Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 5 (3.2.1864)
- Date
- 1864-02-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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103 104 tti ihrer Beziehung zu« einzelnen Menschen in sich, während der Satz des römischen Redners die allgemein kulturhistorische zum Inhalt hat. Der Name des R- Hai stehet auch mit vielen literariichen Denkmalen in Verbindung, deren Echtheit zwar nicht über allen Zweifel erhaben ist. Innere Merkmale des Alterthums aber geben diesen Sachen jedenfalls Interesse, selbst wenn sie nicht von dem Gaon herrühren sollten. Tiefer auf diese Sachen einzugehen, liegt hirr zwar außer unferm Bereiche, jedoch einige flüchtige Andeutungen zu geben, dürste nicht außer seinem Platze sein. Ein Brief des R. Hai an Samuel hanagid gerichtet, ist auf verschiedenen Seiten gedruckt. 4) Es ist kein Grund vorhanden, diesen Brief als absolut unecht zu erklären. Algazali hat Alfarabi und Jbn Lina der Ungläubigkeit angeklagt, ל obwol die meisten mo h amedanischen Gelehrten nichts davon sagen, besonders ut Bezug auf den letztgenannten. Wenn nun Algazali, der selbst einer der berühmtesten arabischen Filosofen war, gewisse andere Filosofen als zur Ungtäubigkeit sich hinneigend, betrachtete, so darf es doch nicht auffallen, wenn Hai Gaon, der doch nur ein Talmudist war, die Filosofie im Allgemeinen verdächtigte. Es darf auch angeführt werden, daß der Chalif Al M a m v n (etwa 100 Jahre vor Saadias), welcher zuerst die Filosofie bei den Arabern einführte, von den gläubigen Mohamedanern dafür getadelt wurde. (D'Herblot Art. Mamon). DaS, was sich unter diesem Chalifen bei Den Mohamedanern zutrug, hat sich nachher bei den Inden ereignet. Hai Gaon hätte demnach nur dasselbe gesagt, welches früher die frommen mohamedanischen Gelehrten vorgebracht haben. Als einen andern Grund der Unechtheit dieses Briefes hat man auch seinen — vermeintlichen — schlechten Styl angeführt. Der Styl des Briefes ist übrigens nicht schlechter, als alle andern dieser Art, cs ist das gewöhnliche Rabbinische. Stylistik in dem spätern Sinne des Wortes war überhaupt damals noch nicht geboren. ES ist dieselbe erst etwas später auf den Schauplatz getreten. Zn der talmudischen Periode war keine eigentliche Stylistik. In diesen Ländern war überhaupt keine eigentliche Stylistik. Spiegel bemerkt dieses auch von den Parsen, welche doch die nächste Umgebung der Talmudisten bildeten. Wenn mau behaupten wollte, daß zu H a i G a o n S Zeit über- Haupt keine Filosofie war, so wäre dieses weit von der Wahrheit. Es waren doch damals schon die Werke von Saadias,") Isaak I Sraeli u. a. m. Rabenu Nissim, Zeitgenosse des R. Hai, war selbst kein Fremdling in der Filosofie.^) Die Worte des N. Hai sind übrigens gar nicht so strikt zu nehmen, als sollte alle Beschäftigung mit Filosofie verboten werden, es wollen seine Worte nur besagen, daß man im-Allgemeinen talmudische Ansichten höher stelle, als filosofische. Die Behauptung, als sei der angebliche Brief von einem Franzosen des dreizehnten Jahrhunderts geschrieben worden, hat man mit einer solchen Gewißheit ausgesprochen, als hätte es der heilige Geist diktirt. Das von uns Vornngeschickte hat hoffentlich mehr die allgemeine Ueberflüssigkeit dieser Behauptung gezeigt. Die Betrachtung eines speziellen Punktes dieses Briefes kann nnsere Ansicht noch bestärken. In diesem Briese ist die Rede von einer gewissen geistigen Anfregnng, welche in Bagdad zur Zeit des Chalisen Ezz adaulla^) herrschte. Dieses