Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 2 (13.1.1864)
- Date
- 1864-01-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543124--3467-2547347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
37 38 nicht immer in einer das Zartgefühl des Kreisrabbiners scho- »enden Weise verabreicht wurde. Das betreffende Mitglied der Kreisgemeinde sah nicht selten in dem zureisenden Kreisrabbiner einen unliebsamen Gast, den es sich sobald als möglich vom Halse zu schaffen trachtete. Das Odiose einer solchen Rundreise war auch Veranlassung, daß mancher gewissenhafte Kreisrabbiner die Kreisbereisungen zum Nachtheile der religiösen Institute seines Kreises ganz unterließ. Aus den angeführten Gründen empfiehlt sich das auf kleinere Bezirke sich beschränkende Institut der Bezirksrabbiner, als das den heutigen Bedürfnissen der böhmischen Juden am meisten'entsprechende. Der Bezirksrabbiner wird in der Lage sein, die Kultusgemeinden und Synagogenvereine des ihm unterstehenden Bezirkes öfters im Jahre zu besuchen und den Kultusanstalten und Schulen eine größere Sorgfalt znzuwendeu, als cS bei den Kreisrabbinern der Fall ist. Zur Bestreitung der Reisekosten wird sich aber die Bezirks-Kultusgemeinde um so bereitwilliger herbeilassen, je mehr sie sich von den ersprießlichen Leistungen, dem frommen und ernsten Willen des Bezirksrabbiners, und von dem wohlthätigen Einfluß überzeugen wird, den dessen Bereisungen auf die Regelung und Hebung des Gottesdienstes, auf die Förderung, des Jugendunterrichtes und auf die Herstellung von Ordnung und Frieden in den Gemeinden und den Synagogenvereinen ausüben wird. Da es aber ein allgemein anerkannter Grundsatz ist, daß bei Einführung neuer Institute und Gemeindeverfassungsänderungen die jura acquisita d. i. die in gesetzmäßiger Weise und im guten Glauben erworbenen Rechte Einzelner möglichst geschont werden müssen; so ist es gewiß mehr als eine Forderung der Billigkeit, daß die derzeit in Amt und Würden stehenden Kreisrabbiner, so lange sie darin verbleiben, wenn auch das Gebiet ihrer bisherigen Amtswirksamkeit in engere Grenzen eingeschlossen werden sollte, keinen Nachtheil an den ihnen bisher zugestandenen Rechten leiden , daher nicht nur Titel und Rang beibehalten, sondern auch rücksichtlich ihres Jahreseinkommens nicht verkürzt werden sollen, und ihre Lage auch in materieller Beziehung nicht minder günstig werde, als sie eS bisher war. Geographisches und Geschichtliches über palästina in der talmudischen Literatur.*) 2. Galiläa und die Galiläer. Bevichtigimg einiger Irrthümer Renan's. (Fortsetzung.**) 4. Die jüdischen Religionsgesetze stehen zu der Bodenkultur in so enger Beziehung, daß es nicht auffall-n kann, wenn sich über letztere sehr genaue spezielle Angaben finden. Die talmud., AitcrthumSkuride wird, *, S. vor. Jhrg. Nr. 50. S. 924 ff. **) S. die vor. Nummer S. 20. dieselben benützend, die allgemeinen archäologischen Kenntnisse vermehren helfen. Dasselbe gilt insbesondere von der Geographie Palästina'S. Wir glauben also, auf die Nachsicht der Freunde der Alterthumswissenschaft rechnen zu dürfen, wenn wir die unfern Gegenstand betreffenden Einzelnheitcn Zusammentragen, und sogar den Umstand nicht unerwähnt lassen, daß die Mischna die Schafwollknltur Judäas der bereits erwähnteil Flachökultur Galiläa'S (f. d. vor. Nummer) an die Seite setzt: ״In Judäa darf man von den Frauen (ohne Zustimmung der Gatten) W ollgewebe, in Galiläa Leingewcbe kaufen. (B. Kama 10, 9. bab. Gem. 