Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 2 (13.1.1864)
- Date
- 1864-01-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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46 45 L-r. Steinamanger, 22. Dezember. ״Und zur Abendzeit wird Morgen!" DaS haben wir vor Kirrzem von unserer seit zwei Jahren׳ verwaisten Kanzel vernommen. Unsere Gemeinde hatte ein volles Jahr Abend, Alles ruhete —, es war das ein langer Winterabend, und unser Gemeindewesen hat unter der Eiskruste des JndifferentismuS nur zu sehr gelitten. Aber wie im Gkoßen, so im Kleinem Lichten Erscheinungen geht in der Entwicklung der Abend voran, und wir müssen nur Gott danken, daß in unserer Gemeinde die plötzlich eingetretene Stagnation nicht noch länger gedauert hat. Der Morgen ist da, ein freundlicher lichter Morgen, dazu hat uns noch der Soth Chanuka einen Vorstand und einen Ausschuß gebracht, vollkommen geeignet zu Chanukath Ha-Bajit. Aber womit wollen unsere geehtren Lichtfreunde das Hans Israels wieder einwcihen? Es fehlt uns leider das reine Oel, das die Lichtflammen in Synagoge, Schule und HauS unterhalten und nähren mußte! Ein Nabbiner, mächtig der deutschen und ung. Sprache in Wort und Schrift, thut uns vor Allem noth. Das hört man hier seit Wochen öfter, denn je. ״Früher einen großen Tempel", sagt wohl unser Gemeindeproiokoll, aber daö ist ja keine h. Schrift, besonders wenn die h. Schrift dadurch leidet; der Ritus, die Erziehung, daö schwer gefühlte Bedürsniß nach Innen und Außen machen den Rabbiner unbedingt nothwendig und endlich hat uns die Erfahrung gelehrt, daß selbst der Tempel eher mit, als ohne Rabbiner zu Stande kommt. Dazu hat uns noch die Vorsehung den Segen in's Haus geschickt. Der Mann, der uns Par. Toledoth die Neugebürt, den Morgen verkündigt hat, wird hier allgemein gewünscht, und Volksstimme ist hier gewiß Gottesstimme; denn erwägt man, daß Herr Rabbiner Stern, — von diesem ist nämlich die Rede, — abgesehen von dev starken moralischen Garantie, die wir in seinem zarten Verhältnisse git• dem weltberühmten Herrn Oberrabbiner Fasse! zu finden glauben, seit 12 Jahren, wie uns mehrere Briefe versichern, segenreich in So-. mögt) wirkt; daß die Pcster Gemeinde anno 1858 genannten Herrn drei Vorträge halten ließ, und anno 1861 im Sinne eines Kommiffions- Protokolls als primo loco zu kandidirenden ad latus deSOberrabbinerü vränotirt hat; daß dieQfner Gemeinde auuo 1857 und nachträglich anno 1862, und die Debrecziner Gemeinde im laufenden Jahre Herrn Stern ihr Rabbinat feierlichst zugesichert haben; so glaube ich, und Sie werden mir, ehrwürdiger Herr Redakteur, gewiß Ihre Znstiuiinnng gebei!*), daß wir uns zu dieser Acquistiion nur gratulircn dürfen; darum diesmal nicht Eile mit Weile, möchte ich im Namen vieler Gemeindemitgliever unserem sehr verehrten Vorstande znrnfen! Gemeinde mit Nabbiner schließen, wie uns Herr Rabbiner Stern so schön auseinandersetzte, ein Ehebündniß, es Handel! sich um Erziehung und Heranbildung jüdisch-ungarischer Bürger,, um Glück von Innen und Achtung von Außen, wie beim Ehebündniß, Aber ein Ehebündniß.darf auch in sonst ״geschloffener" Zeit geschlossen werden, wenn nämlich, wie hier zu befürchten stehb: שמא.יקדמנו §רר! <>. Saildec, (Galizien) 5. Jänner. Ich bin in der Lage, Ihnen aus bester Quelle die Anzeige zu machen, daß Sterns Ab- Handlung über den Sohar, die in Ihrem Blatte erschien, ins Hebräische übersetzt wird. Der Uebersetzer hat die Absichr, die Authentie und Quelleneinhelt des Sohar in fortlaufenden Anmerkungen gegen Stern zu verlheidigem Die von Ihnen, verehrter Herr Redakteur, vertretene Verwandlschaft der Kabbala mit: dem Talmud ist ebenfalls zur Kenntniß unserer Kabbalisten gelangt nnd von denselben , wie ich höre, mit Beifall ausgenommen worden. Rechnitz, 30. Dezember. Heute wurde in der hiesigen Gemeinde ein Freudenfest gefeiert, das 80jährige Jubiläum eines Mannes, *) Unbedingt. Herr