Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 2 (13.1.1864)
- Date
- 1864-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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43 44 eröffnet. Derselbe verspricht eine Stätte zu werden, wo allgemeine und nationale Bildung gleich sorgfältige Pflege finden werden. E= Szegedilt, 5. Jänner. Ich habe Ihnen heute wieder einen Akt der Wohlthätigkeit niikzutheilen. Herr Wilhelm Pollak, Landwirth, hat an 30 arme christliche Familien in dem benachbarten Dorfe Szöregh 30 Laib Brod, 60 Pfund Fleisch, 60 Halbe Fisolen und 15 Pfund Salz vcrtheilt. 8. Szegedilt, 7. Jänner. Der Lehrer Jsr. Back ist zum Lehrer der hebr. Sprache an der Musterhauplschnle zn Fünfkirchen ernannt worden. Herr Back ist der 4. Lehrer, den die hiesige Schule an Muster- Hauptschulen abgibt. Ihm voran gingen: Schwarz, Seligmann, Singer. E. Temesvau, 5. Jänner. Trotz der gediegenen Artikel, welche ״B. CH." im vorigen Jahre über den Eid mor6 judaico brafyie, hat sich's der Rabbiner Weiß in LugoS nicht nehmen lassen, dem Herrn Leon D. Magyar vor dessen Eidesablcgung eine ebenso breitschweifige, j als langweilige Predigt zu halten. Herr Magyar, ein Biedermann, unterließ es allerdings nicht, den Rabbiner darauf aufmerksam zu machen, daß die salbungsvollen Ermahnungen überflüssig seien, indem jeder Jude die Bedeutung und Wichtigkeit des Eides recht gut kenne. Alles umsonst! Der Rabbiner bestand darauf, seinen Sermon zu beendigen. Der Herr Rabbiner Weiß sollte sich mit der den Eid mors guäaieo betreffenden Literatur näher bekannt machen. E. Temesvav, 10. Jänner. Unser Vorsteher, Herr Scharmann, verköstiget den Winter hindurch zwölf arme Schüler der Musterhauptschulc. Auch die Herren Lehrer thun ihr Möglichstes, die Noth der armen Schüler zu mildern. Der Mnsterhauptschnllchrer Moriz Freund ist zum Professor der Stenographie am Obcrgymnasium ernannt worden. 0. SzabadVa, 7. Jänner. Einig voronnt Opus! In der am letzten Tage des soeben abgelaufenen Jahres abgehaltcnen Sitzung hat der hiesige Stadtmagistrat übereinstimmend mit der sämmtlichen anwesenden Repräsentanz den Beschluß gefaßt, unserm Oberrabbiner, Herrn M. L. Kuttna, 100 fi. jährlich für den an jüdische Gymnasial- und Normalschüler ertheilten Religionsunterricht aus der städtischen Kasse zu zahlen. Dieser Akt der Anerkennung und Würdigung ehrt sowol unseren strebsamen und religiös wirkenden Herrn Oberrabbiner, als auch unfern Magistrat und dessen umsichtigen, energischen und humanen Herrn Bürgermeister. Das Verdienst belohnen, den Fleiß anerkennen und würdigen, ohne hierbei einen Konfeffionsunterichied zu machen, ist der beste Dienst, den wir der Religion, dem Vaterlande und der Civilisation leisten können. Der Bestätigung der hohen k k. Statlhalterei sehen wir baldigst anhoffend entgegen. 6. Semlin, 8. Jänner. Gestern wurde, wie alljährlich an diesem Tage, (Erew R. Chodesch Schewat), das Fest der Chevra-Ka, discha gefeiert. Die Mitglieder des Vereins fasteten bis Abends. Beim Miucha-Gottesdieuste wurde ein Gebet für die Dahingeschievenen verrichtet, und Herr Rabbiner Wolf hielt eine zn allen Herzen fprechende Predigt. Hierauf folgte das Ma'ariw-Gebet und das übliche Chewra- Banket. Der Redakteur des ״Ben Ehanaiija" wurde in das Chewrabuch als Mitglied eingetragen (wofür ich der sehr verehrten Chewra-Kadischa zu Semlin meinen ergebenen Dank ausspreche.. Möge dieselbe uuter dem Schutze Gottes fortfahren, Werke der Liebe zu üben, und sich eines segenreichen Gedeihens zu erfreuen! L.) H—r. SJlaÜö, 6. Jänner. Unsere Gemeinde befand sich noch vor Kurzem in einer sehr trostlosen Lage. Der Vorsteher legte im November v. I. sein Amt nieder, so daß wir ohne Vorsteher und ohne Rabbiner waren. Letzterer fehlt nun allerdings noch zur Stunde; aber die Tüchtigkeit unseres neugcwählten Vorstehers, des Herrn Ignaz Grauer, dem nicht minder tüchtige Männer in Harmonie und Eintracht zur Seite stehen, läßt uns