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Ben Chananja · 1864-02-10 · 6 (10.2.1864) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
6 (10.2.1864)
Date
1864-02-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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113 114 Eine bessere Gestaltung des Kultnswesens betrachtete und bezeichnte also S. selbst als Zielpunkt oder doch als einen Zielpunkt seiner Pastoralen Bestrebungen. Sonst war er ein entschiedener, ja heftiger Gegner der deutschen Reformbewegung in den vierziger Jahren. Auf der Kanzel kannte er gegen die Reformer keine Schonung, keine Rücksicht, keine Moderation. Er fand in ihrem Beginnen und Vorgehen nichts als Sinnlichkeit, Ostentation, Jndifferentismuöz ein Spiel des Muthwillens, der Keckheit, der Frivolität. Der Orthodoxie gesiel dies gar wol, ohne daß jedoch dieselbe die geringste Geneigtheit gezeigt hätte, ׳ihm auf der Bahn der Verbesserung des Kultuswesens auch nur einen Schritt zu folgen. Ja, im Juni 1845 wurde die ans Antrag von S. vom Gemeindevorstande projektirte Errichtung eines Chors in der Synagoge von dem Berliner Gemeinderepräsentanten mit bedeutender Majorität zurückgewiesen! Erst später, und nicht ohne Kollisionen mit der Orthodorie gelang es Sachs, einige Reformen im synagogalen Kultus׳ durchzusetzen. In Berlin gab es selbst progressiv Gesinnte, die für die Einführung dieser Reformen nicht leicht zu gewinnen waren. Die blos äußere Verschönerung des Gottesdienstes schien ihnen zu der damit verbundenen Belastung des Gemeindebndgets in keinem günstigen Verhältnisse zu stehen. Mit der ersten literärischen Arbeit trat S. 1835 auf: mit einer Uebersetzung und Erläuterung der Psalmen. Rückerts Uebersetzung eines Theils der profetischen Bücher hatte anregend auf ihn gewirkt, und Rückerts Einfluß ist in der Psalmeuübersetzung auch nicht zu verkennen. Zu uz bezeichnete die Sachs'schen Psalmen als ״die Leistung einer selbstständigen glücklichen Kraft". ״Sehr.vieles", sagt er, ״muß als einleuchtend vorgetragen, gut interpretirt, kräftig wiedergegeben , der höchsten Beachtung empfohlen werden." Für die Zunz'sche Bibel lieferte S. die Uebersetzung folgender Bücher: Deuteronomium, Josna, Richter, Samuel, Jesaja, Joel, Amoö, Habaknk, Zefranjaj Haggai, Maleachi, die Psalmen, das hohe Lied, die Klagelieder. Jeremia hat er gemeinschaftlich mit Arnheim übersetzt. Im Interesse der Wissenschaft ist es wol zu bedauern, daß S. nicht seine ganze literarische Thätigkeit der biblischen Exegese gewidmet hat. Bei seiner hohen Begabtheit und seinem anhaltenden Fleiße hätte er leicht die Bearbeitung der ganzen heiligen Schrift zu Stande bringen können. Allein sein Beruf als Prediger brachte ihn unaufhörlich mit' der Haggada in Berührung, und sein Streben, .auch Nabbiner zu werden, führte ihn aus das Feld der Halacha. Auf seine ersten Versuche, TalmudischeS und Midraschisches in poetischer Form wiederzugeben — eine ansehnliche Sammlung solcher Bearbeitungen erschien später unter dem Titel .^CMath und Jordan", — dürfte. Moses Landau'ö Anregung nicht ohne Einfluß gewesen sein. Landau hatte sich schou im Anfänge der zwanziger Jahre auf diesem Gebiete mit Geschmack und Erfolg versucht. Die Dichter der arabischen Epoche wurdenihm durch Rappoport, dessen Berufung nach Prag großen Theils sein Werk war, näher gebracht. Seine zumTheil wirklich meisterhafte Uebersetzung von Pijjutim aus jener Epoche erschien 1845 in Berlin. (Die religiöse Poesie der Juden in Spanien.) Als Pijjlltübersetzer befolgt S. nicht die Methode, die er als. Bibelübersetzer befolgt hatte. Als solcher hatte er sich 1835 die Aufgabe gestellt, ״der hergebrachten paraphrastischen Weise, der es mehr um eine ungefähre Relation des Inhaltes, als um die Wiedergabe des Originals nach seiner besonder« Eigenthümlichkeit der Gliederung der Nedemaßen und Wahl und Gehalt der einzelnen Worte zu thun ist, ein eben diesen letzten Anforderungen entsprechenderes, getreueres Abbild des Urtextes entgegen-" stellen." Seine Pijjutübersetzung bietet hingegen nicht mehr, als eben die paraphrastische Jnhaltrelation ihres Urtextes. ״Die religiöse Poesie der Inden in Spanien" ist eine der schönsten Erzeugnisse der neuern jüdischen Literamr. Der nach Vortrag und Darstellung ausgezeichnete historische Theil jedoch faßte die behandelten Fragen schon seiner Zeit nicht in ihrer ganzen Tiefe. Er ist der Versuch eines religiös und poetisch erregten GemütheS, sich gewisse historische Erscheinnngen im Sinne der eigenen Richtung und Tendenz zurecht zu legen. Einen wahrhaft peinlichen Eindruck macht es, wenn der Verfasser in der Vorrede sagt, daß diejenigen, ״die auf den Geist der Gegenwart Hinweisen, nur zu oft die.Gegenwart irgend eines Geistes vermissen lassen:" eine fanatische Uebertreibung, die aus der Individualität ihres Urhebers erklärt werden mag, aber nicht zu entschuldigen ist. Sachs gelehrteste Arbeit sind die ״Beiträge zur Sprach- und Altertumsforschung", welche 1852 und 1854 erschienen, in denen Ausdrücke der jüngeren Midraschim aus dem Spätgriechischen mit vielem Erfolge erklärt, dabei aber auch viele willkürliche Deutungen vorgetragen, und nicht wenige' Fehler begangen werden. ' Glücklicher, als auf dem Gebiete der Forschung, bewegte sich Sachs auf dem Gebiete der Dichtung, namentlich der reproduktiven Dichtung, wie besonders seine Uebersetzung der deutschen Pijjutim beweist, denen er viel größere Sorgfalt schenkte, als den sefardischen. Die Liebe, mit welcher sich Sachs dieser Arbeit unterzog, verdient wirklich Bewunderung, oder vielleicht Verwunderung. Der Umstand, daß die Pajjetauim die hebräische Sprache nicht selten mißhandelten und daß sie von dieser Seite seit Aben Esra öfters angegriffen wurden, lenkte die Aufmerksamkeit von dem Inhalte ihrer religiösen Poesien ab, und, ließ ihre Gedankenarmuth nicht erkennen. Hätten sie korrekt, fließend uud in Prosa geschrieben, würde sich ein geistvoller Mann, wie Sachs, sicher-

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