Stern hat sich in so vollem Maße als tüchtiger Rabbiner bewährt, daß er wirklich einer weiteren Empfehlung nicht bedürftig ist. Red. der sich die Achtung und Liebe des ganzen Ortes erworben hat. Der« selbe ist seit 40 Jahren Mitglied der hiesigen Gemeinde und schonte weder Mühe noch Zeit, wo es galt, seinen Mitmenschen mit Rath und That beizuflehen. Ihm hat die Gemeinde die Organisirung,der Schule und die Aufrechthaltung derselben bis in jüngster Zeit zu verdanken. Ec bekleidete mehrere Jahre die Schulaufseherstclle mit vieler Mühe, Zeitnnd Kostenaufwande, und erwarb sich um unser Gemeindewesen überhaupt nnvergängliche Verdienste. Der ehrwürdige Greis, eine wahre Zierde der Gemeinde, ist Herr Ahron Pick. Dem Verdienste seine Krone. Es wurde aus Dankbarkeit von Seite der Gemeinde ein Fest veranstaltet, welches trotzdem, daß die Gemeinde erst am 28. Dezember durch eine Notiz im ״Be» Chananja" darauf aufmerksam gemacht wurde, daß schon nach zwei Tagen der Geburtstag des ehrwürdigen Mannes sein wird, dennoch sehr befriedigend ausfiel. Um halb 4 Uhr Nachinittag wurde ein Gottesdienst abgehalten, wobei der Jubilar mit dem Verse ברוך ך)בא n. s. w. begrüßt wurde. Nach Beendigung des MinchagebeteS hielt der ehrwürdige Herr Oberrabbiner Dr. M. Zipfer eine treffliche, dem Feste angemessene Predigt. Auch der Kantor Wieselmann bot Alles auf, um das schöne Fest zu verherrlichen, dem auch viele Christen beiwohnten. Aus dem Tempel begab sich der ganze Zug in die Wohnung des geehrten Jubilars, wo derselbe von Seite der einzelnen Mitglieder der Gemeinde mit Gratulationen überhäuft wurde. Auch von auswärtig kamen ihm viele Beglückwünschungeu zu. Die Chorknaben nnd die Schuljugend widmeten ihm ein Ständchen, wöbe(, sie ein Lied uiit. dem Wunsche, ihn noch lange heiter nnd beglückt zu sehen, anstimmten. Ein Mädchen deklamirte ein passendes Gedicht nnd überreichte dem von der wahren Festlichkeit entzückten Greise einen herrlichen Kranz. Der Jubilar äußerte seine Dankgesühle und die Schuljugend entfernte sich hierauf. Um halb 8 Uhr begann das Festsonpü und dauerte bis gegen 1 Uhr. Alle Anwesenden unterhielten sich dabei recht, gemüthlich und man erinnerte sich auch bei dieser Gelegenheit der Armen in der Gemeinde. Der folgende Tag war für die Schuljugend ein Ferialtag. Die Ordner dieses Festes waren die Herren Dr. Leopold Jellinek. Moriz Strauß, Vorsteher der hiesigen Gemeinde und Sändor Weiß, Gcmeindenotar, wofür ihnen die wärmste Anerkennung zu Theil wird. Adolf Weiß, Lehrer. E r V l ä v u n g. Der Umbau der Mciselsynagoge und der in derselben eingeführte geregelte Gottesdienst gab Anlaß zu mehrfacher Besprechung in jüdischen Blättern. Man hat sich dabei nicht immer objektiv gehalten und es ist auch der Wahrheit mancher Abbruch geschehen. Die Mstehnng der Muselsynagoge hält sich nicht für bernfen, die Privatmeinung eines Brrichtcrstattcrs zu berichtigen und zn beleuchten, und weil sie überhaupt glaubt, daß eine allfällige MeinungSvcrschiedenheit zwischen dem Rabbinate und seiner Gemeinde über Kompetenzfragen ebensowenig auf der Kanzel, als in öffentlichen Blättern erörtert werden soll, hätte sie auch die in den Nummern 52 vom v. I- und Nr. 1 von diesem Jahre der geschätzten ״Neuzeit" niedergelegte Aufforderung, auf diesem Wege nicht beantworten zu sollen gemeint. Allein da in der bezogenen Nr. 52 der irrigen Meinung Ausdruck gegeben ist , als handelte es sich um ״ein ehrenvolles Uebereinkommen" mit dem Herrn Oberrabbincr bezüglich der Deraschath und Kiduschin, das von der einen Seite angestrebt und von der andern Seite verweigert wird; und da in Nr. 1 die Verdächtigung anögcsprochen ist, daß Sr. Hochwürden der Herr Oberrabbiner Nappoport, nur durch falsche Vorspiegelungen veranlaßt wurde, bei der EinweihnngSfeier zu erscheinen; fühlt sich die gefertigte Vorstehnng im ׳Interesse der Wahrheit verpflichtet, zu erklären: es ist an sie die Znmnthung eines