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Ben Chananja · 1864-01-03 · 1 (3.1.1864) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
1 (3.1.1864)
Date
1864-01-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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29 30 Abänderung treffen. Sollte der Vorstand jedoch Abänderungen vornehmen wollen, denen der Rabbiner, ohne sich auf ein biblisches oder biblischtraditionelles Gesetz fich berufen zu können, entgegentritt; so verstärkt fich der Vorstand durch ein ad hoc gewähltes Comitö von 30 Männern, und die Majorität entscheidet. Jetzt wird noch das Nachspiel aufgeführt. Das Comitöwill noch nicht auseinander gehen; es ist so traurig, wie eine Eintagsfliege, nur während einer Sitzung eristirt zu haben. Darum will es zu den schon vereinbarten Instruktionen Zusätze und Modifikationen beantragen. Am Wahltage selbst schwiegen die Herrn sehr weislich; ihr Antrag hätte doch eine Verzögerung von einigen Tagen herbei geführt, indessen wäre der neue Vorstand zusammeugetreten und der hätte vielleicht die Eristenz des Comitös in Frage gestellt. Jetzt hat die Sache keine Gefahr mehr. Gefährlich ist sie nun freilich nicht, aber höchst komisch. Ist es nicht höchst komisch, wenn solche Männer noch rabbinischer als der Rabbiner sein, und in der besagten Instruktion eine Gefahr für den Bestand des JudenthumeS erblicken wollen? Wer hätte dies von diesem Comitä gar gedacht? Wahrlich לא אלמן ישראל! 0. C. Ans dem Chrudiirrer Kreise Böhmens. Es gehört noch immer zu den traurigen Zeichen der Zeit, daß es Gemeinden gibt, in denen die Bildung nicht so weit vorgeschritten, daß sie Gemeingut aller Mitglieder der Grmeinde wäre, und nur dem Mangel an Bildung ist eö zuzuschreiben, wenn hie und da Erceffe vorfallen, bei welchen Rohheit und Unverstand, um den Vorrang ihres Einflusses streiten. In der Kultnsgemeinde Zajezdec leben zwei Familien in Zwist und Hader, waS man wohl auch in anderen Gemeinden findet; man findet es auch, daß fie diesen Zwist und Hader mit ins Gotteshaus tragen; aber daß das Gotteshaus, wie in der genannten Gemeinde, die Stätte wird, wo er zum rohen Ausbruch koinmt, das findet uran in unserem Kronlande äußerst selten. Dem Haupt einer der beiden hadernden Familien bescherte der Himmrl ein Töchterchen und an einem Samstage, wo diesem der Name beigelegt werden sollte , kaufte das Haupt der andern Familie alle Mizwoth, so daß der zur Vorrufung zur Thora verpflichtete Vater in den ihn verletzenden Fall kam, von seinem Feinde abhängig geworden zu sein. Davon wurde er so ergrimmt, und ein kleiner Wortwechsel, welcher wahrscheinlich dadurch entstanden, erbitterte ihn so sehr, daß er vor der Thora stehend, in rohe Wuth ausbrach und mit den heiligen Rollen in einer Weise zerrte und rüttelte, daß alle in der Synagoge Anwesenden davon empört wurden, und ein Tumult entstand, den die vor der Synagoge sich befindenden Arbeiter hörten und dann Zeugen des Skandals wurden. Unter solchen Umständen war es geboten, die sühnende Gerechtigkeit eingrcisen zu lassen, und der Behörde zur weitern Amtshandlung die Anzeige zu erstatten. Der Gegenstand gelangte zur Chrudiuicr Kreisregierung nnd diese befand fich in einem Verhältnisse, in welchem sie ans sich selbst heraus nicht entscheiden konnte, da eö ihr unklar war, ob dieser Erzeß als Neligionöstörung oder als Lästerung behandelt werden soll. Unter solchen Verhältnissen wendete sie sich um ein Gutachten an die Prager Kultusrepräsentanz. Daß wir hier über diesen Mißgriff der Kreisregierung nicht wenig erstaunt waren, läßt sich leicht denken; indes ist es einmal ein fait accompli und es blieb uns nichts übrig, als uns mit allem Eifer nach dem Gebaren der Kultusrepräsentanz in Prag zu erkundigen. Aus einem von dort erhaltenen Privatbriefe entnehmen wir, daß die Repräsentanz das von der Kreisregiernng eingeschickte Aktenstück dem gewiegten Juristen und LandeSadvokaten Herrn Dr. Jur. Raudnitz zum Referate übergeben. In der am 13. Dezember stattgefundenen Sitzung der Kultusrepräsentanz