Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-01-03 · 1 (3.1.1864) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
1 (3.1.1864)
Date
1864-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543123--3458-2547337
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

21 22 sichtig zu Werke gehen. An manchen Stetten hat es nämlich in Betreff der LandeSgreuzen den Anschein, als widerspräche der Talmud den biblischenOrtsbestimmungen, währender nicht die Grenzen des Landes als solche, sondern die Markscheiden der dichter« jüdischen Bevölkerung in seiner Zeit näher zu bezeichnen beabsichtiget. Durch diese einfache, in den Verhältnissen der talmudischen Zeit begründete Distinktion löst sich wie wir seiner Zeit zeigen werden, manches Räthsel, dessen Lösung den bisherigen Talmuderklärern gar nicht, oder doch nur sehr unvottkommen gelungen ist. (Vergl. vorl. Toß. Gittin 2, a. Schlgw. we-Askelon.) Hier bemerken wir nur, daß Antipatris (אנטיפרס) unb das Dorf עוחני oder עותנאי als Grenzorte zwischen Judäa und Galiläa genannt werden (Gilt. 7, 7. Babli das. 76, a.) Letzteres Dorf ist vielleicht identisch mit dem Flecken Anuath bei Zosefus (j. Kr. III. 3, 5), wo eS verschiedene Lefearten gibt. (S. ed. Haverkamp. 2, 224. Slum, d.) Nach JosesuS führte das Dorf auch den Namen BorkeoS. Sollte hier an das biblische und talmudische ^12 \D (Jos. 19. 45. Sanh. 32, b) zu denken sein? 2. Die von Zosefus angeführte Eintheilung G.'s in das Oberland und Unterland (1. Kr. III. 3, 1) findet sich auch im Talmud, und zwar in einem offiziellen Aktenstücke (Sanh. 11, b.) Letzterer Umstand berechtigt zu dem Schluffe, daß die schon von christlichen Archäologen angeführte trichotomische Eintheilung G.'s (Schebiith 9, 2) jünger» Ursprungs ist. Dieser Eintheilung zufolge ist Kefar Chananja (s. Kastor Wa-Ferach Abschn. 11) die Grenzscheide zwischen Ober« und Untergaliläa; den dritten Theil G.'S bildet ״das Thal" oder die Gegend um Liberias. Nach Zosefus (a. a. O.) gehörte Liberias zu Uutergaliläa. Die trichotomische Eintheilung der Mischna hat religionSgesetzliche Tendenz (in Rücksicht auf das Sabbathjahr), und enthält zugleich eine Nachricht über die Grade der Fruchtbarkeit in .den verschiedenen Gegenden G.'S. Obergaliläa nahm in dieser Beziehung die tiefste, die Umgebung Liberias die höchste Stufe ein (s. Jer. Schek a. a. O.) 3. Denn wie Zosefus, rühmt auch der Talmud G.'S Fruchtbarkeit. Besonders hervorgehoben wird der Reichthum dieses Landstriches an Oel (Sabb. 47, a. Naz. 31, b. Sauh. 11, b), wozu die G. eigene Oelkrüglein verfertigten (Aruch פך I. s. Landan das.), an Flachs (B. Kama 10, 9), welcher fein gesponnen wurde (Ber. R. Abschu. 20), und Obst (Berach. 44, a), welches schnell zur Reife gedieh (Ber. R. 90, Ende). In der Gegend von Seppharis gab es üppige Weideplätze (Meg. 8. a). Was für Wasser G.'S als Augenwasser gebraucht wurde, ist noch zu eruiren (Sabb. 78, a. Aruch גליל u. d. Additam. d. R. Jesaj. Berlin.) Hätte Renan die von der Fruchtbarkeit G.'S redenden Stellen des Talmuds gekannt, so würde er dieselben mit großer Vorliebe äugeführt Haben, da ihm an der geographischen und historischen Verherrlichung G.'S so unendlich viel liegt. Zn letzterer Rücksicht sagt er: ״Les oevres les plus yivantes du peuple juif etaient toujours venues de ia," nämlich von Galiläa (S. 46) Um dies zu beweisen, nennt .er einige neutestauientliche Personen, die unter den gegebenen Verhältnissen eben nur der Provinz Galiläa angehören konnten, um mit dem Helden der Geschichte in Berührung gebracht zu werden. Wann hätte aber ein gründlicher Historiker die geistige Produktionsfähigkeit einer Bevölkerung nach einigen sentimentalen Personen beurtheilt? ״Die lebendigsten Werke des jüdischen Volkes find aus dem Norden gekommen!" Die Psalmen mit ihrem uie vergänglichen Reize und die Profetischen Reden mit ihrer unversiegbaren- Kraft und die Weisheitssprüche mit ihrem kernigen Inhalt, — sie