Faktum ist unseres Wissens sonst nicht von andern Seiten bekannt. Wenigstens ist es uns bis jetzt nicht gelungen, irgend etwas Näheres darüber zu finden. Die Thatsache steht aber für uns fest. Sie zu bezweifeln ist nicht der geringste Grund vorhanden. Wie hätte aber ein Franzose des dreizehnten Jahrhunderts wissen können, was sich in Bagdad 300Jahre früher ereignete? Aus welchen Quellen könnte er dieses entnommen haben? Diese geistige Aufregung in Bagdad, welche im Knabenalter des R. Hai begonnen hat, ohne — so weit es jetzt bekannt ist — eilte bestimmte literarische Form angenommen zu haben, mochte wol im Stillen geglimmt haben, bis dieselbe in Spanien gegen das'Lebensende des R. Hai in bestimmten und mannigfachen Formen hervortrat, und nach verschiedenen Richtungen hin sehr sichtbare geistige Gestaltungen neu in ihrer Art hervorrief. In gehöriger Entfernung konnte man vcrgleichungsweise auf die durch Mendelssohn hervorgerufcne Aufregung im vorigen Jahrhundert aufmerksam Machen. Die Entwicklung derselben hat mehr als 60 Jahre gedauert. Wir können freilich heute nicht mehr mit Genauigkeit angeben, was man zu Samuel hanagids Zeiten gelesen hat, aber man könnte geneigt sein, anzunehmen, daß die Werke des Jbn Lina einen tiefen Eindruck haben müssen. Die Wichtigkeit, welche ihnen Sha rastani beilegt und die ausführliche Analyse, die er davon gibt, lassen dieses vermuthen. Jbn Lina war Zeitgenosse des R. Hai — sic starben beide in einem Jahre. — Daß der 91 a gib die Werke des Jbn Lina gelesen hat, darf man vorauSsetzeu (ver-gl. übrigens auch weiter unten.) Der Merkwürdigkeit halber darf auch ein anderer mohamedänischer Zeitgenosse des N. Hai erwähnt werden. Es ist Jbn Haz m ar-Zahiri, 10) welcher ein Buch schrieb, 11m nachzuweisen, daß die Juden und Christen die Bibel gefälscht haben. In dem Brief des Hai Gaon ist gar keine Anspielung auf das talmudische Werk des Na gid. Man hat dieses ebenfalls als Veweis der Unechtheit des Briefes betrachten wollen. Es darf aber die Frage erlaubt sein, ob nicht dieses Brief des Gaon vor der Abfassung dieses Werkes könnte geschrieben worden kein? Es eristirt auch ein Brief des N. Hai über Wnnderthaten, die ein gewisser R. Natronai — den man für den Gaon gleichen Namens gehalten hat — soll geschrieben haben. *') ES ist darin unter andern von gewissen geheimnißvollen S i eg el n (הותמות) die Rede. Es darf hier übrigens auch bemerkt werden, daß solche bereits in dem Jggereth Baale Chajjim erwähnt werden. n) Aehnliches ist auch im Talmud. Es ist auch eiu Buch הרבא דמשה darin angeführt. Man liest auf manchen Seilen des Midrasch, daß auf dem׳ Moses-Stab der göttliche Name eingegraben war — Ollk הקוק עליו• — Man könnte vermuthen, daß das soeben genannte Charba de-Mojche diesen Sagen ursprünglich sein Dasein verdankt, bei welchem übrigens weder die Sage, noch die Literatur etwas gewonnen hat. Eine Handschrift unter dem Titel Charba de-Mosche ist wirklich auch in Orfor d. Es ist voll von Beschwörungen und Engelsnamen, aber ohne irgend einen Gedanken. Ein Buch genannt n) של התולה wird ebenfalls in dem vorliegenden Briefe angeführt, welches auch nicht viel Werth hat. R. Natronai Gaon ist als Talmudist wol bekannt, sonst aber weiß man nicht viel von ihm. In diesem aber ist er Held von Wnnderthaten geschildert, viele merkwürdige Sachen zverden von ihm (Fortsetzung in der Beilage.) Szegedin, Zelbjlvcrlag der kedaktion. Leipzig, Lommtslions-Verlag von ftan} Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ein Viertelbogen Beilage.