Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 1 (3.1.1864)
- Date
- 1864-01-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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23 24 eine neue Auflage davon zu veranstalten. Denn einige meiner Freunde, namentlich Herr Rüssel, Nesse des Ministers und Parlamentömitglie, des, wünschen sehr, diese Schrift zu besitzen, die nach ihrem Erscheinen viel von sich reden machte, und von der man wieder zu sprechen anfängt, seitdem der französische .Professor Renan sein ״Vi6 äs Jesüs“ herausgegeben hat. Zch wünsche aber sehr, daß Sie, werthcr Herr, außer der Ehre auch den Prosit der neuen Auflage ernten sollen, und bitte Sie daher, mir umgehend zu sagen, was Sie zu thun gedenken, und auf welche Weise ich Ihnen dabei nützeü könnte. Mit der Versicherung meiner besonder« Hochachtung bleibe ich Ihre ergebenste Gräfin Henriette Batthyäny." Dies der Brief. Ein großer Theil Ihrer Leser wird wohl nicht wenig überrascht sein, zu vernehmen, daß diese Zeilen an einen ungarischen Rabbiner gerichtet sind: an Ihren gelehrte» Mitarbeiter Dr. M. Zipser, Oberrabbiner in Rechnitz. Dieselben gereichen aber nicht nur dem Empfänger zur Ehre, sondern auch der edlen Gräfin, die einem ungarischen Schriftsteller ihre Hilfe anbietet, damit ihm auch der materielle Lohn für seine geistige Arbeit nicht entgehe. Gewiß wird jeder ungarische Jude der edlen Gräfin aus der Tiefe seines Herzens ein Hljen zurufen. Hoffentlich werden die Leser Ihres.Blattes erfahren, was Zipser in Betreff seiner gelehrten Arbeit beschlossen hat. Paris, Mitte Dezember. Herr Sylvester, Professor an der Militärschule zu Woolwich in England und ein ausgezeichneter Geometer, wurde am 7. d. M. zum korrespondirenden Mitgliede -der Akademie der Wissenschaften des Instituts de France gewählt. (91. I.) S. Augsburg, 20. Dezember. Die hiesige Stadt schickt eine Deputation an den König, um die Angelegenheit des Herzogs von 9lugustenburg befürworten zu lassen. Die Deputation besteht ans dem Bürgermeister, zwei Mägistratsherren und sechs der populärsten Männer der Stadt. Unter diesen befindet sich Dr. Hirsch selb, unser verehrter Rabbiner. Er wurde einstimmig gewählt. Sir können leicht ermessen, welche freudige Sensation diese Wahl nicht nur unter den hiesigen» sondern unter allen baierischen Juden Hervorrust. Dr. Hirschfeld hat übrigens die Zeitfrage, welche die deutsche Nation in diesem 9lugrnblicke in Spannung erhält, so behandelt, daß die Wahl schon dadurch leicht erklärlich wird. ß Frankfurt am ffftaitt, 30. Dezember. Nicht nur i» Angelegenheiten des deutschen Bundes ist die Korrespondenz zwischen hier und Wien eine sehr lebhafte, sondern auch in Angelegentzeiten des jüdischen Kultus. Wenn eö Ihnen vielleicht von Wien aus auch nicht berichtet wird, so steht es doch nichtsdestoweniger fest, daß die Wiener Orthodoxie ihrer bisherigLn Schweigsamkeit ein Ende zu machcn. und einen Vertreter und Wortführer ihrer Prinzipien zu wählen entschlossen ist. In einer der Synagogen Wiens, in der Ankersynagoge, ist vor Kurzem als Fühler das Gerücht ausgestreut worden, daß der Rabbiner Hvrwitz im Begriffe stehe, sich freiwillig in Ruhestand zu versetzen, und einem orthodoxen Prediger Platz zu machen. Die Wiener Orthodoxen wollen sich von dem hiesigen Hirsch einen Prediger empfehlen lassen; die hierüber gepflogene lebhafte Korrefponvenz hat jedoch bis zur Stunde nicht zum Ziele geführt. Hirsch gibt den Wiener Orthodoren unaufhörlich den Rath, keinen Rabbiner oder Prediger ohne akademische Bildung zu wählen; eine orthodoxe Kotterie in Wien will aber durchaus einen gewissen Fischmann gewählt wissen, der jedoch der Forderung Hirsch's nicht entsprechen soll. Die.Vervollständigung dieses Berichtes überlasse ich Ihren Wiener Korrespondenten. Tholey , 9. Dez. Am 4. (. Mts. fand in erhebendster Weise die feierliche Einweihung der ineuerbauten Synagoge Hierselbst statt. Da die Hauptmomente der Feier auch in weiteren Kreisen Verbreitung ver« dienen, so mögen dieselben nachstehend mitgetheilt werden. Die Feier