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Ben Chananja · 1864-02-03 · 5 (3.2.1864) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
5 (3.2.1864)
Date
1864-02-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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101 102 jetzt die Ziffer 1ö0 erreicht haben. Der Zuwachs bestand aus den heterogenflen Elementen, doch wurde derselbe durch daS Beispiel und durch die Mühe Holländers für die Sache des Fortschrittes gewonnen, und mit der Gemeinde affimilirt, so daß sämmtliche Gemeindemitglieder wie Ein Mann rüstig vorwärts schreiten. Der Tempel ist noch derselbe, den Holländer bauen ließ; die Schule aber wurde erst im Jahre 1858 eröffnet. Sie hat zwar nicht den pomphaften Namen Mnsterschule, doch kann sie mit Recht wegen ihrer gediegenen nnd resultatreichen Leistungen als Musterschule gelten. Die materielle Stellung der KnltuSbeamten ist verhältnißmäßig sehr günstig. Der Prediger bezieht ein jährliches Honorar von 1500 fl. ö. W., der Kantor 1000 fl., der Oberlehrer 700 fl. und die übrigen Lehrer 500 fl. WaS mir aber an der Gemeinde besonders gefällt, find drei Dinge: 1) Daß Friede und Eintracht herrscht, was matt leider bei manchen jungen und vielen alten Gemeinden vermißt. 2) Daß die Bildung und deren Repräsentanten von allen Mitgliedern der Gemeinde überaus geachtet und geschätzt werden. Die Lehrer werden in allen Beziehungen von den Gemeindegliedern nicht als Sub-, sondern als Koordinirte behandelt. Die moralische Stellung der Lehrer läßt demnach nichts zu wünschen übrig, und hierin kann EperieS vielleicht keine Gemeinde in Ungarn zur Seite gestellt werden. 3) Daß die Gemeinde Civilisation mit Moralität, Fortschritt und tiefer Religiosität verbindet. Ich scheide von dieser freundlichen und lieben Gemeinde mit dem innigsten Wunsche, daß ihr Wirken und Schaffen in Oberungarn gewürdiget werde Und Nachahmung finden möge. M. Si lb erste in , Hauptschullehrer. ® Steinamanger, 24. Jänner. Wenn das Sprüchwort: ״Hättest Du geschwiegen, Du wärst ein Filosof geblieben" nicht schon längst erfunden worden wäre, so hätte ich es jetzt erfinden müssen, um mich dessen als Einleitung zu den Bemerkungen bedienen , zu können, die ich mir auf einen Korrespondenzartikel in Nr. 2 Ihres.Bl. ddo. Steinamanger 22. Dezember erlauben muß. Cs ist und bleibt einmal eigenthümlich, daß maßgebend sein wollende Personen, denen jedoch, sei es wegen Mangel an Ansehen, oder aus Mangel an Fähigkeit, mit einem Worte wegen Mangel an Popularität in der Gemeinde maßgebend sein zu können, nicht gegönnt ist, sich, nachdem sie in einer wenig beneidenswerthen Thätigkeit der Wühlerei fruchtlos sich abgemüht haben, endlich an die Oeffentlichkcit drängen, um unter der MaSke der Anonymität Zustände zu beleuchten, deren dunkle Kenntniß aus ihrer dünkelhaften Darstellung nur zu sehr hervorleuchtet, und dies obendrein noch höchst wahrscheinlich in dem süßen Wahne, in dem zugewürfelten Machwerk eine gediegene Arbeit geliefert zu haben. Allem Anscheine nach hat es der freundliche Leser des geschätzten ״B. CH." auch in dem vorliegenden Falle mit einer eben solchen Persönlichkeit zu thun, die mit den ebenso schlecht gewählten, als auch schlecht angewendeten, in den Text eingcflochteneu hebräischen Sprüchlein dem — freilich wol nur unwissenden — Leser einen Anstrich von Gelahrthcit vorspicgclnd, nicht bedenkt, daß der Nrtheilsfähige nicht verfehlen wird, den rechten Maßstab anzulegen an ein solches Werk, daß man in der Kunstwelt mit dem Ausdrucke .,bunte Mosaik" oder wie es hier Vielen besser gefällt ״Kauderwälsch" zu bezeichnen Pflegt, und das ich nur ganz bescheiden ״unzusammenhängender Zusammenhang" benamsen will. — Um dieses Urtheil zu rechtfertigen, will ich, nachdem es wahrlich nur sehr wenig lohnend wäre, den ganzen