Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 1 (3.1.1864)
- Date
- 1864-01-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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27 28 der angenehmen Hoffnung, die siegende Macht der Zeit wird auch den Kreisrabbinen endlich beikommnn. Auch die Städte Eger und Plan, die bis zur neuen Aera für Juden סוגרת waren, öffneten sich ihnen. Wie ich höre, sollen die Neuangestedelten in ersterem die Zahl 30 bereits betragen; letztere bildet eine Filiale der Gemeinde Kuttenplan. Indem ich über Eger und Plan sprach, will ich die Leser d. B. CH. bezüglich der ehemaligen Judenschaften dieser beiden Städte mit einigen historischen Nvlizen bekannt machen.*) Gewiß ist, daß zu Anfang des 14-ten Jahrhunderts der 4-te Theil der Bewohner von Eger aus Juden ° bestand. Viele Gebäude dieser Stadt wurden durch Juden erbaut, was die verschiedenen hebe. Inschriften beweisen. Im Uhlischen Hause in der Rosengaffe ist folgende Inschrift in Stein gehauen: מה״ר מאיר בד יוסף ב״ץ טרה עד הנה בקיבוץ ובלימוד ׳בספרים ובקרקעות לצורך בית אל בגופו ובשלוחיו. Infolge des Aufrufes eines Söldners am Grüudonnerstage (1350) wurden sämmtliche Juden daselbst ermordet. Die jüdischen Gesetz- und Religionsbücher wurden aufs RathhauS genommen, und später in die kaiserliche Bibliothek nach Prag gebracht. Vierzehn Jahre später (1364) hatten sich in Eger mit Bewilligung Kaiser Karl IV. wieder viele Juden angestedelt. Im Jahre 1390 war die Anzahl d. Juden dnselbst wieder sehr angewachsen. König Wenzel nahm sie besonders in Schutz; im Jahre 1430 aber befahl Kaiser Sigismund, sämmtliche Juden von Eger hinauszuschaffen, und die Synagogen in Kirchen umzugestalten. Soviel über Eger. Derartige Attentate gegen Juden verübt stehen in der Geschichte des Mittelalters nicht vereinzelt da. An vielen Orten wurde solche Grausamkeit begangen. Es gab kaum ein Land in Europa, welches nicht in dieser Periode entweder die jüdischen Einwohner der Vernichtung preis gegeben, oder sie vergejagt und sich ihrer Habseligleiten bemächtiget hatte. Die Triebfedern dieser Handlungen waren bald gemeine Habsucht; eS waren nach der Bemerkung eines christlichen Historikers" die Juden der Schwamm des Staates, dem man erlaubte Wasser einzusaugen, damit man ihn in Bedarffällen mit Bequemlichkeit au-drücken könne"; bald aber waren es christliche Bigotterie und Fanatismus, denen merkwürdigerweise gerade jene Religion, aus der ihr Stifter hervor ging, ein Dorn im Auge war. Man höre aber nun und staune, wie man noch vor 150 Jahren in der Stadt Plan die heiligen Menschenrechte mit Füßen getreten, nicht aus Bigotterie und FanatiSmuS, sondern durch die beleidigte Eitelkeit eines Weibes. Gegen d. Jahr 1713 war in der von Kuttenplan nahegelegene Stadt Plan eine nicht unbedeutende Judengemeinde, welche der damaligen politischen Verfassung gemäß, unter dem unmittelbaren Schutze der Ortshercschaft stand. Nun geschah es eben um diese Zeit, daß sich der Grundherr Graf N. mit einer Gräfin von bezaubernder Schönheit verlobte, deren schöneren Körperformen aber nicht im Einklänge standen mit ihre Herzens- und Geistesbildung. Was spricht die Fama, frug der Graf bald nach seiner Verlobung feinen Hosjuden, über den Gegenstand meiner Wahl? Darauf d. Jude lakonisch entgegnete: Gnädiger Herr! Die Schrift sagt: Anmuth ist trügerisch, Schönheit nichtig! der Graf erfaßte wol die Pointe dieser Anspielung, ließ sich aber deffeu ungeachtet, von unbegräiizter Liebe entbrannt,' nicht abhaltcn, den Ehebund mit der Comtesse zu schließen. Die Neuvermählte erfuhr aber bald die Aeußerung des Juden und darüber aufs tiefste beleidigt, sann sie auf Rache und ging in ihrem Judenhaffe soweit, ihren Gatten, über den *) Die Notizen über Eger sammelte ich mir ans einer Spezailgeschichte des Egerlandes von Vinzenz Porkel, Archivar der königl. Stadt Eger. Die über Plan habe ich entnommen aus einer geschriebenen Chronik der dasigen Stadt, deren Glaubwürdigkeit