Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 1 (3.1.1864)
- Date
- 1864-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5 6 Stadien der Wiedergeburt und Verherrlichung der Religion Israels nicht zu verkennen. Mit manchen Konzessionen an den geläuterten Geschmack der Zeit und an die günstigere soziale Stellung der Juden befreundet sich allmälig auch in Ungarn die Orthodoxie, indem sie mit der einen Hand die An- und Eingriffe des kulturfeindlichen Chaßidäerthums zurückweist, und die andere Hand, wenn auch nicht ohne Wtverstreben, der neuorthodoren Romantik reicht. Die hierauf bezüglichen Vorgänge, Erörterungen und Streitigkeiten sind mit der geistigen, religiösen und sozialen Entwicklung so zahlreicher jüdischer Gemeinden viel zu enge verwebt, als daß ihnen der gebildete Jude nicht mit lebhaftem Interesse folgen sollte. Ein nicht minder lebhaftes Interesse erregt ferner die V e r - fassung und Verwaltung der jüdischen Ge me in de. Die auf diesem Gebiete sich allenthalben so laut kundgebende Forderung der Autonomie hat ihren Grund nicht nur in der konstitutionellen Strömung der Zeit; sie geht vielmehr aus praktischen, mit dem Konstitutionalismus durchaus nicht zusammenhängenden Rücksichten hervor. Der Fortschritt in den jüdischen Gemeinden fordert beträchtliche materielle Opfer. Der Gemeingeist, der diese Opfer bringen soll, muß daher stets wach erhalten werden. Dies wird aber am leichtesten und sichersten erzielt, wenn die Kontribuenten das Recht haben, auf die Verwaltung der Gemeinde zu influiren. Wenn in einer großen und reichen Gemeinde die Verwaltung zuweilen selbst bei gänzlichem Mangel autonomer Einrichtungen eine Zeit lang nicht in Stockung geräth, so kann aus diesem exzeptionellen Zustände keine allgemeine Regel und Richtschnur gezogen werden. Der Mißbrauch, der in manchen Gemeinden von der Autonomie gemacht wird, beweist nur, daß die auch sonst so wünschenswerthe gesetzliche Organisation der jüdischen Gemeinden eine dringende Aufgabe der Zeit ist. Die Lösung dieser Aufgabe wird von allen einsichtsvollen Juden herbeigewünscht. Hervorragende Männer haben uns bereits zugesagt, über die diese Lösung betreffenden Fragen im B. CH. ihr wohlerwogenes Urtheil niederzulegen. Aus Böhmen ist bereits mit dem in vorliegender Nummer veröffentlichten Votum der Anfang dazu gemacht. Der verehrte, kenntnißreiche und vielerfahrene Urheber dieses Votums wird fortfahren, die Organisationsfrage von allen Seiten zu beleuchten. Dem Schulwesen hat B. CH. seit dem Beginne seiner Laufbahn die demselben gebührende Liebe und Aufmerksamkeit zugewendet, wie denn auch eine große Schaar tüchtiger Jugendlehrer nicht aufhörte, ihm die wärmste Theilnahme zu schenken; wir rufen denselben zu: 6 1) כה לה יam. 25, 6)! In Uebereinstimmung mit dem Gesagten wird B. CH. bestrebt sein, in ansprechender Darstellung zu bringen: 1. Besprechungen der bürgerlichen Stellung der Juden und der Fortschritte der Emanzipation; 2. Motivirte Urtheile über neue, die inneren Angelegenheiten der Juden betreffende Gesetze; 3. Aufsätze, welche die Organisation der jüdischen Neligions- oder Kultusgemeinden zum Gegenstände haben; 4. Wissenschaftliche, die filosofische, historische rituelle und linguistische Erkenntniß des Judenthums fördernde Abhandlungen; 5. Wichtige, auf die jüdische Spezialgeschichte bezügliche Schilderungen, Entdeckungen und Urkünden; 6. Biografieen hervorragender verstorbener Israeliten; 7. Authentische, unparteiische Berichte über Gemeinde-, Nabbinats- und Schulangelegenheiten; 8. Eingehende Beurtheilungen der einschlägigen neuen literarischen Erzeugnisse; 9. Kasualpredigten von allgemeinem Interesse; 10. Sehr gelungene Gedichte religiösen Inhalts. Seine Unabhängigkeit wird sich Ben Chananja auch in Zukunft zu wahren verstehen; jede Einseitigkeit wird auch fortan fern bleiben. So offen und unumwunden er auch seine Anschaumigen ausspricht und vertheidigt, so läßt er doch mit aller Bereitwilligkeit auch Meinungen zu Worte kommen, die von den seinigen abweicheu, oder denselben geradezu widersprechen. Ihm gilt auch auf dem Gebiete der Publizistik das Gesetz der Thora: ״Du sollst nicht zweierlei Gewicht in deiner Tasche haben, ein großes und ein kleines; in deinem Hause sollst du nicht zweierlei Scheffel haben, einen großen und einen kleinen. Du sollst ein. völliges und rechtes Geivicht, und eilten völligen und rechten Scheffel haben, auf daß deine Tage lang währen in dem Lande, das der Ewige, dein Gott dir gibt." (5 M. 25, 13—15.) Dies gilt ganz besonders von der Rubrik der Korrespondenz und Berichterstattung. Die Korrespondenten des ״B. CH." sind durch keine Instruktionen gebunden. Sie beurtheilen die von ihnen mitgetheilten Thatsachen von ihrem Standpunkte, nnd lassen Manches, weil es ihnen unbekannt ist, oder wohl auch aus Parteirücksichten, unerwähnt. Die Freunde der Wahrheit und Oeffentlichkeit leisten daher dem jüdischen Interesse einen wesentlichen Dienst, wenn sie etwaige Jrrthümer der Korrespondenten berichtigen, oder etwaige Lücken in den Korrespondenzen.ausfüllen. Die Besprechung von Gemeindezuständey im ״B. CH." hat Gottlob bisher nicht wenig Gutes gestiftet; hoffentlich wird sie auch in der Folge fortfahren, Gutes zu ftlsten. Szegedin, am 30. Dezember. Iöw.