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Ben Chananja · 1864-01-03 · 1 (3.1.1864) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
1 (3.1.1864)
Date
1864-01-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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25 26 Die beiden sehr inhaltreichcn und mit großer Begeisternng gehaltenen Reden des Herrn OberrabbinerS Dr. Cahn erfreuten sich des allgemeinsten Beifalles der zahlreichen jüdischen und christlichen Anwesenden. Vielleicht erlaubt sich der Berichterstatter später ausführlicher sowie über noch andere Berhältniffe im Wege B. CH. zu berichten, wenn Sie hochwürdiger Herr Redakteur solches wünschen sostten. *) Inland.? Pestl), 25. Dez. Ich eröffne die Reihe meiner Mittheilungen mit einer Nachricht, die nicht ermangeln wird, unter den Rabbinen llngarn's Aufsehen zu machen. Vor ungefähr 4 Jahren ist ein Arzt, Namens Hatschek, in Pistyani im Neutraer Komitate, in die Waag gesprungen. Die Schwester, die ihn begleitete, wußte nicht mehr zu sagen, als daß er den Hut von sich warf, und sich sonst nicht entkleidete. Nachdem mehrere Jahre verstrichen waren, ohne daß man über den verschwundenen H. etwas Sicheres gehört hätte , traten voriges Jahr hier zwei Zeugen auf, welche anssagten, man hätte um die Zeit, als H. in die Waag gesprungen war, hierorts einen Leichnam aus der Donau gezogen, den sie, die Zeugen, für H. erkannten. Herr Oberrabbiner Meisel stellte über die Zeugenaussage ein Dokument aus, das aber in Neustadt!. wo die Witwe wohnt, unzureichend befunden wurde, indem sie Aussage der Zeugen nicht vor dem ganzen NabbinatS- Kollegium geschah. Um nun den begangenen Fehler gut zu machen, wurden die Zeugen nochmals vor einem Kollegium vernommen. Der Rabbinats-Assessor Brill war nicht zugegen. Wie ich aus glaubwürdiger Quelle vernehme, hat der hiesige betreffende Todtenbeschauer erklärt, die in Rede stehende Leiche sei die Leiche eines Christen gewesen, weshalb dieselbe auf einem christlichen Friedhofe beerdiget wurde. Gegen die Identität der Leiche mir dem verschwundenen H. soll, wie mir gesagt wird, auch der Umstand sprechen, daß die Leiche nackt gefundeu wurde. Von all dem geschieht in dem von dem hics. Rabbinate ansgestellten Dokumente keine Erwähnung. Die Witwe ist gegenwärtig hier, um von dem hiesigen Rabbinate ein Witwenzeugniß zu erheben, damit sie zu einer neuen Ehe schreite» könne. Da das hiesige Rabbinat sich in dieser Angelegenheit schon zu wiederholten Malen übereilte, wird es hoffentlich nunmehr vorsichtiger zu Werke gehen, bevor eS eine Entscheidung abgibt. Ich werde nicht ermangeln, Sie von dem Ausgange der noch schwebenden Verhandlungen in Kenntniß zu setzen. — — Pest, 28. Dezember. Aus den ofiziellen ״Ungarischen Nachrichten" haben Sie ersehen, daß der hiesigen isr. Normalhauptschule am 15. d. M. die Ehre einer Visitation von Seite des Herrn Oberdirektors zu Thcil wurde, und daß am 16. die Bekleidnng von 248 armen Schulkindern stattfand. Die Sammlung der hierzu erforderlicheu Mittel geschah durch die Herren M. Munk, H. Brachfeld, H. Kvhner, H. Popper, H. Schönfeld, H. Latzko, S. Herzberg, I. Birnbaum, PH. Wertheim. Die bei dieser Gelegenheit abgehaltene Schulfeier ging in schöner Ordnung vor sich. Dem Vernehmen nach soll, der Hirschler'sche Plan, ein,den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechendes Schulhaus zu bauen, gegenwärtig beim Statthaltereirathe in Erwägung gezogen werden, und mau glaubt, daß die Realisirung desselben in Folge eines Impulses von oben stattfinden werde. Die Hoffnung, der hiesige Gemeindevorstand werde sich bemühen, mindestens die zeitweilige Wiedereröffnung der-in verschiedenen Gegenden desLandeö geschlossenen jüdischen Schulen zu erwirken,, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. ES wird die Aufgabe des Geschichtschreibers unserer Gemeinde sein, den Gebrauch zu schildern, welchen unsere ״Takkifim" von ihrem Ansehen gemacht haben. *) Ihre Berichte werden mir stets sehr willkommen sien. L. Szegeditt, 1. Jänner. Zum ersten Male ist in den Ansschuß des landwirthschaftlichen Vereins auch ein Jude, Herr Moriz Lichtenberger gewählt worden. I-. Gr. Kanizsa. 