Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-01-03 · 1 (3.1.1864) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
1 (3.1.1864)
Date
1864-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543123--3454-2547333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 14 Was die lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata, betrifft, so ist sie zwar nicht direkt, wol aber indirekt aus jüdischer Feder geflossen. Hieronymus'), ihr Uebersetzer, gesteht unzählige Mal, daß er bei jeder nur irgendwie schwierigen Bibelstelle seinen jüdischen Lehrer befragte, der ihm auch allenthalben befriedigende Auskunft gab. * 2) Aber selbst wenn Hieronymus nicht dieses ihn ehrende Geständniß ablegte, so ließe sich dies aus den unzähligen Stellen seiner Uebersetzung, bei welchen der jüdische Jnterpretationsgeist und die traditionelle Auslegung durchleuchtet, folgern. Nun hat aber Hieronymus außer der Bibelübersetzung auch noch Erklärungen zu fast allen Büchern der heil. Schrift verfaßt, die er theils ״Quaestiones“ theils ״Commentarii“ nannte. Die Quaestiones ffot> zur Genesis und zu den geschichtlichen Büchern Samuel, Könige und Chronik; die Oowwentarii dagegen zu sämmtlichen Profeten erhalten. In diesen Untersuchungen und Erklärungen führt Hieronymus sehr viele hebräische Traditionen, theils haggadischen, theils halach. Inhalts an, welche zu sammeln und mit den jüdischen Quellen zu vergleichen von großem Interesse nicht nur, sondem auch für die Kritik der Midraschim sowohl, wie für die Geschichte der Exegese von großem Nutzen sein dürfte. Wir haben diese Arbeit in dem Merkchen: ״Die hebräischen Traditionen in den Werken des Hieronymus durch Vergleichung mit den jüdischen Quellen krititsch beleuchtet. Erster Theil: Die Quaestiones in Genesin. — Breslau, Schletter'sche Buchhandlung 1861" begonnen, und wollen'sie in diesen Blättern fortsetzen. Wir werden uns hier jedoch auf die Quaestiones beschränken, und zwar mit denen zu den Büchern Samuels, oder, wie Hieronymus sie nennt, mit denen zu den ״zwei ersten Büchern der Könige" 0) beginnen. I. Quaestiones seu traditiones hebraicae in libram I. Regam. *) 1. Samuel I. cap. 1. v. 1. .מן הרמתים Iuterpretatur ״duo excelsa.“ Et haec duoexcelsa duae intelliguntur tribus, ״regalis“ videlicet et ״sacerdotalis.“ Quod pater Elcanae de tribu fuerit Levi, über Paralipomenon plenissime docet. Matrem quoque ejus de tribu Juda exstitisse monstratur in 60, quod ״Ephrateus“ vocatur, ab Ephrata, uxore Caleb, quam eonstat de tribu Juda Kusse. ') Hieron. geb. 331. gest. 420 nach der üblich. Zeitrechnung. 2J Näheres hierüber in der Abhandlung. ״Hieronymus und seine jnd. Lehrer", im ersten Theile unserer, ״hebr. Traditionen in den Werken des Hieronymus." Breslau 1861. Im prolegus galeatus: Tertlus sequitur ״Samuel“, quem n0B ״Regum primum et secuudum“ dicimus. *) Ueber die Echtheit oder Pseudonymität dieser unter Hieron'S Namen cursirenden Quaestiones werden wir unser Urtheil am Schluffe dieser Abhandlung zusammenfassen. ״Unter den ״beiden Höhen" sind die beiden Stämme, der ״königliche" und der ״priefterliche" verstanden. Daß Elkana väterlicher Seits aus dem Stamme Levi stammte, ist aus Chronik I. 6, 6. ersichtlich; daß er mütterlicherseits dem Stamme Juda angehörte, folgt aus dem ihm hier gegebenen Beinamen ״Epbrati“, mit welchem feine Abstammung von der Ephrat, vrgl. Chronik I. 2, 19 ויקה מ כלב את אסרת., der Frau des Caleb, der aus dem Stamme Inda war, bezeichnet ist." Diese Erklärung ist so ganz im Geiste der Haggada, daß es Wunder nimmt, ihr nirgends, weder in den talmndisch-midraschischen Quellen, noch bei den alten jüdischen Eregeten zu begegnen. Im Midrasch Samuel z. St. findet sich nur die auch geographisch gerechtfertigte Notiz, daß es zwei Ramah gegeben. :ר״א אמר,תרתין רמין הינין,הראח־ץר וחרא דשמואל Im Jakkut H. Nr. 76 erklärt R. Samuel bar Nachameni den Dual in הרמתים mit den Worten: ארם הבא משתי רמות שצופות, ורואות מ את וו In dieser etwas unverständlichen ErklärungR. Samuels glauben wir jedoch eine Parallele zu der Erklärung unseres lateinischen Kommentators zu erblicken. Unter den ״zwei Höhen, die aufeinander schauen", dürften die beiden Würden, die königliche und prieste rliche, die ja in der jüdischen Geschichte in beständiger gegenseitiger Abhängigkeit auftreten, zu verstehen sein. Auch die Stelle im Midrasch Samuel gewinnt dadurch an Verständniß. Das תרתין רמין hieße demnach nicht ״zwei Rama" (sonst stünde wohl רמות oder ganz unflektirt רמה), sondern ״die beiden Höhen, d. h. Würden", und zwar הרא רדוד חרא דשמואל die könig liche vertreten durch David und dem Stamme Juda; die priösterliche durch den Le- Viten Samuel. Beide Erklärungen wären somit kongruent. Wir hätten an diesem ersten Beispiele schon einen schlagenden Beweis, von welchem Werthe unser lateinischer Kommentar für das Verständniß mancher dunkeln Haggadas ist. 2. Ibid. ״ צופיםSpeculatores“ hic ״prophetaeMntelligentur, quorum filius Elcana fuit. Auch das Targum paraphrasirt diesen Eigennamen in ähnlicher Weise, es übersetzt ״ מתלמידי נביאיאEiner von den Profetenschülern." Das ״quorum filius“ entspricht dem בני הנביאים: Die'gemeinschaftliche Quelle hiefür istTalm. Megilla 14, a. woselbst es ausführlich heißt: ויהי אייש אהר מן הרמתים צופים ואמר ד אבהו אהד ממשתית שנתנבא להם לישראל. Es liegt auf der Hand, daß R. Abuhn in dem Worte הרמתים eine Anspielung auf das Zahlwort מאתים erblickte. Wenn im Midrasch Samuel zu St. das Verhältniß umgekehrt wird und Elkana statt zu einem der 200 Prophetenjünger zum Stammvater derselben gemacht חד שהעמיד לו מאתים צופים — so mag die Stelle wohl corrumpirt sein; ist ja doch auch höchst wahrscheinlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.