Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 3 (20.1.1864)
- Date
- 1864-01-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543125--3484-2547365- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
69 70 Gesellschaft Eigenthum ist, wird es hingegen im Hause aufgezogen, so ist es Eigenthum des Individuums, und findet das besagte Gesetz dabei nicht statt. Die unreinen Thtere werden nicht zur Nahrung genommen; die zur Nahrung erlaubten viersüßigen Thiere werden gewöhnlich blos im Hause oder in Hürden aufgezogen, sie sind also Eigenthum des Individuums. Das besagte Gesetz kann daher nur bei reinen Vögeln , welche dem Reisenden auf dem Baume oder auf der Erde in einem Neste aufstoßen (כי יקרא) Anwendung finden. Diese Auffassung des Gesetzes könnte meines Bedünkens auch mit der Mischna Berachoth 0. 5. m. 8. und Megilla 6. 4 in Einklang gebracht werden, da in demselben blos der vorausgesetzte Beweggrund des Gesetzes getadelt wird. *) In der Bemerkung zu §. 175 meinte ich, daß das Gesetz, wie es da in der Belegstelle ausgedrückt ist, heutigen Tages nicht beobachtet werden könne, und um ׳ die nochwendigen rabbinischen Bestimmungen zu erfüllen, Maimonides in seinem Jad hachazaka nachzulesen sei. Dieses beweiset der ganze Zusammenhang. Der geehrte Rezensent ist aber in einem großen Jrrthnme, wenn er glaubt, daß ich durch Maimonides etwas erhärten wollte. Ich ziehe ihn blos wegen seiner klaren und faßlichen Darstellung den spateren Gesetzlehrern vor und empfehle nur, von den betrefsenden Stellen in seinem Jad Einsicht zu nehmen. Mich befremdet es aber, daß der geehrte Rezensent, der so gern von Tradition spricht, hier gegen dieselbe verstoßt. Er sagt: ״warum die h. Schrift die männlichen Erstgeburten der unreinen Thiere zu tobten befahl." Nach dem Talmud Bechoroth 5, 2. angeführt in Joredea 321 beziehet dieses Gesetz sich blos auf die im Texte erwähnte Gattung von unreinen Thieren, nicht aber auf die unreinen Thiere über- Haupt. Nur Mendelssohn ist in seinem Commentare anderer Meinung. Der geehrte Herr. Rezensent mißbilligt es ferner, daß ich bei §. 38, wo es heißt, daß auch die Tugendhaften aller Nationen des ewigen Lebens theilhaftig sind die Bemerkung des Maimonides hinzufüge. ״Wenn ihre Moral ein Ausfluß der geoffenbarten Lehre ist." Er glaubt, daß die Sittlichkeit an sich, aus welcher Quelle sie immer fließe, den Menschen zum Bürger des Himmels mache.— Meines Wissens hat dieser Bemerkung des Maimonides noch keiner von den auf ihn folgenden Gesetzlehreren widersprechen. Ich hielt es daher für Pflicht, der talmudischen Lehre חסידי אומות העועם יש להם חלק. לעולם הבא auch die Bedingung des ersten und berühmtesten Gesetzlehrers anzuschließen. Der Urheber dieser Bedingung stellte wahrscheinlich die Voraussetzung, daß es in der Praxis eine Sittlichkeit ex pura ratione gebe, in Abrede, indem er glaubte, daß der Verstand des Menschen nicht hinreiche, ihn auf die Bahn der Tugend mit Sicherheit zu führen videwus meliora, probamusque, deteriora sequimur. Wenn es auch Männer gab, die naturalistischen Ansichten huldigten und einen tadellosen Lebenswandel führten,; so hatten sie dieses ihrer Erziehung, die den moralischen Vorschriften gemäß war, zu verdanken. Man wundere sich über diese Ansicht nicht; es gab auch einen christlichen Theologen von großem *) Be, einer zweiten Auflage werde ich, so Gott will, in dieser Beziehung aus meinem erweiterten Religionsunterrichte eine Anmerkung hinzufügen. Namen, der dieselbe Behauptung aufstellte.