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Ben Chananja · 1864-01-20 · 3 (20.1.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
3 (20.1.1864)
Date
1864-01-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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59 60 Gesinnungsgenossen sei gesagt, daß eine furchtsame Bescheidenheit derselben dem offenen und freien Auftreten stets als Hemmschuh unter das Rad kommt. Der heute ausgestreute Same wird mit Gottes Hilfe gute Früchte bringen. Inland. —r. Pest. 13. Zänner. Es gehört zu den schönsten Aufgaben eines ZeitungSkorrespondcnten, die im Laufe der Zeit verübten WohlthätigkeitSakte und Liebcüwerke zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, denn solche Berichte sind nicht nur für den Zeiningslcser, den Redakteur, den Berichterstatter, sowie für die Veranlasser des Berichtes, nämlich die Wohlihäter und die dadurch Bcthciligten höchst erfreulich, sondern auch anspornend. für andere, um ebenfalls in ihrem Kreise gemeinnützig und wohlthätig zu wirken. Ich bin heute in der glücklichen Lage, mehrcre WohlthätigkeitSakte veröffentlichen zu können. Ihr Berichterstatter erwähnte schon in der ersten Nummer Ihrer Zeitschrift der Bekleidung von 240 armen Schulkindern, welche die Norinalhanptschulc besuchen. Nun wurden auch an 90 Knaben der Musterhauptschule und an 100 Schülerinnen der Mädchenhanptschule, daher an 430 Kinder mit warmen Winterkleidern versehen, zu welchem edlen Zweck ein Kapital von 4000—5000 Gulden erforderlich war, und welches auf Anregung des löbl. Kultuövorstandes und mehrerer Vorstandsmitglieder bei den einzclncn Gemeindemitgliedern subskribirt und gesammelt wurde. Welch ein rühmliches Zeugniß von dem edlen WohlthtäigkeitSsinne der Pester israelitischen Knltnsgcmeinde. — Derselbe edle Sinn bewährte sich auch bei dci der am 22. Dezember v. I. zum Besten der von Sr. Hochwürden dem Herrn Oberrabbiner Dr. W. A. Meisel gegründeten Snppenanstalt für. Studierende und zu Gunsten des Stipcndicnfondcs für Lehramtszöglinge ftattgefundenen WohlthätigleitS-Akademie, deren Oieinertrag sich auf 740 fl. belief. Doch halten wir es hier für unsere Pflicht, im Siamcn der obengedachten Institute dem Herrn Hermann Reimann den wärmsten Dank öffentlich auözusprechen, da das Zustandekommen der Akademie, sowie der schöne Erfolg derselben zum großen Theile seinem uneigennützigen Eifer, seinen zweckmäßigen Bemühungen zuznschreiben ist. — Ferner wurden au der Mustcrhauplschule aus Anordnung uud durch die Mühewaltung des Herrn Vorstehers M. A. Weiß von der Hollitzer'scheu Stiftung 11 Waisenknaben mit vollständigen neuen Winteranzügen versehen. — Auch einen neuen Beweis christlicher Toleranz und der über alle Schulen ohne Unterschied der Konfession sich erstreckenden Sorgfalt der h. Regierung habe ich Ihnen heute mitzuthcilen, und zwar: Se. Ehrw. Herr Pius Titius, Minoritcnordenö-Geistlicher in Pirano überschickle dem k. ung. Statthaltereicathe eine Natnraliensanrniluiig zur Vertheilung an verschiedene Schulen; in Folge dessen geruhte die h. Statthalterei auch der Lchrmiltelsammlung der kön. isr. Präparandic zu Pest einen Theil dieser Naturaliensammlung zu übermitteln. Das von dem NeligionSlehrcr S. Kohn verfaßte Religionsbuch wurde zum Gebrauche an den israel. Schulen Ungarns von dem h. Statthaltereirathe anempfohlen und geuehmigt. Das vom Lehrer S. Ncnmann herausgegcbene ung. isr. Lesebuch ist in mehreren Schulen und auch an der isr. Musterhauptschule eingeführt worden. Es besitzt seine Licht- und Schattenseiten. hat aber jedenfalls einem allgemein gefühlten Bedürfnisse Rechnung getragen, — weil die isr. Schulen Ungarns bis allhrr noch immer der von der Negierung herausgegebenen ung. Lesebücher entbehren — ud die katholischen Lesebüchcr in einer isr. Schule nicht gut gebraucht werden können. Arad, 13. Zänner. Der hiesige isr. Hiiuianitäts-Vcrcin hat soeben seinen Bericht der Oeffentlichkeit übergeben. Dieser wolthätige, von einem tüchtigen Ausschüsse geleitete Verein, um dessen Gedcihrn sich besonders Herr Heinrich Blau als Vereinspräses nusterbliche Verdienste erworben hat, entwickelt von Jahr zu Jahr eine umfangreichere und wirksamere