Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 1 (3.1.1864)
- Date
- 1864-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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11 12 tung firer Gehalte für die Kreisrabbiner begonnen, welche auf die Judenschaft der Kreise nach dem Steuergulden anrepartirt wurden, eine Cynosur, die mit der Aufhebung der Judensteuer immer schwankender und unsicherer wurde. Das Hofkanzleidekret vom 16. März 1841 verordnete diesfalls für künftige Fälle, es sei auf eine Gehaltsbestimmung für die Kreisrabbiner nur dann einzugehen, wenn letztere wegen Unzulänglichkeit der ihnen diesfalls von den betreffenden Judengemeinden zugestandenen Dotationsgenüsse darum bittlich werden, und man die Genüsse wirklich unzureichend findet, wobei auch wesentlich darauf zu sehen sei, daß jene Judengemeinden, bei denen der Kreisrabbiner zugleich die Lokalrabbinerstelle versieht, und dort seinen Wohnsitz hat, mit einer entsprechenden höheren Beitragsleistung in Anschlag gebracht werden. Die Pflichten der Kreisrabbiner sind gesetzlich nicht bestimmt. Herkömmlich sind ihnen nachstehende Funktionen, deren auch das Hofkauzleidekret vom 16. Juni 1843 erwähnt, zugewiesen: 1. Visitationen der Schulen und Synagogen und Ueberwachung der Lehrer. 2. Abhaltung von Predigten. 3. Ordnung der gottesdienstlichen und Schulangelegenheiten in den ihnen unterstehenden Gemeinden. 4. Kontrollirung der Judenmatrikenführung. 5. Jntervenirung bei der Bnezionsprüfung der jüdischen Brautleute. 6. Die Ausstellung von Religions- und Blutverwandtschaftszeugnissen für Brautleute. So viel über den Ursprung und Wirkungskreis der Kreisrabbiner. Das Institut der Kreisrabbiner hat aber seiuem ursprünglichen Zwecke nicht ganz entsprochen und erfreut sich daher nicht des allgemeinen Beifalls und der Billigung der böhmischen Judenheit, wenn man bei unparteiischer Beurtheilung sich auch nicht mit allen Einwürfen einverstanden erklären kann, die gegen dieses auch in andern öfterreichischen Kronländern und auch außerhalb Oesterreichs bestehende Institut erhoben werden. .Wie nachgewiesen wurde, ist dasselbe in einer Zeit ins Leben gerufen worden, wo es außer der Prager Judengemeinde nur noch wenige größere jüdische Vereinigungen in Böhmen gegeben hat, die übrigen Juden vereinzelt in Städten, Dörfern und Flecken wohnten. Damals war das Kreisrabbinat eine Noth- Wendigkeit, ein tiefgefühltes Vedürfniß, um für einen gewissen Kreis einen religiösen Mittelpunkt, ein geistliches Oberhaupt zu schaffen, an welches sich die sporadisch wohnenden Juden in ihren religiösen Angelegenheiten und Bedürfnissen wenden könnten. Mit der in Böhmen bedeutend zugenommenen Anzahl der jüdischen Glaubensgenossen und der in neuerer Zeit, insbesondere durch die ihnen gestattete Freizügigkeit, begüustigten Bildung neuer Kultusgemeinden konnte das Institut des Kreisrabbinats den gesteigerten Bedürfnissen und den an dasselbe gestellten höheren Anforderungen nicht mehr genügen. (Schluß folgt.) Die (jeötütfrijcn Miüonen in dem MMommentar des Jjieconpus. Kritisch beleuchtet von Dr. M. Rahmer, Rabb. in Thorn. Einleitung. Wenn man die Bibel heutzutage mit Recht bas ״Buch der Welt" nennt, so darf dabei der Umstand nicht, übersehen werden, daß dem jüdischen Volke das Verdienst gebührt, zu allererst durch Uebersetzungen dazu beigetragen zu haben, daß die Bibel Gemeingut der gesammten gebildeten Menschheit geworden ist. Die Vorsehung hatte den jüdischen Stamm nicht nur zum Empfänger und Träger der Gottes lehre, sondern auch dazu erwählt, das Gottes buch in alle Welt hinauszutragen, und die Verbreitung desselben durch Uebersetzungen zu vermitteln. Was wäre auch aus der Bibel geworden, wäre Israel nicht die Bundeslade, die sie vor schäblichen Einwirkungen von Außen gehütet, und zugleich das Medium gewesen, durch welches sie zur Kenntniß der anderen Nationen gelangte? Daß die wechselreiche Geschichte dieses Volkes und die im innigsten Zusammenhang hiermit stehende öftere Metamorphose seiner Volkssprache die äußere Veranlassung zu den vielfachen Uebersetzungen in die verschiedensten Sprachen waren, ist leicht einzusehen, und soll hier nur der Uebersicht wegen gezeigt werden. Das durch das babylonische Eril in die Volkssprache eingedrungene aramäische Idiom machte das Uebertragen der Bibel in die aramäische Sprache zum unabweisbaren Vedürfniß; es entstanden die auf die religiöse Bildung des Volkes so wohlthätig wirkenden Targumim, deren Ansänge in sehr frühe Zeit hinaufreichen, obwohl die Schlußredaktion erst viele Jahrhunderte später erfolgte. Durch die Anstedlung jüdischer Kolonisten in Aegypten im dritten vorchristlichen Jahrhundert stellte sich die Noth- Wendigkeit der Uebertragung der Bibel in die Landessprache, ins Griechische, heraus. Es entstand die unter dem Namen der Septuaginta bekannte griechische Bibelübersetzung, die später von so ungeheuerem Einfluß auf die patristische Literatur war. Als nach Entstehung des Christenthums der Kreis der Bibelleser ein weiterer geworden war, waren es doch zunächst wieder jüdische Gelehrte, welche die Bibelübersetzung in die Hand nahmen. So ist es jetzt endgültig erwiesen, daß die im zweiten nachchristlichen Jahrhunderte redigirte syrische Nebersetzung, die Peschito, einen mit der jüdischen Tradition vertrauten Uebersetzer zum Verfasser hat.