorhanden ist, sich bereit finden läßt, von dem Löschapparate Gebrauch zn mache», den ihr der Herr Hofwechsler bietet. Letzterer ist, was. jüdisch-theologische Fragen betrifft, ein Charlatan, der den Leuten Sand in die Angen streut. Wäre er das, wofür, er sich mit so vieler Ostematlon ausgibt: ein Orthodoxer, wie es R. Koppel Theben war, so müßte er vor Allem die Wiederherstellung der RabbinatSgerichte anstrebcn. Die Abschaffung diesrr Gerichte ist eine ohne allen Vergleich tiefer eingreifende Nrforun, als die Abschaffung der Pijjntim, denen der Herr Höfwechsler auf׳Kosten des ungarisch-jüdischen Schulfondes in Wien eine Synagoge bauen will. Warum tritt Herr D. nicht für eine solche Reaktion in die Schranken? Weil, er in wesentlichen Dingen selbst . ein Reformer ist, und nur in unwesentlichen den Reaktionär spielt» und daher jedem Kundigen als Charlatan erscheint. Ein Charlatan. und zwar ein sehr alberner Charlatan, ist auch jein Satellite in Eiseustadt. D«S Oktoberdiplom war kaum erschienen, als er nach Altofen schrieb, man solle auf der Hut sein, daß mit der Einführung der nngarischeu Sprache als Amtssprache Löw'S Einfluß nicht wachse!! Die Nachricht, ich werde als Vertrauensmann an den Berathungen einer von dem k. ung. Statlhaltereirathe zu berufenden hinter Herrn D. steht keine Partei, keine Fraktion, nicht ein Minjan. Es gehen ihm aste Eigenschaften zum Führer einer Partei ab; sein anmaßendes Wesen hält jeden von ihm ab. Ich erinnere mich daran, daß Herr Spitzer, Schwiegersohn des sel. Pceßburger Rabbiners, den er hieher berufen hatte, von ihm abfiel und jetzt bei der Gemeinde angestellt ist. Die sogenannte orthodoxe Fraktion hier dementirt es auf das Entschiedenste, mit Herrn D. in irgend welcher Verbindung' zu stehen und er steht daher einsam und alle)«. Nach Außen hin mag er vielleicht zur Geltung bringen, er sei Hofwechsler. Hier weiß man, was von solchen Titulaturen zu halten ist. Cs gab eine Zeit, da hatte er bei dem Herrn Grafen Thun Einfluß. Dem Staatsminister Schmerling fällt eS jedoch nicht ein, den aufdringlichen Rath des Herr» D. anzunehmen, oder irgendwie in die inneren Verhältnisse der.Juden eiligreifen zu wollen; die Juden in Oesterreich können dem Staatöminister dahier insbesondere dankbar sein. . Die Mitthcilung, daß die sogenannte orthodoxe Fraktion daran denke, Herrn Dr. Guggenheim hieher zu berufen, scheint mir nicht ganz genau zu sein. Dieser Fraktion fehlt es an Geldmitteln und so sehr sie es gewünscht hätte, ein eigenes Gotteshaus zu erbauen, so war ihr dieses doch nicht möglich und begnügt sie sich vorläufig mit einer Bet- Lokalität, die ihr in einem Zinshause eingeräumt ist, und eine derartige Lokalität steht ihr auch für die nächste Zeit in einem neuerbauten Hause ,in Aussicht. Die Berufung und die Erhaltung eines Rabbiners kostet jedoch Geld, und woher dieses nehmen? Für den Fast aber auch, daß ein Rabbiner bestellt werden sollte, so dürfte kaum Herrn G. die Wahl treffen. Man ist hier an vortreffliche, ausgezeichnete Prediger gewöhnt. Ohne Herrn G. sonst nahe treten zu wollen, ccher ein guter Prediger ist er nicht. Es fehlen ihm der Flug der Gedanken, die Farbenpracht der Phantasie, die Gewalt der Sprache. X. Wien, 7. Feber. Ihr! Korrespondent ist sehr ungenau unterrichtet. Von der Berufung Guggenheimer's ist hier gar keine Rede. Herrn HildcSheimec'S Treiben erregt hier Indignation. Ec hätte 185? seinen Posten nicht einnehmen können, wäre der hiesige Gemeinde Vor- Kommission theilnehmen, macht ihm schlaflose Nächte, und er hat nicht Ruhe und nicht Rast, bis er um die Berufung seiner Parteigenossen petitiouirt hat!! Wenn ich mich all dem gegenüber vollkommen passiv, verhielt, so liegt der Grund nicht nur darin, daß ich weit entfernt bin, der Regierung meine Rathschläge aufzudrängen, und daß ich überhaupt nicht zu denjenigen gehöre, die für das Institut der Vertrauensmänner schwärmen; sondern noch in einem andern, tiefer liegenden Grunde. Das geschichtlich überwundene, in der Auflösung begriffene, allmälig dahinschwindende Element macht im Gefühle der innern Schwäche allezeit Anstrengungen, sich durch äußere Mittel zn erhalten, und es ruft daher auch den Arm der weltlichen Obrigkeit zu' Hilfe. Die Sache, die ihres Sieges gewiß ist, der die Zukunft gehört und deren Kraft in ihrem eigenem Wesen liegt, verschmäht diese äußeren Mittel und Anstrengungen^ Die Herren Deutsch und Hildesheimer sehen dies nicht ein; es ist aber, nichts destoweniger ein weltgeschichtliches Gesetz. Diesem Gesetze, gemäß müssen die Herren D. und H. antichambriren. petitioniren, vielleicht auch ein wenig dcnunziren und allerlei reaktionären Lärm machen. Sie müssen, sie können nicht anders! Von dem Vorwürfe der Charlatanerie sind sie allerdings nicht rein zu waschen; sie dürfen abcr mil stolzem Selbstgefühle sagen: unsere Charlatanerie fließt aus einem weltgeschichtlichem Gesetze.. Aber eben diesem Gesetze gemäß verschmähen wir, die Männer des Fortschrittes und der Reform, die Mittel, welche von den Herren Deutsch und Hildesheimer angewendet werden müssen. Wir bedürfen keiner Protektion. Unser Bundesgenosse ist der Gott der Wahrheit: der Hüter Israels, der nicht schlummert und nicht schläft. Auch keimen wir das aller menschlichen Entwickelung vorgezeichnete Gesetz der Kontinuität; es kömmt uns daher gar nicht in den Sinn, irgend etwas präzipitiren zu wollen: Wer da vertraut, eilet nicht sJesaj. 28, 16)! Daß wir eS gleichwol nicht unterlassen, der reaktionären, Schwilldelei von Zeit zu Zeit entgegenzutrcteu, ist ganz natürlich. Schon der Talmud sagt: מלחמה נמי אחחלתא תאולה היא (Meg.17. 17,)! Red.