Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 2 (13.1.1864)
- Date
- 1864-01-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543124--3466-2547346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
35 36 höchste Stufe der Leiter der Civilisation gestellt haben, eine Auönahmsstellung einnehmen." Diese Behauptung beruht offenbar auf Unkenntniß der besprochenen Zustande. In den Staaten, die auf der höchsten Stufe der gegenwärtigen Kultur und Zivilisation stehen, gibt es keine die Juden betreffende und beschränkende Ausnahmsgesetze. Ja, der Entwicklungsgang der Legislatur der verschiedenen Nationen brachte es sogar mit sich,' daß die Stellung der Juden geradezu zum Kultnrmeffer der verschiedenen Länder geworden ist, Die Serben verweigern den emheimischen Inden selbst die Freizügigkeit; die Holländer verwerfen einen Handelsvertrag, weil in demselben Ausnahmen in Betreff der Juden festgesetzt werden sollen. Die Holländer können und werden niemals mehr so unduldsam sein, wie es die Serben jetzt sind. Dagegen muß jeder gebildete Serbe wünschen und Hoffen, daß die Duldsamkeit in Serbien ebenso einheimisch werde, wie sie es in Holland und in allen Staaten ist, die ״an der Leiter der Civilisation die höchste Stufe einnehmen." Während meines mehrtägigen Aufenthaltes in Semlin, wo ich am 8. Oktober v. J^. eine Synagoge einweihte, wurde mir von sehr genau unterrichteten Personen versichert, daß die Unduldsamkeit unter den eingebornen Serben eine höchst seltene Erscheinung ist, und daß es ihnen nicht in den Sinn käme, die Juden in Betreff des Wohnortes zu beschränken, wenn ihre eingewanderten Stammgenossen, denen die Konkurrenz der jüdischen Kauflente ungelegen kommt, nicht auf diese Beschränkung dringen würden. Man muß aber wirklich darüber staunen, daß eine so kluge und berechnende Nation, wie die Serbische, sich entschließen kann, das wohlverstandene Interesse so zahlreicher Konsumenten aller Volksklassen dem Interesse eines einzigen Standes nachzusetzen, und zu Gunsten der Serbischen Kaufleute und Krämer die Konkurrenz zu beschränken. Sind ja die Konsumenten ebenfalls Serben! Die Serbische Nation wünscht ohne Zweifel die Konsolidirung ihrer politischen Zustände. Je vollständiger dieser Wunsch in Erfüllung geht, desto öfter wird ausländische Industrie versuchen, sich auf Serbischem Boden neue Wirkungskreise zu eröffnen. Meint nun die Serbische Negierung wirklich, den Grundsätzen, einer gesunden Nationalökonomie zw folgen, indem sie von jedem Industriellen , der sich in Serbien etabliren will, den. Nachweis fordert , daß er nicht nur an das alte. Testament glaube? Oder glaubt die Serbische Regierung,,daß eine etwaige Eisenbahngesellschaft, die den Serben natürlich sehr willkommen sein müßte, sich dazu verstehen werde, die Taufscheine ihrer außerhalb Belgrad's anzustellenden Beamten vorzulegen? Sollte eine so erleuchtete Regierung, wie die Serbischenicht einsehen, daß die Judustrie, der Verkehr, die Entwicklung der materiellen Interessen sich׳ nicht mehr von kirchlichen Gesichtspunkten normiren und beschränken lassen? — Uebrigens hat die Judenfrage in Serbien auch eine pikante Seite. Die Schüler Mohamed'ö interveniren bei den Schülern Jesu zu Gunsten der Schüler Moses. Und da es sich nicht nur um eine Frage der Nationalökonomie, sondern zugleich um eine Frage der Nächstenliebe handelt; so werden die Schüler Jesu in ihren Intentionen gegen die Schüler Moses gewiß nicht hinter den Schülern Mohamed's zurückbleiben wollen. *) Bas böhmische Ofrcisraööiuat uni) dessen fernerer ׳fotl6e|ltt11il. Votum eines Laien aus Böhme». (Schluß. **) Vor Allem ist es der große territoriale Umfang des der Amtswirksamkeit des Kreisrabbiners zugewiesenen, oft viele Quadratmeilen, mitunter auch zwei ganze Kreise umfassenden Gebietes, welcher dem Kreisrabbiner selbst bei dessen bestem Willen kaum׳ gestgttet, auch nur einmal im Jahre alle unter ihm stehenden, feiner Parochie zugewiesenen Gemeinden und die einzeln zerstreut wohnenden Glaubensgenossen zu besuchen, ihre Kultusanstalten, und.Schulen mit der nöthigen Sorgfalt, Umsicht und Gewissenhaftigkeit zu inspiziren, die wahrgenommeuen Mängel überall abzustellen, uud den Bedürfnissen und Wünschen seiner Parochialangehörigen auch nur theilwcise zu entsprechen. Dazu kommt noch der weitere Umstand, daß derlei Kreisbereisungen, — da zur Bestreitung der damit verbundeuen Kosten kein Fond eristirt, das Einkommen des Kreisrabbiners aber viel zu gering ist, um auch zur Bestreitung der Reisekosten hinzureichen, — dazu führen, daß der Kreisrabbiner, die einzelnen Mitglieder der Judenheit seines Kreises, insbesondere die wohlhabenden, in Anspruch zu nehmen sich genöthigt sieht, so daß diese in der Ankunft des Kreisrabbiners mehr eine Last, als eine Wohlkhar erblicken, anderseits aber der auf solche prekäre, von dem guten Willen der Einzelnen abhängige Gnadengaben angewiesene Kreisrabbiner seinen Glaubensgenossen gegenüber in eine schiefe Stellung gebracht wird, die ihm sein Amt und seine amtliche Thätigkeit sehr verleidet und verkümmert. Die Art und Weise, den seinen Kreis bereisenden und inspizirenden Rabbiner für seine gehabten Reisespesen zu entschädigen, war ebenso drückend und entwürdigend für den Geber, wie für den.Empfänger, und war hauptsächlich Mitursache, daß das Institut des Kreisrabbinats in Böhmen sc diskreditirt wurde. Der Kreisrabbiner konnte in einer solchen Gabe nichts anderes, als eine von der größeren oder geringeren Geneigtheit des Gebers abhängige, milde Spende erblicken, die leider *)׳In dem Augenblicke, wo das Blatt unter die Presse kommen sott, vernehmen! wir, daß. noch im Laufe dieses Monats in Serbien die Emanzipation der Znden ausgesprochen werden soll. Red. **)׳S. die vor. Nummer S. 9;