begann, vom herrlichsten Wetter begünstigt, um halb 1 Uhr mit einem Festzuge auö.der alten nach der neuen Synagoge. Unter Anwesenheit des Landraths Herrn von Schlechtendal, des Bürgermeisters Herrn Merten, der Honoratioren nnd Bürger des hiesigen Ortes, sowie der in großer Anzahl eingetroffenen fremden Glaubensgenossen entwickelte sich das Fest auf die schönste Weise. Durch die dicht mit Zuschauern gefüllten Straßen, an den mit Fahnen geschmückten Häusern entlang, bewegte sich der Zng unter den Klängen der Musik in bester Ordnung nach dem schön gelegenen neuen Gotteshause. Hier angelangt, überreichte der Herr Oberrabbiner, nachdem von einem Mädchen ein passendes Gedicht vorgetragen worden, den Schlüssel zur neuen Synagoge dem Herrn Landrath mit einer kleinen Ansprache, woraus letzterer einige herzliche Worte erwiderte und die Pforten des Gotteshauses erschloß. Den Glanzpunkt der Feier bildete ohnstreitig die von dem würdigen Herrn Oberrabbiner Kahn aus Trier gehaltene gediegene und gehaltvolle Festrede, welche die zahlreiche Versammlung mit großer Aufmerksamkeit entgegen nahm. Der Redner behandelte das Thema über die wesentliche Bestimmung Israels und den Einfluß, den der israelitische Gottesdienst auf die Erfüllung dieser Mission ausgeübt hat, und legte dabei den Text 1. B. Mos. Cap. 32 V. 22 und folgende (Kampf des Engels mit Jacob) zu Grunde. Er schilderte die Aufgabe Israels als Gotteskämpfer 1) für den Glauben au den einzigen Gott, 2) für Recht und Gerechtigkeit, Humanität und Menschenliebe, und 3) gegen alle 9lnfeindüngen von Außen. 9lus der an innerem Gehalte so reichen Rede ist hauptsächlich hervvrzuheben der Gedanke, der in dem dritten Theile derselben durchgeführt wurde, daß nämlich, nachdem den Juden bereits die Morgenröthe einer bessern Zeit angebrochen war, sie noch immer Hemmnisse, falsche Beschuldigungen und Anfechtungen aller Art zu erleiden hatten, welche sie mit den Waffen des Geistes indessen so siegreich bekämpften, daß ihre Feinde, gleich Jacob's Gegner in der Bibel, ihre Bewunderer geworden sind und es ausgaben, den Bestrebungen zu Gunsten der Inden entgegenzutreten, so daß auch' ihnen, gleich Jacob, die Sonne der Gleichberechtigung aufgegangen ist. Zur gehobenen Stimmung trug nicht wenig ein hübscher Chorgesang bei,und verließen gewiß 9llle die heiligen Räume mit innigster Befriedigung. Der Verlaus des Festes am andern Tage entsprach denn auch in allen Stücken der Hauptfeiec, und glaubt Referent annehmeu zu dürfen, daß dasselbe noch lange in den Herzen aller Anwesenden eine wohlthnende Erinnerung bleiben wird. L. Aus dem Regierungsbezirke Trier, im Dezember. Es gibt gewiß keinen Bezirk, wieder unserigen, in welchem im Verlause von zwanzig Jahren so viele neue Synagogen erbaut wurden, .was auch nur durch die unermüdliche Thätigkeit unsers Herrn Oberrabbiners Kahn erwirkt werden konnte. Der hier beifolgende Bericht in Nr 293 der ״Trier'schen Bolkszeitnng", den Sie hochwürdiger Herr Oberrabbiner in den ״B. CH." aufnchmen wollen, über die Synagogen-Einwcihung zu Tholey im Kreise Ottwciler, beweist, wie auch die kleineren Ge. meinden kein Opfer scheuen', um den Gottesdienst zu verschönern. — Eine andere ebenfalls sehr erhebende Feier fand am שבת הנובה in der Einweihung einer min "DO ebenfalls durch Herrn Oberrabbiner N.׳ C. Kahn in Tornezig statt. Der dortige vorzügliche Synagogen- Chorverein, welcher von dem auch im ״B. CH." mehrmals rühmlichst erwähnten nun seligen Nabbi Moses Lewy, hier gegründet und gefördert wurde, ließ zum Andenken an ihren unvergeßlichen Gründer und hochverehrten Vorsteher und höheren Lehrer der Gemeinde , ein ח"□ schreiben und übergab es am erwähnten Sabbath der Synagoge. — Der Chor unter der Leitung des ausgezeichneten Vorbeters 'Herr G' Schwaab. des würdigen Schwiegersohnes des M. Lewy, führte hierbei auf so herrliche Weise die passenden Gesänge aus. Herr Schwaab, zu« gleich auch ein sehr guter Talmudist und Kenner der hebräischen Sprache verfaßte zn diesem Zwecke ein hebe. Gedicht שיר סקהלות «Ud hierzu eine sehr gelungene Melodie.