118, b)", weil jedes dieser Erzeugnisse in der betreffenden Gegend in solcher Fülle vorhanden ist, daß an eine Mißbilligung des Verkaufes von Seite der Gatte» gar nicht gedacht werden kann. Ans demselben Grunde durfte man im Sarouthale in Judäa auch Kälber von den Lanvwirthinnen kaufen (B. K. a. a. o.) Diese Gesetze bekunden das Vorhandensein üppiger Weideplätze in Judäa, wo eö aber auch sonst nicht an reicher Vegetation fehlte. Besonders ergiebig und fruchtbar war die Jericho ebne, wie die Begeisterung beweist, mit welcher Josefus von derselben spricht. Indem er diese Gegend schildert, sagt ec von der Quelle bei Jericho: ״Ihre Bewässerungsflächc erstreckt sich auch uuverhältnißmäßig weit, auf 70 Stadien in der Länge, zwanzig in der Breite, aus welcher die schönsten und dichtesten Lustwälder gedeihen. Eine Menge Datteln wachsen daselbst nach Geschmack und Namen ver. schieden. Die fetter« geben unter der Presse reichliche» Honig, kaum geringer, als der gewöhnliche; auch ist das Land sehr biencnreich. Es trägt auch Balsam, die geschätzteste Frucht der Gegend, den Kypcrbanm und die Behen-Nnß; unbedenklich kann, mau cs eine göttliche Gegend nennen, worin das Seltenste und Schönste in Neberfluß gedeiht. Auch in Hinsicht der übrigen Fruchtarten dürfte ihm nicht tvol irgend ein Erdstrich gleichgestellt werden, so reich gibt ver Boden die Saat wieder." (j. Kr. IV. 8, 3.) Diese Schilderung ist aus Autopsie hervvrgegaugen, Renan selbst kennt sie und nennt die Schriften deSJosefus als ganz vorzügliche Geschichtsquellen. In geographischer Beziehung wird die strengste Skepsis JosefuS Angaben nicht bezweisein können. Dies verhindert aber Renan nicht, zu erzählen, daß Jesus in der Wüste von Inda nicht seinen Gott zu finden vermochte, sondern vom Satan versucht wurde, so daß er sich geuöthigt sah, in sein theures Galiläa zurückzukehren, wo er in der Mitte grüner Hügel und klarer Quellen seinen himmlischen Vater wieder fand (S. 51). So etwas kann man wirklich nur der Masse französischer Leser auftlschen, deren geogra - phische Kenntnisse eben, nicht im besten Rufe stehen. Wer mit der Geographie des h. Landes nur einigermaßen vertraut ist, findet die tendentiöse Ueberkrcibung in dem dargestellten geographischen Gegensätze sogleich heraus. Er weiß, daß es auch der südlichen Hälfte Palästina'S nicht an grünen Hügeln und klaren Quellen gebricht, und daß die Wüste von Juda nur einen Th eil dieses Landes bildet. Den daselbst hausenden Schakalen, die Renan besonders erwähnen zu müssen glaubte, um das Horrible seines von Judäa entworfenen Bildes zu erhöhen, können die wilden Schweine und Schlangen an die Seite gesetzt werden, deren Aufenthaltsort der See Merom (Samochonitis, el Hule) in Galiläa zu sein pflegt (Rosenmüllec bibl. Geogr. II. 1, 176). Andererseits hätte Renan nicht verschweigen sollen, daß gerade Judäa, das von ihm als naturfeindlich geschildert wird, einen natnrfreundlichen Orden erzeugte, was von dem gepriesenen G. nicht gesagt werden kann. Alerander v. Humboldt sagt im Kosmos 2, 11 l.: ״Die jüdischen Essener führten zwei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung ein Einsiedlerleben am westlichenNrer des tobten Meeres in Verkehr mit der Natur." Plinius sagt schön von ihnen (V. 15): mira gens, socia palmarum. Da die Gegend des ehemaligen Galiläa dem jetzigen Reisenden einen viel anmuthigern Anblick gewährt, als die des ehemaligen Judäa , so ist es leicht erklärlich, daß R., der das Urchristenthum, wenn auch nicht