müßten sammt und sonders aus dem Norden stammen! Nun ist dies aber notorisch nicht der Fall. Der bei Weitem überwiegende größte Theil des hebräischen SchrifkthumS ist nicht im Norden, sondern im Süden ent« standen. Wahr und richtig ist mithin gerade das Gegentheil von dem-p was Renan behauptet. Die lebensfähigsten Schöpfungen des üdischen Volkes find nicht im Norden, sondern im Süden ans Licht getreten. Renan profanirt schonungslos Alles, was gläubigen Christen heilig ist. Als wollte er dieselben entschädigen, gibt er sich nun alle erdenkliche Mühe, das Judenthum nicht nur doktrinett, sondern so zu sagen auch geographisch und historisch herabzusetzen. Der Süden repräsentirt ihm den Judaismus, der Norden den Antijudaismus. Den Norden stattet er daher mit allen Vorzügen aus; den Süden dagegen beurtheilt er so gehässig, daß er ihm sogar einen gänzlichen Mangel an Gefühl für die Natur abspricht! Nun sind aber die herrlichen Naturpsalmen, denen Alerander v. Humboldt einen Ehrenplatz unter den Naturschilderungen des Alterthumes anweist, nicht nur nach dem Zeugniffe der altern, sondern auch nach dem der neuern Kritik Erzeugnisse des Südens, wo in der Zeit des zweiten,. wie in der des ersten Tempels, die literärische Thätigkeit ihren vorzüglichen Sitz hatte. In seiner topographischen Eingenommenheit für die Wiege des CbristenthumS geht Renan so weit, daß er auch den vortrefflichen W ein G.'S herausstreicht. (S. 48.) In Wahrheit stand aber die Weinlultur in Zudäa höher, als in G. (Naz. 31, b), was Herr Renan, wenn, auch nicht aus dem Talmud, so doch aus der Bibel, nämlich aus dem Segen Jakobs (1 M. 49, 11), wissen konnte. (Die noch zu erklärende Mischna Men. 8, 6. spricht wohl nur von einer Epoche.) Die Gegend um Hebron, das in dem so tief herabgesetzten Judäa liegt, beschreibend, sagt Robinson: ״Diese Weingärten sind trefflich und tragen die schönsten und größten Trauben im ganzen Lande. Das Thal wird gemeiuiglich für daSEskol des A. T. (4M. 13, 24) gehalten, woher die Kund schafter die Weintrauben nach KadeS zurückbrachten, und wie es scheint nicht ohne Grund. Die Beschaffenheit seiner Früchte stimmt noch Mi; dem alten Ruhm überein; sowohl Granatäpfel als Feigen , als auch Aprikosen, Quitten und dergleichen wachsen hier noch in Ueberfluß." (Palästina 1, 356.) Wir werden Gelegenheit haben, zu zeigen, daß Renan'S religionsgeschichtliche Auffassung des Ludenthums noch in höherem Maße an tendentiöser Willkürlichkeit leide, als seine geographische Auffassung des heiligen Landes, Die Geschichte richtet sich nicht nach den historischen Konstruktionen der subjektiven Geschichtschreiber, und wären diese auch noch so genial. So hat sie den Talmud nicht, wie Renan (S. 46) durchaus Witt, in Jerusalem, sondern — so weit derselbe überhaupt in Palästina entstand — gerade auf dem vielgepriesenen Boden G.'S entstehen lassen. Jerusalem hat nur einen kleinen. Beitrag dazu geliefert. (Fortsetzung folgt). Korresponden). Ausland. Aus Amerika, Mitte Dezember. Die demokratische Partei in Cincinnati, in den vereinigten Staaten Nordamerikas, hatte die Ab« sicht, den dortigen Rabbiner, Herrn I. M. Wise, einstimmig in den Senat von Ohio zu wählen. Herr Wise lehnte die Wahl ab, um seiner Gemeinde nicht seine rabbinische AmtSthätigteit zu entziehen, welche bisher von so segensreichen Erfolgen begleitet war. (Arch. Jsr.) R. |><m$, 28. Dezember. Folgender,Brief, dessen Echtheit ich Ihnen verbürge, verdient wohl in weitern Kreisen bekannt zu werden . ״Paris, 27. Nom 1863 (Rue de Cirque Champs Elysöes)• Ew. Ehrwürden! Wollen Sie die Güte haben, mir sobald als möglich mitzutheilen, in welchen Nummern des ״Jewis Chronicle" Ihre Artikel über die Bergpredigt zu finden sind, oder wo ich mir das Werk, ^daS diese SIrtikel enthält, verschaffen könnte.. Ich fürchte, daß dieses Werk im Buchhandel nicht mehr zu haben ist; es ist aber wünschenöwerth,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.