Jdeengang jener Korrespondenz einer eingehenden Kritik zu würdigen, blos die hervorstechendsten Punkte hervorheben. — Bei der Parallele zwischen der abgetretenen und neu eingesetzten Vorstehung der hiesigen Gemeinde sollte doch der angebliche Gegensatz verständiger Weise nur ans die Thätigkeit beider Vorstehungen bezogen werden können. — Nachdem jedoch die neue Vorstehung vor kaum 14 Tagen ihr Amt angetreten hat und somit aut 22. Dezember noch gar nicht in Wirksamkeit gewesen war, so wird sicherlich jeder Einsichtsvolle sowie einerseits in Beziehung auf die vorige Vorstehung einen — es bleibt dahingestellt, ob verdienten oder unverdienten — jedenfalls unberufenen Tadel, andereseits aber in Beziehung auf die neue Vorstehung — alle Achtung vor mehreren Persönlichkeiten derselben! — eine nngebetene Schmeichelei erblicken. — Mit nicht größerem Geschick behandelt Herr Lr. den sehr ehrenwerthen Herrn Rabbiner Stern, indem' er durch jene gleichfalls unbernfene, sicherlich das Zartgefühl des Herrn Rabbiners verletzende und allenfalls zur Unzeit ausposaunte — wenn auch wolverdiente — Lobpreisung möglicherweise das ״zarte Verhältniß des sehr geehrten Herrn Rabbiners-zu unserer Gemeinde aufs Unzartsinnigste auch schon dadurch kompromittirt, daß er in diesem Anbetracht schon von einer Acquisilion, — also von einer schon ausgemachten Thatsache — zu faseln für gut findet und hierdurch dem hochachtbaren Herrn Rabbiner, ich glaube mit Bestimmtheit sagen zu können, einen sehr schlechten Dienst erweist —! Thatsache ist, daß hier bei zahlreichen Freunden des hier in sehr gutem Andenken stehenden Rabbiners die Ansicht herrscht, daß der unberufene Verfasser jener so sehr zur Unzeit in die Welt gesetzten LobcShymne ein verkappter Feind oder doch Gegner des Herrn Rabbiner Stern sein müsse. — Es ist sonach erwiesen, daß Herr Lr. all dasjenige nicht sagte, was er vielleicht gesagt haben wollte — und daß er hingegen daß Mißgeschick hat, dasjenige gesagt zu haben, WaS er vernünftiger Weise nicht gesagt haben sollte —, und somit die ganze Sprache, die Herr Lr. über die hierortigen Znstände führt, so erscheinen müsse, als hörcte man einen Blinden von Farben sprechen. — Ich glaube daher nach diesen den Verfasser hinreichend kennzeichnenden kurzen Streiflichtern, diese bescheidenen Bemerkungen mit dem Eingangs zitirten Sprüchworte beschließen zu können: Hättest Du geschwiegen, Du wärst ein Filosof geblrebcn. — Literarische Äiyeigen. Rabbi Hai Gaon und der Catholicus von Bagdad.*) Von Leopold Dukes. (Schluß.*) Hai Gaon zitirt auch Stellen aus arabischen Dichtern und anderen Werken. J) Es darf dies ebenfalls als ein kulturhistorisches Moment betrachtet werden. Es war dies eine allgemeine Sitte der A.raber. Filvsofen verschmähten es nicht, Gedichte zu machen, oder wenigstens Stellen von andern anzuführen. Citate bei jüdischen Autoren aus arabischen Büchern dürfen als Brücke betrachtet werden für die Verbindung verschiedenartiger Zustände der Kultur. Einige Worte Ciceros dürften hier anwendungsweise gebraucht werden: ״Denn was ist — sagt derselbe — 2) des Menschen Leben, wenn es nicht durch die Erinnerung an die Vergangenheit mit frühern Menschenleben verwoben wird." Ist die Vergleichung des Heute und Gestern interessant und belehrend, — von dieser hat Cicero gesprochen so ist es die des Hier und''Dort nicht minder. Und so könnte man die Worte auch auf die Kenntniß der gleichzeitigen Bestrebungen ans verschieden en Seiten anwenden. Mit den angeführten Worten CiceroS darf man auch die Worte des arabischen Dichters ins Gedächtniß zurückrufen *זכח־ן (י הגבר יכזותיר השניים »Die Erinnerung ist des Menschen zweites Leben." Es enthalten diese Worte eine Charakteristik der Erinnerung' *)S. Nr. 49. des vor. Jahrg.

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