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Ben Chananja · 1864-01-20 · 3 (20.1.1864) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
3 (20.1.1864)
Date
1864-01-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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56 55 Mißdeutungen halber, wenig befriedigend in seinen Folgen für den Herrn Oberrabbiner selbst sein würde, wirklich erflössen sei. Sollte dies aber wider unser Vermuthen dennoch der Fall sein, dann müßten wir nns wundern, wenn die Repräsentanz der hies. Knltusgemeinde, unter deren Mitgliedern mehrere höchst intelligente, achtbare und einflußreiche Männer sich befinden, und an deren Spitze ein unabhängiger sehr erleuchteter Vorstand steht, sich eine solche Ueberschreitung der Rabbinerbefugnisse gefallen ließe, und die Autonomie der Gemeinde nicht in der entschiedensten Weise wahren sollte. Hat eine Synagogengemeinde selbstständig sich einen Prediger gewählt, und die Kultusgemeinderepräsentanz in Vertretung der Gesammtgemeinde dessen Wahl gutgeheißen und bestätigt, dann ist es Sache der letzter», und zwar eine Ehrensache, dafür einzustehen, daß die Stellung des Gewählten eine gleich ehrenvolle, daher eine gleichberechtigte mit der der beiden andern bereits im Amte stehenden Prediger, daher , in keiner Beziehung eine beschränktere sei. — Welche Motive übrigens unseren sonst höchst würdigen und eines wolbegründeten Rufes sich erfreuenden Oberrabbiner, wenn er nicht wieder, wie wir fast glauben möchten, mehr der Geschobene, als der Schiebende ist, diesmal zu einer solchen wenig berechtigten Opposition herausgefordert haben, wissen wir nicht. Seine Autorität, sein Ansehen und sein Einfluß können, da er durch die Berufung eines neuen Predigers nicht aushört, Oberrabbiner der Gesammtgemeinde zu sein, da er sein belehrendes Wort in einer jeden der hiesigen Synagogen nach wie vor ertönen lassen kann und in der Ausübung keiner der rabbinischen Funktionen im ganzen Umfange der Gesammtgemeinde irgend wie beschränkt wird, unmöglich durch die Anstellung eines neuen Predigers und dessen Zulassung zur Vornahme von Trauuugen leiden oder verkürzt werden. Ein ausschließliches Recht zur Vornahme von derlei Akten steht ihm ja auch jetzt nicht zu, da es den Brautleuten sreisteht, sich nicht nur von dem zweiten hier amtirenden Rabbiner, sondern auch von einem der beiden Prediger trauen zu lassen. Herr R. kann als Mann, der wiederholt versichert hat, daß er den Fortschritt ernstlich will, es nur im hohen Grade billigen und als ein bedentungsvolles Zeichen der Zeit mit Freude begrüßen, wenn eine Synagogengemeinde, wie die der Meiselynagoge, sich ermannt, und in einer so ehrenden Weise, nicht ohne bedeutende Opfer, die Hebung ihres Gottesdienstes, die Förderung der Andacht und Belehrung anstr ebt und dadurch zur größeren Theilnahme an dem gottesdienstlichen Leben aneifert, und er muß von ganzem Herzen wünschen, daß das Beispiel der hochherzigen Meiselsynagogengemeinde auch in den übrigen hiesigen Synagogen Nachahmung finde. — Sollten es aber, was wir jedoch nicht glauben, wirklich materielle Interessen, die Furcht vor Verkürzung im Einkommen sein, die Herrn Oberrabbiner R. zur Opposition gegen die beabsichtigte Zulassung des Dr. Stein zur Vornähme von Trauungen und gegen die Führung des Rabbinats bestimmen, dann dürfte es wol nicht an Auskunftsmitteln fehlen, unfern würdigen Oberrabbiner auch in dieser Beziehung zu beruhigen und sorglos zu machen. ״Man liebe nur die Wahrheit nnd den Frieden!" — Korrespondenz. Ausland. London, 5. Jänner. Soeben bringen die Tagesblätter die beiliegenden Aktenstücke, welche wir nns beeilen, in dentscher Uebersetzung vorzulegen, da der Inhalt derselben — unserer Meinung nach — allgemeines Interesse für Juden hat. Eine Jsabella — einst auf dem spanischen Throne —hat sich gegen die Inden und den Genius der Menschheit — im Jahre 1492 — versündigt. Eine andere Jsabella — die jetzt regierende Königin von Spanien — hat ihre einflußreiche Stimme für die Inden im Dienste der Humanität erhoben. Sie hat hiermit ihren Namen in das goldene Buch des rein menschichen Adels eingetragen. Es ist dies an und für sich interessant genug. Daß es durch die Vermittlung eines Juden angeregt wurde, gibt der Sache ein noch erhöhteres Intereffe. Das Instrument dazu war der edle Mann, der immer ״hier bin ich", gerufen hat, wenn sich irgend etwas ereignete, wo die jüdische Gesammtheit eirum rüstigen thatkräftigen Mann brauchte, hilfreich anfzutreten. Ein ganzes Zeitalter hat einstimmig seine Verdienste anerkanut und sein Lob dafür gezollt, welches die spätecu Geschlechter ebenso einstimmig bestätigen werden. Noch ist, daß hier von Sir MoseS Montefiore die Rede ist, gewiß überflüssig hinzuznfügen. Als Siegel der vorhergehenden Zeilen könnten sich manche tatmudischc Phrasen eignen. Die folgende möge vielleicht die passendste sein. ״ מגלגלין זכות על ידי זכאוEdles wird nur durch Edle herbeigeführt." L. D. Folgendes ist der Wortlaut der Aktenstücke: I. Schreiben von Sir Moses Montefiore. An Herrn I. Monte fröre, zeitweiligen Präsidententen des Komits der Deputirten der englischen Inden jc. jc. re. Tangier, 21. Dezember 1863. Geehrter Herr! Ich habe das Vergnügen, Ihnen hiermit die beiliegende Korrespondenz zwischen dem spanischen Minister und mir zukommen zu lassen. Ich glaube, daß Sie sowol, als bas Ko mit 6 mit mir übereinstimmen werden, daß es wünschenöwerth sei, dieser Korrespondenz die weitverbreitestc Oeffentlichkei t zu geben. Es würde dies nicht nur ein gerechter Tribut für die spanische Regierung und Minister sei», es würde auch zugleich beitragen, die Besorgniß und Angst zu bescitigen, welche die jüngsten hiesigen Ereignisse im Kreise der jüdischen Gemeinschaft in Bezug aus unsere hier wohnenden Brüder erregten. Ich verbleibe k. jc. jc. M oseS Mon tesiore. II. Schreiben des spanischen General-ConsulS in Marokko an Sir M o s e S M o n t e f i o r e. Don Francesco Merry y Colon sendet seine Komplimente an Sir Moses Montefiore, und beehrt sich, ihm zu seiner Genugthunng das Coneept des CirkularS beizulegen, welches derselbe an alle Consnleu und Viceconsnlen in den marokkanischen Häfen ge-

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