der zuversichtlichen Hoffnung Raum geben, daß unser Gemeindeleben einen neuen Aufschwung nehmen, und unsere Institute einer schöner« Zukunft entgegenblühen werden. Herr Grauer und seine Kollegen haben sich als Männer des Fortschrittes bewahrt; hoffentlich werden sie den Faden ihrer Bestrebungen, der vor einigen Jahren ihren Händen entrissen wurde , wieder aufnehmen, und das von ihnen begonnene Werk unter dem Beistände Gottes seiner Vollcndung entgegenführen. Deßprim, 3. Jänner. Gestatten Sie mir, meine Beobachtungen bezüglich der jüdischen Zustände, die ich jüngst auf meiner Reise in Obernngarn gemacht habe, in Ihrem Blakte zu veröffentlichen. Ich habe diesen Theil unseres Vaterlandes noch als Jüngling von 16 Jahren und Heuer zum zweiten Male bereiset, und glaube deshalb ein treues Bild des jüdischen Lebens uud Strcbens daselbst entwerfen zu können. ES schmerzt mich, die Wahrnehmung machen zu müssen, daß die Kulturj bcstrcbungcn des Westens unseres Vaterlandes in dem Karpatengebiet keinen Widerhall fanden. Doppelt schmerzte es mich, gewahren zu müssen', daß der Fanatismus und der Zelotismus in dem letzten Jahrzeheut au Stärke und׳ Ausdehnung bedeutend gewann. Als ich vor 16 Jahren Obernngarn bereiste, fand ich beinahe überall, die größten Städte ausgenommen, einfache, schlichte Leute, die sich wenig mit Scholastik, wol aber mit Ackerbau und Viehzucht befaßten. Das Verlangen nach Bildüng und öffentliche Schulen war wach geworden. Doch wie ganz anders sieht cs jetzt aus! Schaaren von unwissenden Bachurim, die hier ehedem nicht gesehen wurden, schwärmen in den Gemeinden umher. Die Lust und der Drang znm Pilpul ist so groß, daß die Orthodoxen sich selbst fragen: אכשר ררא? Von Reformen im Gebiete der Pädagogik und Didaktik kann hier keine Rede sein, da der größte Theil der Schulen in Folge des Oktober-Diplomes den Weg alles Fleisches ging und dem Chederthum Platz machte. Die Synagogen haben noch ihr mittelalterliches Gepräge und dir Rabbiner versteigen sich in ihren Draschst in die höchsten Regionen des Pilpuls. Gleichwol gibt es ehrenwerthe Ausnahmen. Diese sind die jungen Gemeinden, die in neuester Zeit entstanden sind. Hier lenkt Kaschau, die Hauptstadt OberungarnS, in erster Reihe die Ausmersamkeit ans sich. Bekanntlich hatte diese Stadt vor 25 Jahren kaum 10 jüdische Einwohner; doch nahm die jüdische Bevölkerung im Laufe der Zeit und besonders im letzten Jahrzehent dermaßen zn, daß sie jetzt mehr als 300 Familien zählt. Der weitaus größte Theil ist der Sache des Fortschrittes zugethan; und nur ein sehr geringer Theil der Gemeinde klammert sich fanatisch an das Herkommen und huldigt dem starren Stabilitälsprinzip. Die überwiegende Mehrzahl der Familien erfreut sich eines ziemlichen Wohlstandes. Gleichwol gleicht die Synagoge eher einem Keller als einem anständigen GotteShanse. Eine Schule ist nicht vorhanden. Das orthodoxe Häuflein weiß jeden Fortschritt zu hintertreiben. Doch gingen auch die Reformer nicht immer mit der nöthigen Umsicht zu Werke. Leider sind dieselben sich selbst überlassen, während die Orthodoxen von fanatischen Rabbinen, vorzüglich von denen zu Lißka, Szikßü und Ujhely, geleitet und unterstützt werden. Genauere Daten hierüber, besonders über Ujhely, wird mein nächster Bericht bringen. M. Sitberstein, Hauptschullehrer. Tz. Szentes, Ans. Jänner. Im Laufe dieser Woche hat sich in der hiesigen Gemeinde ein Verein gebildet, um die Nolhleidenden auf eine wirksame Weise zu unterstützen. An der Spitze desselben steht Herr Schönthal und Herr Ingenieur Purjeß. Das edle Streben des Vereins wird vom besten Erfolge gekrönt. Unser wackerer und verdienstvoller Vorsteher, Herr Jakob Reumann, wurde trotz seiner nachdrücklichcn Resignation mit Akklamation wiedergrwählt. Unsere Hauptschule gedeiht unter Dr. Pollak'ö Direktion vortrefflich. Die Lehrer liegen in ungestörter Eintracht ihrem Berufe ob, und finden bei der Gemeinde die ihnen gebührende Anerkennung.