Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 51 (23.12.1863)
- Date
- 1863-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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937 938 Art an ihn, denn von seiner Frucht nährt sich die Region der höhern Welt.!" ") — Hierauf folgt noch eine weitere Ausführung, die aber keinen neuen Gesichtspunkt bietet. Die angeführten Worte reichen bin, die hcrmeneuti, scheu Grundsätze des Sohar, sowie die Anwendung desselben auf die legislativen Elemente der Thora hinreichend zu charakterisiren. Wenn wir gleichwohl in Folgendem die Alle, gorisirung einer speziellen Klasse von Gesetzen hervorheben, - so geschieht dies nur, weil hier die Kabbala durch die iin Allgemeinen auch vom Talmud gebilligte allegorische Dcutung dem Talmud selbst Opposition macht. Die Mischna will nämlich demjenigen Stillschweigen geboten wissen, der die Gesetze der Thora über die E h e h i n d c r n i s s e der V e r w a n d t s ch a st und Schwagerschast metasorisch auölcgt.") ES unterliegt kei, nein Zweifel, dass dieser Ausspruch der Mischna gegen die öffentliche allegorische Auslegung der bezüglichen Gesetze gerichtet ist. Die GtsetzeS-?lllegorisir1lngcn wurden nach dem Vorbilde Pbilo'S von den Kirchenvätern am weitesten getrieben. Der Unterschied zwischen den christlichen und jükisehen Eregeteu lag, abgesehen von der christlichen Topologie, wesentlich mir in der Anwendung, die sie von ihrer EchriftauSIegnng machten. Tie Kirchenväter schrieben der allegorischen Elklärniig des Mosaischen Gesetzes erklusive Geltung zu, und eilläueu daher den legislativen Literalsinn vieler Gesetze für abrogirt, wietvohl sie;»gaben, dass manche Gesetze nach ihrem einfachen Wortsinne ansgefasst und befolgt werken müssen. ''') Für die jüdischen Schristgelehrren baue hingegen die Allegorisirung deS Gesetzes bloS bonületische, nicht legislative Bedeutung. In letzterer Beziehung galt die Regel: Bei feinem Cchristverse darf der buchstäbliche Sinn ausser Acht gelassen werten, '״) eine Regel, die. wie wir sahen, auch Ausnahmen znliess. Die thcoretische Allegorisirung deS Gesetzes durste ohne AnSiiabme geübt werden; nur die VerwandschastS- und SchwägerschaslSgcsetzc sollte man öffentlich nicht allegorisch deuten, um AuSschrcitungen gegen diese Gesetze zu verhüten, die um so mehr zu befürchten waren, als das Beispiel der ethnischen Devölkcrntig die Neigung und Derritwilligkeit zur Beobachtung jener Gesetze untergraben musste, weShalb man eö auch nö, thig fand, diese Gesetze am VeriohnungStage in den Svnagogrn vorlesen zu lassen. ‘7) Allein trotz der Mischnischen Warnung lässt sich der Sohar gerate auf die allegorische Deutung eines TheileS der bezüglichen Gesetze mit breiter Ausführlichkeit ein;׳") Halte er etwa hier die spezielle Tendenz, zu zeigen, daß er die esoterische Erklärung besitze, vor deren Verbreitung in der Mischna gewarnt wirb? Von der Eregese der Kabbalisten zu ihrer Dogmatik übergehend, habe» wir unsere Ausmerkfamkeit zumeist ihren AnthropomorfiSme 11 zuzuwendeu. Diesen AnthropomorfiSmen geben die neuern Forscher einstimmig rein kabbalistischen Ursprung. Bekanntlich hat Agobard, Bischof von Lyon, die Juden bei Kaiser Ludwig dem Frommen angeklagt, und ein gegen sie gerichtete- Memorandum eingereicht, worin er denselden vorwirft, daß sie sich Gott als einen mit Gliedmassen versehenen Körper denken. Indem Jost diese Anklage erzählt, bemerkt er, doß Agobard für seine Behauptungen feine Quelle an führt. ,9) Rapoport spricht wiederholt die Vermuthung an-, Agobard habe bei seiner Anklage an die Kabbalisten gedacht; die Finger, von denen er spricht, seien nichts Anderes, als die zehn Sefirotb der Kabbala, 9") Auch Zunz schließt auS der Anklage deS Bischofs von Lyon, daß im südlichen Frankreich schon in der ersten Hälfe deS neunten Jahrhunderts kabbalistische Anschauungen nicht nnbckaniit waren. 9') Denselben Sinn findet auch Grätz in der bischöflichen Anklage.99) Man muß aber darüber erstaunen, wie diese hervorragenden Forscher dem Gedanken Raum geben konnten, baß dem Bischöfe von Lyon eine Disziplin bekannt war, von welcher selbst die gelchrtcsten französischen Juden zu jener Zeit »nd in den folgcnten drei Jahrhunderten keine Ahnung hatten! Liegt eS nicht näher, etwa an die Pcßach-Haggada zu denken, deren Inhalt auch dem Bischof leicht bekannt werden konnte? — Wäre unter den jüdischen Uutenhanen Ludwigs deS Frommen einige palristische Belesenheit verbreitet gewesen, hätten sie den Vorwurf deS Bischofs sehr leicht mit der Hinweisung ans die Kirchenväter eulkrästen können, welche die Körperlichkeit Gottein unzweideutigen Worten lehrten. So sagt Tcrtullian: ״Wer wirb leugnen, daß Gott ein Körper ist, obgleich Gott ein Geist ist? Auch der Geist ist ein Körper nach seiner Art tn seiner besonder» Gestaltiiug." 9') Der Kirchenvater gebraucht die Worte Körper »ud Substanz alö gieichedeutenb, und er kann sich eine nicht körperliche Realität gar nicht denken.9') Der berühmte Mönch Johann EassianuS, (gcst. 432), ein Schüler des EhrysostomuS, spricht in der zehnten Eollation9'') von Anthropomorfiten, welche keinen Gott mehr zu haben meinten, wenn sie nicht ein sinnliches Bild von ihm als einer begrenzten men« schcnähnlichen Gestalt in der Vorstellung sollten tragen dürfeil, zu dem sie beten könnten. 9") Selbst der filosofiisch gebildete Verfasser der im zweiten Jahrhundert geschriebenen Klementinischen Homilien ist auS denselben Gründen eia eifriger Vcrthcidigcr der Menschengestalt und damit der Oertlichkeit GottrS. Er erklärt rS für eine dem Bösen Vorschub leistende Behauptung, wenn man unter dem Vorwände, Gott zu verherrlichen, ihm die Gestalt abspreche. Denn ohne Gestalt ist keine Schönheit, ohne Schönheit aber kein Verla»- gen, keine Liebe möglich. Die Seele, die keine Gestalt GotteS sich vorbildet, ist auch leer von ihm. Und wie kann Einer beten, wenn er nicht weiß, zu wem er seine Zuflucht oeh-