Thätigkeit. Der vorliegende Bericht schildert die Noth der Armen in diesem Jahre mit lebhaften, aber treuen Farben. Verausgabt wurde zu verschiedenen wolthätigen Zwecken 1103 fl. 45 kr. Der Vereinsfond beträgt 2772 fl. 39 kr. Möge der edle und fromme Verein auch fortan gedeihen und Früchte tragen, gleich einem Baume, der gepflanzt ist an Wasserbächen! Fünfkirchen, 13. Jänner. In unserem letzten Schreiben zeichneten wir die Konturen einiger Lichtseiten aus dem hiesigen Gemeindclcben; aber dem Referenten obliegt auch die traurige Verpflichtung zur Vervoklständigung deö Bildes die Schattenseiten desselben nicht unerwähnt zu lassen, da Licht ohne Schatten gar nicht denkbar ist. Wir zählen gewiß zu den ersten, welche ungeachter selbst erlebter Altentate gegen die Gemeindcautonomie, die gleich Irrlichtern hie und da auftauchten und mit ihren schädlichen Miasmen die gesunde Luft schwängerten, für diese Errungenschaft einer bessern, vielleicht noch lange auf sich warten lassenden Zeit schwärmen, weil wir nicht nach Brauch und Herkommen eine Gcsammlheit für Ungerechtigkeiten einzelner Individuen verantwortlich machen. Allein, daß die pessimistischen Befürchtungen, welche neulich bei Anregung der ad acta gelegten Schulinspektorensrage von ׳mancher Seite von Stapel gelassen wurden, nicht ganz ungegründet waren, kann der Freidenkende nun und nimmer in Abrede stellen. In der Wahl unserer gegenwärtigen Gemeinde-Repräsentanz feierten wir vor ungefähr einem Jahre einen Sieg der Intelligenz gegen den krasscstcn Gcld-NealiSmus. Die erste That, mit welcher der ueügewählte Vorstand scuie Wirksamkeit inaugurirte, war die Schaffung eines Bindemittels zwischen Schule und Gemeinde, nämlich die Gründung eines Erweiterungsnnterrichtes auf Kosten der Gemeinde. Wahrlich ein um so weniger zu unterschätzender Akt der Friedensliebe, wenn man erwägt, daß die Mustcrhauptschule wegen ihres in einer Zeit wurzelndem Urfpruuges, an welcher nichts weniger, als angenehme Erinnerungen geknüpft sind, so manche Anfechtungen zu erdulden hatten. — Doch sollte sich dieser Kitt zwischen Gemeinde und Schule keiner langen Lebensdauer erfreuen. Obwohl die Instandhaltung dieses Unterrichtes, welcher namentlich ven armen Kindern, die sich keinen HauS-Mentor halten können, zu Gute kam, dem einzelnen steuerbaren Gemeindemitgliede nicht mehr als zwei Kreuzer per Woche kostete, obwol man sich nicht einmal von den dadurch erzielten Oiesultaten überzeugte, schützte man dennoch eine übergroße Belastung des Budgets vor, auch wolle man dem neu zu erwählenden Vorstande nicht vorgreifen, und des Erweiternngöunterricht wurde gestrichen. Zur Ehre des gegenwärtigen Vorstehers Notmüller heben wir hervor, daß er mit aller ihm zu Gebote stehenden Beredtsamkeit gegen diese ungerechte Maßnahme ankämpfte, allein wozu säße mau am grünen Tisch, wenn man nicht das Oiecht haben soll, zu binden und zu lösen. — Wenn wir diese durchaus nicht plausiblen Gründe zur Rechtfertigung der Aufhebung deö Erweiterungsunterrichtes gelten lassen wollten, müßten wir auch einem jeden abtretenden Vorstand das Recht zucrkennen, die Schule äufzulöscn, weil man dem zu wählenden Vorstand nicht vorgreifen darf, nnd der Anarchie wären Thür und Thor geöffnet. — Unter allen Umständen bleibt es höchst bedancrlich, daß der Vorstand mit einem solchen Schwanenlied sein harmonisch musterhaftes Wirken während eines ganzen Jahres schloß nnd sich in überstürzender Hast zu einer Handlung hinrcißen ließ, die weder vordem Gewissen, noch vor der Oeffentlichkeit zu verantworten ist. Vielleicht vecmag der durch die öffentliche Meinung erzeugte Druck den Vorstand zur Umkehr auf den eingeschlagenen Pfad zum Guten, zu bewegen. Oder sollte eS dem für daö Hebräische ernannten Lehrer Back ans Szegcdin. einer, wie wir hören, noch jugendlichen und aufstrebenden Lehrkraft, vorbehalten sein, die durch die Aushebung deöErweiteruugSunterrichteS ent-, standene Lücke ausznfüllen? Schließlich erfüllen wir noch eine angenehme Pflicht, indem wir die Ernennung des hier noch im besten Angedenken stehenden Lehrers Sigmund Kohn zum Direktor an der Araber Unter-

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