mir der Herr Dechant daselbst verbürgte. i sie alles vermochte, zu bereden, daß er alle Juden aus dem Gebiete seiner Stadt vertreibe. Der Schutzhecr, seiner Gattin willfahrend, erließ in der That ein Dekret , wornach alle Juden die Stadt Plan za verlassen sollen. Zn solch bedrängter Lage flehten die Planer Juden den Schutz des Kaisers an, worauf wol an die Herrschaft ein kaiserliches Reskript des Inhaltes erfolgte: die Juden haben zu verbleiben, wo sie sind, allein das änderte die Situation nicht; denn die Juden wurden durch eine schmähliche Rabulisterei aus der Stadt hinausgelockt. Indem man ihnen das kaiserliche Reskript verheimlichte, ward ihnen vorgespiegelt, man wolle bloS, um der Schutzherrin gerecht zu werden, ihre zeitwei, lige Entfernung und Hinverfügung nach dem benachbarten Kuttenplan, von wo sie aber ungestört in ihre Wohnorte zurückkehren können, sobald sich nur ein wenig den Zorn der Gräfin gelegt haben wird. Die Plauer Juden, dieser Derspieglung Glauben schenkend, begaben sich sogleich sammt und sonders nach Kuttenplan, sie waren aber kaum hier angelangt, wo ihnen der Erlaß zugestellt wurde. Nachdem laut kaiserlicher Verordunng die Inden zu verbleiben hätten, wo sie sind, diese aber nunmehr in Kuttenplan sich befinden; so haben sie dort zu bleiben, wo sie jetzt find. Dr Fein. Tarnopol, im Dez׳mber. Am Jahrestage der Makkabäer-Siege feierten wir wieder das Fest der Bekleidung armer Schüler. Die Neigung zum Wohlthun bewohnt die weiteste Zelle im Herzen des Juden. Es wurden 67 arme Schulkinder bekleidet und die Summe von 258 fl. osterr. Währ, verausgabt. Die Lehrer hatten das abgelaufene Jahr an wöchentlichen Kreuzer-Beiträgen der Kinder bloS 69 fl. gesammelt. Da wendete sich die Direktiou an den hies. Gemeinderath um Unterstützung bittend und zu unserer großen Freude bewilligte derselbe die nahmhafte Summe von 100 fl. ö. W. Hiebei gab der Bürgermeister, H. Vladimir Mandel durch seine entscheidende Stimme den Ausschlag und sagen wir ihm hicmit wie dem Gemeinderathe insgesammt im Namen der Armuth wie des Lehrkörpers öffentlich Dank! Während des Festes spendeten die versammelten Gäste, der eine mehr der andere weniger, die Summe von 50 fl. Zum Zwecke jährlicher Bekleidung armer Schulkinder stiftete die Frau Direktorin Taube Perl, einen Frauenverein, welcher schon 30 Theilnehmerinnen zählt. Eine jede zahlt 10 kr. ö. W. wöchentlich. Ich sehe schon im Geiste von heute über ein Jahr 150 fl. gesammelt. O wie wird da« wärmen! Möge dieser Verein zum Nutzen und Frommen der armen Schulkinder gedeihen, der Wille der edlen Wohlthäterinnen nicht erlahmen, die Glieder sich vermehren; denn viele Thränen sind zu trocknen und viele junge Kinder vor Verwahrlosung zu schirmen! S. Demant. B. Aus Mähren. Die Rabbinatsfrage in Brünn ist bereits entschieden. Herr Dr. Placzek ist, wie aus den Berichten in diesen Blättern schon voraus zu sehen war, nunmehr definitiv angestellt. -Die Ausarbeitung der Instruktionen hat der Vorstand selbst in die Hand genommen, und über die Bedingniffe mit dem Rabbiner sich verständigt׳ Eine heftige Debatte gab eS über die Frage, ob im Falle der Nichterfütlung der Bedingniffe von Seiten des Rabbiners dem Vorstände das ErmahnungS- und bei fortdauernder Nichterfüllung, das Kün^- gungörecht zustehen soll. Doch die Majorität entschied sich für die E* meidung dieser Frage. Selbstverständlich können wir die Instruktionen selbst nicht genau wissen; nur einzelne Punkte sind eS, die wir vernommen haben, diese find: die Predigt soll in der Regel alle 14 Tage statt finden; doch braucht von שבת הנבה bis ש׳ זכור und von ט׳ באב bis ר״ה nicht gepredigt zu werden. (Also 4 Monathe Vaeanz!) Die Predigt muß frei von Persönlichkeiten unb handgreiflichen Beleidigungen sein! Ferner soll sie administrative Angelegenheiten nnr auf Anfnchen oder Erlaubniß des Vorstandes behandeln. In dem jetzt bestehenden gottesdienstlichen Einrichtungen darf der Rabbiner keine eigenmächtige