28. Dezember. Der hiesige Gesangverein hat dem verewigten Oberkantor Goldstein einen poetischen Nachruf in ungarischer Sprache gewidmet. Die Witwe des Verblichenen erhält bis Feber den vollen Gehalt und tausend Gulden ö. W. aus der Gemeindekaffe, und kehrt zu ihren wohlhabenden Verwandtensnach Böhmen zurück. Für ein hinterbliebenes Mädchen wird eine Sammlung veranstaltet, die in diesem Augenblicke 600 fl.'beträgt, und sich jedenfalls auf 1000 fl. belaufen wird. Die Ehrenhaftigkeit eines solchen Vorgehens verdient um so größere Anerkennung, als der sel. Goldstein nur drei Jahre im Dienste unserer Gemeinde stand, und die Witwe Goldsteinö, des Vaters, eine anständige Pension aus der Gemeindekasse bezieht. Die Ge, meinde thut alles dies freiwillig, indem sie von ihrer Autonomie einen edlen, ihr nur zur Ehre gereichenden Gebrauch macht.. R. Losonz , im Dezember. Die hiesige Gemeinde gehört zu den jüngsten Gemeinden des Vaterlandes. Die erste jüdische Ansiedlung» geschah 1809 in dem Dorfe Tugar, welches gleichsam eine Vorstadt von Losonz ist. In letzterem ließe» sich die ersten Juden 1846 nieder. Seit 1849 bilden die Losonz-Tugarer Israeliten eine 100 Mitglieder zählende Gemeinde. Dieselbe baut gegenwärtig eine schöne Synagoge, deren Einweihung am Sabbat Nachamu d. I. gefeiert werden soll. Die Gemeinde ist so glücklich, in der Person des Herrn Albert Schmidt einen gebildeten und trefflichen Vorsteher zu besitzen. Dem Vernehmen nach wird zur Unterstützung armer Kinder ein Talmud-Thora-Verein gegründet werden. A Losonz, 28. Dez. Die vou dem Putnoker Rabbiner Braun bei Gelegenheit der Grundsteinlegung zur hiesigen Synagoge (26. Juni) gehaltene treffliche ungarische Predigt macht in^ganz Oberungarn Aufsehen, und verdient dieselbe auch wirklich die weiteste Verbreituug. Die Ver» waltung der hiesigen Gemeinde macht uuf den fremden Beobachter den angenehmsten Eindruck. Die Gemeindeangelegenheiten werden von den wackern Vorstehern: Schmiedl, Deutsch, Stern, Wohl, Dr. Schenck und Vigdor auf eine sehr würdige Weise vertreten. Zufällig erfuhr ich hier, daß der Bitte der Sütor-Alja-Njhelyer isr. Musterhauptschule um die'Gratisverabfolgung der Bücher, welche von der uug. Akademie den Volksschulen geschenckt werde, von Seite der Akademie sogleich entsprochen wurde. Die Akademie hat der genannten Schule 60 Bände gratis verabfolgen lassen. Kuttenplan. Ende Dez. Seitdem der Morgen der Freiheit für die Juden ver öst. Monarchie anbrach, bildeten sich auch in Böhmen fast mit jedem Jahre nene CultuSgemeinden, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Wol wird von manchers Seite die Besorguiß gehegt: es könnten durch diesen Umschwung die autochthonischen Gemeinden der Auflösung entgegen eilen; allein welcher Vernünftige grämt sich beim Zusammenstürzen eines alten Baues, sobald sich über den Trümmern ein neuer, herrlicherer erhebt? was liegt daran, wenn auch einzelne Theile Schaden erleiden von neuen Einrichtungen, sobald sie für das große Ganze Gewinn und Vortheil bringen? Sollten wir nicht in dem Gedanken Befriedigung finden, daß wir die längst ersehnte Zeit erlebt haben, die es den Israeliten ermöglicht, ihrem Glauben unheschadet, sich überall nieverlassen und Gemeinden coustituiren zu dürfen? Mögen auch durch die Uebersicdlungeu alte Gemeinden in Abnahme gerathen, oder gar aus den Fugen gehen; uns genügt das Bewußtsein, daß die abgelösten Elemente den Stoff zu neuen Zusammensetzungen bilden, eine Grundläge werden für noch kräftigere Schöpfungen. Die Herrn KceiSrabbinen denken freilich anders über dieses Kapitel, neulich erst erfuhren wir; wie Einer derselben aus egoistischen Motive» die Constituirung einer neuen Gemeinde mit aller Gewalt zu Hintertreiben suchte. Das — wir wollen heute

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