berichtete nun derselbe über diesen Gegenstand und stellte in genauer Erwägung aller Umstände, sowie in Berücksichtigung, daß die Kultusrepräsentanz nicht berufen ist, in rein religiösen Angelegenheiten zu entscheiden, den Antrag, das Kreisgericht möge in Kenntniß gesetzt werden, daß ein Gutachten von Rabbinen abzuverlangen sei. ES würde zu weit führen wollte man die Details der Debatte mittheileu, und es müßte dies, jedenfalls von Prag aus geschehen; uns wurde nur mitgetheilt, daß nur Herr Kopelmau Lieben, sonst ein.Antagonist des Dr. Raudnitz, fich diesem Anträge angeschlossen, und daß Dr. Wiener, Herr v. Portheim und Dr. Todesko gegen diesen Antrag gesprochen. Wir bedauern, daß uns die Details der Debatte nicht mitgetheilt wurden, wir hätten aus denselben entnehmen können, ob die genannten Herren wirklich so stark im religiösen Wissen sind, um in einer solchen Frage zu entscheiden, oder ob die Eitelkeit, mit auswärtigen Behörden zu verkehren, die Sucht zu amtiren, fie dahin gebracht, daß sie den Antrag des Dr. Raudnitz verwarfen, trotzdem er ihnen vorgestellt, daß weder ihr Mandat, noch ihr Gewissen ihnen erlaube, in dieser Angelegenheit zu entscheiden. Es wurde beschlossen, eine Kommission zusammenzusctzeu, welche diesen Gegenstand zu prüfen und das Gutachten auszuarbeiten haben wird, und in diese Kommission wurden die Herren Ernst Wehli, Georg Feigel und Dr. Friedrich Wiener gewählt. Man wundert fich hier wirklich, daß die frommen und jüdisch gelehrten Herren Ernst Wehli und Georg Feigel einen solchen Auftrag angenommen, und würde man sich nicht der Hoffnung hingeben, daß diese Kommission zu ihren Berathungen einen oder zwei Rabbiner zuziehen wird, so würde man schon im Vorhinein gegen ein solches Gutachten bei der Behörde Protest einlegen. — So weit über den vorliegenden Bericht aus Prag, in einem zweiten Briefe werden wir über den Verlauf und Schluß des Gegenstandes berichten. LiterSrischer Lolbo ). XVIII. In dem Iransahtions ok ths ethnogical Society of London Vol. I. P. II. New Serics London. 1861 S. 189 ff. findet fich ein Aussatz unter der Ausschrift: On the physical Characteristics of the Jews,-by John Beddon, worin die auch im gemeinen Leben oftanfgemorsene Frage. ״Was macht eigentlich den Inden erkennbar?" behandclr wird, ohne daß es dem Vrf. gelungen wäre, die einzelnen Merkmale sicher zu bcizeichuen, welche das Ensemble des jüdischen Typus bilden. Ec führt die Schlußfolgerung von R. Owen an, welcher eben den Variationen der seit 1800 Jahren in verschiedenen Breiten und Klimaten zcrstreuten Juden einen Beweis für die Einheit des UrsvrungS des Menschengeschlechteö entnimmt. Eine Tabelle stellt 666 Juden nach Farbe der Augen und des Haares zusammen, welche der Verfasser in .Brussa, Konstantinopel, den Dardanellen, Smyrna, Prag, Wien, Amsterdam, Nom, Bristol, London, so wie unter polnischen und portugisischeu Inden beobachtete. Er findet in der leiblichen Konstitution der Juden die beiden Ertreme des kaukasischen Typus repräsentirt, den blonden und den brünetten. Interessant ist ferner die neuerdings auch in der Pariser anthropologischcn Gesellschaft geltend gemachte Erfahrung, daß die Juden das größte Akklimatisationstalent haben und sich überall vermehren. Folgende Beispiele führt der Vrf. speziell auf: In Schweden wächst ihre Zahl, und sind nach den offiziellen Listen ihre Ehen kitiderreicher; nach London sind sie in Algier die einzige im Wachsen begriffene Nace, während Franzosen, Spanier, Maure» und Neger abnehmen. In Cochin- China und Aden, einem der heißesten Plätze der Welt, ziehen sie Kinder auf." Hannover. Dr. Wiener. Anfrage. Von dem Herrn Lehrer Salamon Neumann ist vor kurzem bei Robert Lampel iu Pest ein u»g Lesebuch für jüdische Schulen erschienen, welches von praktischen Schulmännern für trefflich gehalten wird. Eö ■ fragt sich aber, ob dessen Einführung behördlich gestattet sei. Der Herr Verfasser würde wohl thun, hierüber in diesen Blättern Auskunft zu Steinamanger. M. Aucker, Lehrer.

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