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Ben Chananja · 1864-01-27 · 4 (27.1.1864) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
4 (27.1.1864)
Date
1864-01-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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76 75 leicht auf den Gedanken gerathen, daß die Serbischen Ehemänner sich ihre Gattinnen kaufen. In Wahrheit geschieht dies aber, wie wir Alle wissen, durchaus nicht, und eS kömmt selbst dem ungebildeten Serben nicht in den Sinn, daß er sein Weib als ein sachliches Eigenthum an sich gebracht habe. Wenn ein asiatischer Reisender den finanziellen Verhandlungen beiwohnen würde, welche in vielen zivilisirten Landern Europas den Eheverlöbnissen vorangehen, so würde er sich kaum deS Gedankens erwehren können, daß in Europa die Väter ihren Töchtern Männer erkaufen müssen. Belehrender, als die Berichte der Reisebeschreibungen, ist der Aufschluß, welchen der biblische Sprachgebrauch über das Prinzip der Eheschließung gibt. Hätten die Hebräer dieselbe für nichts anderes, als für einen Kaufakt angesehen, so hätte sich diese Anschauung auch in ihrer Sprache abspiegeln müssen, was aber bei weitem nicht der Fall ist. Man braucht nur an das Verbum ארש zu erinnern, um die gänzliche Unhaltbarkeit der vulgären Kauftheorie darzuthun. Die Etymologie dieses Verbums ist allerdings streitig^); unstreitig wird aber dasselbe niemals von Kauf und Verkauf, sondern ausschließlich vom Eheverlöbnisse gebraucht: Beweis genug, daß die Schließung des Ehebundes dem Hebräer in einem ganz andern Lichte erschien, als in dem der Erwerbung eines sachlichen Kaufobjektes. Selbst das Verlöbniß eines Freien mit einer Sklavin bezeichnet der biblische Hebräismus mit einem Ausdrucke (הרף), welcher auf Kauf und Verkauf nicht angewendet werden kann. 4) Unter den biblischen Archäologe» ist Saal schütz der erste, welcher der Kauftheorie entschieden widerspricht. ״Das Geschenk", sagt er, ״ohne welches man sich nach der sorkdaueruden Sitte des Orients keiner Person nähert, der man bei besondern Geleg eMeiten Achtung bezeugen will, war auch dort — bei der Werbung um Rebekka für Isaak — nur der übliche Ausdruck der Artigkeit und Achtung. Auch der Braut gegenüber hat es zunächst diese Bedeutung; dann allerdings auch die, der ostensible Widerhall ihres Jawortes von Seite des Bräutigams zu sein, und dadurch, daß er ein Brautgeschenk gab und sie nahm, das Verhältuiß als beiderseits eingegangen zu bezeichnen. Auch bei den alten Deutschen heiligte das der ״Vrant übergebene Geschenk daS Bündniß." *ל Es liegt in dem mehr praktischen, als theoretischen, und in der Theorie mehr intuitiven, als reflektirenden Geiste des biblischen Alterthums, daß dasselbe keinen Versuch machte, ein Prinzip, eine Theorie der Eheschließung aufzustellen. Die Sprache der Bibel beurkundet eS aber unzweideutig, daß man sich die Schließung der Ehe nicht als einen Weiberkauf, sondern als eine innige Verbindung von Mann und Weib dachte. Dem bereits erwähnten ארש liegt nach den neuesten Sprachforschern der Begriff des Festmachens zu Grunde.חתן bedeutet ursprünglich ״verbinde n," ״fe stm achen." Der Vater der Braut heißt חותן der ״Verbind ende" oder ״Befestigende", weil er, indem er seine Tochter ihrem künftigen Gatten zuführte, die eheliche Verbindung stiftete. Der Tochtermann heißt ההן, d. i. der ״Verbundene", ״Befestigte." Einen Bräutigam im heutigen Sinne kennt das jüdische — biblische und ralmudische — Alterthum nicht. Das Eheversprechen oder Ehegelöbniß (desponsatio) fiel im jüdischen Alterthume mit der Trauung oder Kopulation zusammen. Die Ehe wurde dadurch perfekt geschlossen und durch die eopula 6arnali8 nur vollzogen. Der gerichtlich erwiesene Treubrnch der Verlobten zog daher schon vor der Vollziehung der Ehe die Todesstrafe nach sich°). Aus dem Begriffe des Verbindend ist auch die Benennung חם für den Vater der Braut hervorgegangen.ד) Die verlobte oder eigentliche getraute Braut heißt nicht etwa die Gekaufte, sondern כלה, die ״Bekränzte"; der Brautstand ist die Zeit der Bekränznng (כלולות). Die Profeten haben bekanntlich das Verhältniß Israels zu seinem Gotte öfters unter dem Bilde eines ehelichen Bundes dargestellt: Wie man sich dem Weibe der Jugend nach kurzem Zürnen wieder mit voller Zärtlichkeit znwendet, so nimmt der Gott Israels nach kurzer Zeit des Zorns sein Volk wieder zu ewiger Liebe auf. Er redet der Nation zu Herzen, daß sie ihm als ihrem Gatten angehöre, indem sie Ihm auf immer angelobt sei in Recht und Gerechtigkeit, in Liebe, Erbarmen und Treue. 8) Damit hängt folgende Stelle zusammen, welche vielfach gedeutet wurde, weil man die Bedeutung von האמיר verkannte: ״Den Ewigen Haft du angelobt heute, daß er dein Gott sei und daß du in Seinen Wegen wandelst, und haltest Seine Satzungen, Gebote und Rechte, und Seiner Stimme gehorchest. Und der Ewige hat dich angelobt, daß du das Volk Seines Eigenthums fein sollest, wie Er dir verheißen hat." 0) Als Derivatum von האמיר heißt מאמר in der Mischna: eheliche Verbindung. So weisen die Ausdrücke: התן ׳הם ,ארש .אמר darauf hin, daß die biblische Eheschließung nicht auf Kauf und Verkauf zurückgeführt werden könne. Vielmehr sah man darin eine für die Dauer bestimmte Vereinigung, ohne daß man sich über den Nechtsgrnnd dieser Vereinigung Rechenschaft gegeben hätte. B. Talmudisches Prinzip der Eheschließung. Im Talmud lassen sich zwei Theorieen der Eheschließung deutlich von einander unterscheiden: die ältere nnd die jüngere. Bisher wurden die beiden Theorien nicht von einander unterschieden. Bei kritischer Prüfung der talmudischen Quellen ist gleichwvl die Unterscheidung nicht schwer zu entdecken. Die ältere Theorie ist wol nirgends mit klaren Worten formnlirt; sie spiegelt sich aber in der Kethuba klar genug ab, um sogleich erkannt zu werden. Die Kethuba konstatirt den beider-

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