Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 51 (23.12.1863)
- Date
- 1863-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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939 940 men soll? Auf wen soll er sich stützen? Ohne festen Halt- Punkt gleitet er rnS Leere auS." ”) Demgemäß wird in den Klementinen daS göttliche Wesen in einer zwar den leiblichen Augen aber nicht denen der seligen Geister unsichtbaren Gestalt, deren sichtbares Abbild der Leib deS Menschen ist, in die Mitte deS Universums gestellt, gleichsam als daS Herz desselben, von welchem nach allen Seiten hin belebende Kräfte auSströmen. 28) Durch diese Erinnerungen wäre der Lyoner Bischof genöthigt dewefen, die Offensive zu verlaffen, um in die Defensive zn treten. Der Wissenschaft ist eö indeß mehr um die richtige ge schichtiiche Erkcnntniß, alö um die Zurechtweisung eines unduldsamen Fanatikers zu thun. Die dogmengeschichtliche For׳ schung kann daher unmöglich der Frage auSweicken, ob denn für die Anschauungen, die bei dem Verfasser der Kiemen, trnen, bei Tertullian und Johann EassianuS »vahrzunehmen sind, in dem gleichzeitigen jüdischen Cchristthume wirklich keine Parallele zu finden sei. Für den Gang der jüdischtheolog. Studien in Deutschland ist rS in der That charaktcristisch, daß bereits die Namen der Abschreiber jüdischer Bücher im Mittelalter mit skrupulöser Genauigkeit verzeichnet wurden, und daß man gleichwohl noch nicht Zeit hatte, die talmudische Lehre von den Attributen deS göttlichen Seins und Wesens einer wissenschaftlichen Prüfung zu uttterziehen! Der neueste Geschichtschreiber der Juden, Dr. Grätz, bat sich'S in dieser Rücksicht wirklich sehr bequem gemacht. In dem vierten, der talmudischen Zeit gewidmeten Theile seiner Geschichte hat er Raum gering für manche bekannte Anekdote, aber keinen Raum für die eigentliche Theologie deS Talmuds. In einer 1859 erschienenen Abhandlung über ״die mystische Literatur in der geonäischen Epoche," 29) welche seiner bezüglichen Darstellung im fünften Theile seiner Geschichte^") zu Grunde liegt, widmet er den betreffenden talmndischen Autezcdeutien einige flüchtig hingeworsenc Zeilen indem er zahlreiche Stellen, die gegen ihn sprechen, vcrschweigt, und einen einzigen Spruch anfübrt, der aber nicht beweist, waS er beweisen soll.׳'") Nachstehende Vemerkuiigen wollen de» Gegenstand nicht erschöpfen, sondern bloS daS Verhältniß andcuten, in welchem hier die Kabbala zum Talmud steht.; 1. Die talmudische GottcSlehre ist eisrigst beflissen, alles Antropopalhische von dem göttlichen Wesen ferne zu Hallen. Die antbropopathische AnSdruckSweise der Bibel wird alö bildliche Aikomodation gedeutet.^) 2. Minder ängstlich ist die talmudische GottcSlehre in , Betreff der AntbroponiorsiSmeu. Ter schon in der Mischna öfters vorkommende GolteSname Makom,'^) welcher dem Philonischen TopoS entspricht,^') deutet allerdings ans ein Wesen hin, daS Alles umfaßt, und wird in diesem Sinne auch ausdrücklich erklärt;3i) damit wird aber nicht aller und , jeder AnthropomorfiSmuS ausgeschlossen.^) Man darf, um dies unbefangen zu beurtheilen, nicht aus den Augen verlieren, waS wir auS den Klementinen, von Tertullian und Cassian angeführt haben. Die Unterscheidung zwischen AnthropomorfiSm und Anthropopathiöm wird auch im Thargnm deS OnkeloS sestgehalten, waS weder von MatmonideS und Nachmai,ideS, noch von Lnzzatto 37) in seiner vollen Klarheit erkannt wurde. Im Lichte dieser Unterscheidung wird die materialistische GotteSlehre der alten Karäer nnd zugleich der Sturm be, greiflich, den die rein spiritnalistische GotteSlehre deS MaimonidcS hervorries, worauf wir hier nicht weiter einzugrhen haben. Hieraus wird aber zugleich klar, daß die AnthropomorfiSmen der Kabbala in keinem prinzipiellen Widerspruche zum Talmud sieben, wie so oft und neuerdingS auch von Dr. Grätz behauptet wurde. Wir enthalten unö, die doktrinelle Verwandtschaft deS Talmuds und der Kabbala hier weiter zu verfolgen, da einer unserer gelehrten Mitarbeiter entschlossen ist, den Lefern deS ״Den Ehananja" hierüber eine gründliche und anziehend geschriebene Abhandlung vorznlegen. So viel gebt aber wohl schon auS dem Gesagten hervor, daß man den Kabbalisten Unrecht that, indem man ihnen wegen ihrer AntbropomorfiSme» Vorwürfe machte, die nicht sie, sondern ihre Vorgänger treffen; und daß man ihnen anderseits zn viel Ehre erwies, indem man ihnen eine Originalität zuschricb, die sie in der That nur in geringem Maße besaßen. Und dies gilt nicht nur von den Quellen und Lehren der Kabbala, sondern auch von ihren Wirkungen. Wenn wir zum Schlüsse auch letztere erwähnen, so verstehen wir darunter nicht die wunderbaren magischen Wirknngen, welche der praktischen Kabbala zugeschrieben werden, und deren Meister in Galizien und im nördlichen Ungarn bis aus den heutigen Tag für ihren Schwindel ein gläubigeö Pttblikum finden. In den älteren kabbalistischen Werke» ist von solchen auch der talmudischen Legende nicht fremden Mirakeln gerade wenig die Rede. Wir wollen vielmehr nur an die wunderbaren Erscheinungen erinnern, von welchen die Adepten der Geheimlehre daS Studium ihrer Wissenschaft begleitet sein lassen. Hierin bleibt aber der Sohar weit hinter feine» talmudischen Vorbildern zurück Um sich davon zn überzeugen, braucht man nur die Einleitnngen der bclden JdraS mit folgender talmudischer Schilderung zn vergleichen: ״AlS einst R. Eleazar b. Arach aus einer Reise vor seinem Lehrer, N. Johanan b. Zakkai, über daS Werk deS Himmelswagens (■-,-2T2 .טעש.־־) rinrii Vortrag hielt, fuhr Feuer vom Himmel herab und umgab die Bäume deS Feldes. Diese aber begannen ein Loblied anzustimmen, nnd sprachen: ״Lobet den Herrn von der Erde, ihr Ungeheuer und alle Tiefen, ihr Frnchtbäume und alle