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Ben Chananja · 1864-01-03 · 1 (3.1.1864) · page 4

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Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
1 (3.1.1864)
Date
1864-01-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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7 8 Preisfragen. נעמדה יחד! Zesaj. 58, 8. Wir machen hiermit den Anfang, den gelehrten und erfahrenen Freunden Ben Chananja's eine Reihe Praktischer nnd theoretischer Fragen vorzulegen, unduns deren -motivirte Meinungsäußerung darüber zu erbitten. Die bei Preiskonkurrenzen üblichen Formalitäten sind bei Beantwortung der von uns gestellten Fragen nicht zu beobachten, indem jeder Konkurrent, dessen Arbeit im ״Ben Chananja" erscheint, den Preis erhält. Auch sind wir weit entfernt, vorauSznsetzen, daß der Preis das alleinige oder auch nur das vorherrschende Motiv sein könne, von welchem sich die Berufenen bei Ertheilung ihrer Aufschlüsse werden leiten lassen. Zunächst wird es ihnen, wie sich von selbst versteht, um die Sache, um die Förderung der Erkenntniß oder des Fortschrittes, zu thun sein. Andererseits haben wir aber die gegründete Hoffnung, daß Freunde der Wissenschaft nnd des Fortschrittes nicht ermangeln werden, auf die Beant- Wortung einzelner Fragen einen höhern Preis zu setzen, als wir in diesem Augenblicke zu setzen vermögen. Den ersten Platz in der Reihe unserer Fragen nehme I. Der höhere jüdische Religionsunterricht ein. Folgende Bemerkungen werden hinreichen, die Wichtigkeit der hieraufbezüglichen Frage in ein klares Licht zu stellen. In der ganzen österreichischen Monarchie besteht die gesetzliche Einrichtung, der zu Folge wie die christlichen, so auch die jüdischen Schüler der Gymnasien und Realschulen in zwei wöchentlichen Stunden Religionsunterricht genießen. So anerkennenswerth nun auch die Verdienste sind, welche sich jüdische Neligionslehrer ans diesem Gebiete des öffentlichen Unterrichtes erworben haben, so wird doch kaum in Abrede gestellt werden können, daß der den jüdischen Gymnasiasten und Realschülern ertheilte Religionsunterricht kein bestimmtes, Lehrern und Schülern zur Erreichung ausgestecktes Lehrziel vor Augen hat, wie dies bei anderen Gegenständen «der Fall ist und sein muß, wenn der Unterricht einen wahrhaft gedeihlichen Fortgang nehmen und der Beurtheilung einen festen Anhaltspunkt bieten soll. Der Mangel eines in der Natur des höhern Religionsunterrichtes und in dem praktischen Bedürfnisse begründeten Lehrzieles bringt es mit sich, daß weder in der Wahl der den Religionsunterricht bildenden einzelnen Lehrobjekte, nochin derVertheilung derselben nach den Klassen des Gymnasiums nnd der Realschule ein den Grundsäßen der Didaktik entsprechendes, methodisches und konsequentes Verfahren beobachtet werden kann. Mit dem Mangel eines klar aufgestellten Lehrzieles hängt ferner die sonst kaum bei einem Lehrgegenstande vorkommende Ungleichheit des Verfahrens zusammen, welches von den verschiedenen ReligionSlehrern beobachtet wird. Ist auch in dieser Rücksicht gerade keine strenge Uniformität nöthig, oder erforderlich, so ist doch im Interesse der Schüler, Welche eine Lehranstalt verlassen, um an einer andern ihre Studien fortzusetzen, eine gewisse Konformität im Unterrichte sehr wünschenswerth. Der Gegenstand ist ohne Zweifel von hoher Bedeutung und Wichtigkeit. Die jüdische Gymnasial- und Nealschnljugend nimmt mit jedem Jahre zu. Im Jahre 1850 hatte ich 19 Gymnasialschüler; im gegenwärtigen Schuljahre beläuft ׳sich die Zahl derselben auf 80. Es gibt Gegenden, wo in dieser Rücksicht noch ein rapiderer Fortschritt wahrzunehmen ist. Es handelt sich mithin um den Neligionsunterricht von Tausenden jüdischer Knaben und Jünglinge! Wichtiger noch als das quantitative ist das qualitative Moment. Die Gymnasial- und Nealschuljngend wird dereinst die Intelligenz der jüdischen Gemeinden bilden. Die an diesen Anstalten gebildeten Jünglinge werden als Männer vor Allen die Aufgabe und den Beruf haben, das Judenthnm nach Außen mit Nachdruck und Würde zu vertreten, und für Entwicklung und Erstarkung seiner heiligen Jnstitutionen mit Einsicht und Begeisterung einznstehen. Schon die Gegenwart kennt eine Schaar wackerer jüdischer Aerzte, Juristen, Ingenieure und Geschäftsmänner von reeller Bitdüng, die sich um die Emanzipation, so wie um das jüdische Gemeinde- Vereins- und Schulwesen unverwelkliche Verdienste erworben haben. Je mehr die Gemeinden an Bildung zunehmen, desto lebhafter werden sie wünschen, ihre Angelegenheiten den Händen der Intelligenz anzuvertrauen. Die Leitung solcher Angelegenheiten wird aber bedeutend erleichtert und gefördert, wenn sie von Kenntnissen und Erkenntnissen unterstützt wird, welche die höhere Neligionsschule ihren Zöglingen bieten soll. An Pietät gegen das Judenthum uud an Liebe zu demselben gebricht es der überwiegenden Mehrheit der Heu- Ligen jüdischen Intelligenz sicherlich nicht. Gleichwol kann es keiner sorgfälrigen Beobachtung entgehen, daß jüdische akademische Bürger sich ans Hörjälen nnd Büchern Vorurtheile gegen Juden und Judenthnm holen, die den Kundigen in Staunen und Betrübniß versetzen. Der höhere jüdische Religionöunterricht hätte also neben dem doktrinellen — dogmalischen, ethischen, geschichtlichen, sprachlichen — Elemente auch das apologetische Element zu berücksichtigen, um die Zöglinge gegen die Vorurtheile zu rüsten, die sie in Zukunft — zuweilen selbst in der Gegenwart — zu hören und zu lesen bekommen. Die Nichtigkeit dieser Bemerkungen und die Noth-

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