*) Der geehrte Rezensent würde übrigens besser gethan haben, von Maimonides nicht mit solcher Wegwerfung zu sprechen. Die Grundlosigkeit der Beschuldigung in Ansehung dessen, was ich über Belohnung und Bestrafung im zukünftigen Leben sage, wurde schon oben erwiesen. Ferner möchte der geehrte Rezensent die Darstellung der Schöpfungsgeschichte in eine Einleitung verwiesen sehen, weil sie mit dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft nicht übereinstimme. Auch die Belehrung über das Seelenvermögen scheint ihm, als etwas Bekanntes für überflüssig. — Die Begriffe von שמים und ^אר Gen. 1—11 sind aus Mendelssohns Commentar genommen, nur hinsichtlich der Erklärung von אור bin ich von ihm gewichen. Ich folgte hierin den alten Auslegern und Raschi, daß אור die Lichtmaterie bedeute und bezüglich des 4-ten Tages bloß von dem Verhältnisse der Lichtkörper znr Erde die Rede sei. Jahn in seiner Archäologie (Th. 1. §. 15) beweiset dieses aus den Ausdrücken in den Versen 14—17 das. In den ersten 3 Schöpfungsperioden waren Licht und Finsteruiß, Tag und Nacht nebeneinander, in der vierten wurden sie aufeinanderfolgend. Die mosaische Geogonie ist auf diese Art mit dem heutigen wissenschaftlichen Standpunkte und auch mit dem Wortlaute des Textes durchaus übereinstimmend. Wenn wir die Schüler über die Erkenntniß Gottes als Schöpfers der Welt belehren, warum sotten wir ihnen nicht auch das hinsichtlich der Schöpfung durch Ueberlieferung Empfangene und von uns als wahr anerkannte beibringen, und dadurch den Glauben an einen Weltschöpfer in ihrem Gemüthe befestigen! Mir war es gerade darum zu thun, durch meine Darstellung den Schülern die Ueberzeugnng aufzudrängen, daß die biblische Schöpfungsgeschichte mit dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft nicht im Widerstreite ist. Es befremdet mich aber ungemein, wenn der geehrte Herr Rezensent, der, wie mir bekannt ist, einen religiösen Charakter besitzt, einerseits für die Ehre der Tradition eine Lanze bricht, andererseits den wissenschaftlichen Standpunkt über die heilige Urkunde erhebt und die mosaische Kosmogonie außerhalb des Lagers verweisen will. So handelte nicht Maimonides, der in seinem More Nebukim (Doctor perplexorum) sich die Aufgabe stellte, die Ausdrucksweise der Thora mit den wissenschaftlichen Begriffen in Einklang zu bringen und die im Gebiete der Philosophie Bewanderten nicht wegen des scheinbaren Widerspruches derselben mit der Thora, in der Achtung gegen letztere wankend werden zu lassen (S. seine Vorrede zum M.—N.) Auch Mendelssohns Streben in seinem Commentare zur Genesis hatte dieselbe Richtung. Ebenso hielt ich es für nothwendig die Seelenkräfte im Allgemeinen zu erklären, da durch ihre Fremdartigkeit mit den Eigenschaften der Materie die Selbstständigkeit der Seele erwiesen wird; diese ist aber mit der Erkenntniß der Unsterblichkeit der Seele nothwendig verbunden, ohne Selbstständigkeit der Seele ist Unsterblichkeit und Zukunft nicht denkbar. An die Erkenntniß der Seelenkräfte werden auch die Begriffe von Freiheit des Willens und Gewissen geknüpft, welche unstreitig in jede Religionslehre gehören. *) Siehe ״Gellerts Morcilische Vorlesungen." Leipzig 1770 von S. 62—72.