Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 51 (23.12.1863)
- Date
- 1863-12-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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935 936 werden, mit deinem Finger drin Ohr!" (Keth. 5, a.) Da- Verbot: ״du sollst dir keine Astarte pslanzeu" (5 M. 16, 21) wird auf die Anstellung unwürdiger Richter gedeutet. Wenn dieselben durch Bestechung ihre Aeinter erschleicheo, gilt von ihnen daS Verbot 2 M. 20, 23.: ״Silberne Götter und goldene Göller sollet ihr euch nicht machen!" > Sanh, 7, 6.) Verwandt hiermit ist die Auweutung, welche von einem prosetischen Spruche ans die Unwissenheit derer gemacht wurde, die sich die rabbinische Ordinalion mit Geld erkanften. Ein witziger Schristgelchrtcr sagte von ihnen mit Habakuk 2, 19: ״Wehe dem, der zum Holze spricht: Erwache! Steh' auf zum dumpfen Stein. Er sollte lehren? Sieh', er ist gefaßt in Gold und Silber; aber durchaus kein Geist ist in seiner Brust!" ljer. Bilk. 3, 3.) Analog mit der Allegorisirnng ist die Symbolistrung einzelner Gesetze. Diese unlericheiket sich von jener darin, daß sie die Worte der Thora nicht umdeutet, sondern denselben ihren Litcralsinn laßt, und nur der Hebung des Gesetzes eine svmbolische Bcdenlung I ie älteste talmudische GesctzeS-Symbolisirnng wird aus '!i. Iochanan b. Zaklai zurückgeführt. Sie betrifft die Durchbohrung dcS OhreS deS hebräischen Sklaven, 2 M. 21, und findet in dieser Förmlichkeit eine gerechte Bestrafung deS OhreS, daö sich nicht gemerkt hat, was ihm gesagt wurde, daß nämlich Israel, als der Hörige GotteS, keines Menschen Hörigkeit tragen dürfe. ״Und die Thür und die Pfosten", fügte ein späterer Schristgelchrtcr hinzu, ״welche GotteS Zeugen waren, als Er Israel auS ägyptischer Knechtschaft rur Freiheit erhob, sollen auch Zeuge der Erniedrigung deffen sein, der, den Genuß der Freiheit verschmähend, Sklave bleiben will."׳'') Eine andere symbolische Betrachtung dcS N. Iochanan b- Zakkai hat den Altar zum Gegenstände. Mit Bezug aus 5 M. 27, 6 (אבנים שלמות) lehrte R. Iochanan: ״Friedenssteine, d. i. Steine, welche Frieden stiften zwischen Gott und dem Menschen, sollst du zum Altarbaue verwenden. Hat nun der Heilige, gelobt sei er, verboten, über Steine, die ja weder sehen, noch hören, noch reden, mit einem Eisen zn fahren (2 M. 20, 25); um wie viel weniger wird er den von einem harten Geschicke treffen lassen, der beflissen ist, zwischen Bruder und Bruder, zwischen Mann und Weib, zwischen Familie und Familie, zwischen Volk und Volk, zwischen Reich und Reich Frieden herzusteUen!" — Ein spätercr Schristgelehrter sagte hierüber: ״DaS Eisen, daS daS menschliche Leben abkürzt, wage nicht, über den Altar zu fahren, der bestimmt ist, die Jahre deS Menschen zu verlän« gern!") — Die meisten symbolischen Deutungen erfuhr der Strauß deS LaubhüttenfesteS: derselbe wird auf sechs verschiedene Weisen symbolisirt! 4) Als ein Sinnbild deS Himweis und deS ״Thrones der Herrlichkeit" wurde die blaue Schnur au den Schaufäden (4 M. 15, 38) angesehen, •) und wie Philo und JosesuS?) betrachtet auch R. Rehemta die StiftShütte als ein Bild deS Universums.*) Fast in birektem Widerspruche zu diesen symbolischen Deutungen steht die von einzelnen Schriftgelehrten vertretene Anschauung, nach welcher selbst den priesterlichen Gewändern eine versöhnende Kraft inhärirt: 9) eine Anschauung, welche von MaimonideS deSavouirt wird. Die Kabbalisten haben nun die allegorische Auslegung deS gesetzlichen ThcilcS der Thora in einem viel auSgedehntcrn Umfange betrieben, als der Talmud; erfunden haben sie aber diese AuSlegungSmethode ebenso wenig, als sie den mystischen Rapport der Seele zu den höheren Welten erfunden haben. '") Sie verfolgten nur die Bahn, die Andere vor ihnen gebrochen hatten. Die Allegorisirnng der ReligionSgesetzc wurde durch sie weiter gesponnen, wie der Pil« pul durch die Toßafisten weiter gesponnen wurde. Und da in Folge der filosofischcn und rationalistischen Strömung in Spanien die Allegorie überhaupt beliebt war, indem sie dem ererbten Schrifthnme einen höher» Glanz verlieh; so erregte eS keinen Anstoß, daß die Kabbalisten sich auch in der Allegorisirung der Gesetze zu Ertravaganzen hinrcißcn ließen. Der Sohar ergreift gerade die Gelegenheit einer Gesetzes« allegorisirnng, um seine hierauf bezüglichen hermeneutischen Prinzipien auSeinauder zu setzen. Er knüpft an die Vor« schrist über die Belagerung einer Stadt (5 M. 20, 19, 20) folgende Betrachtung: ״Wie trefflich sind die Wege und die Bahnen der Thora! Jedes einzelne Wort enthält heilsame Rathschläge für den Menschen, viele Perlen, die nach allen Seiten glänzen! Du findest keinen VerS in der Thora, auS dem nicht ein mehrfaches Licht strahlt. Ein jeder VerS hat seinen einfachen Sinn und seinen Midrasch; zugleich enthält er aber auch höhere Weisheit. Glücklich ist daS LoS dessen, der sich unausgesetzt mit der Thora beschäftigt; er gleicht nach dem AuSspruche deS Psalmisten dem an Wasscrbächen gepflanzten Baume: wie man am Baume Wurzel, Rinde, Saft, Zweige, Blätter, Blüthe und Frucht unterscheidet,") so unterscheidet man bei der Thora den Literalsinn, den Midrasch, die Jndigitation (Nemez), die Wissenschaft (filosof. Deut.), den Zahlwerth der Buchstaben, die verborgenen Geheimnisse nud die dunkeln Geheimnisse.. ״) Komm und sieh, wie werlh und theuer die Thorabeflissenen dem Heiligen, gelobt sei er, sind! Selbst wenn GotteS Strafgericht auf Erden waltet, und dem Zerstörer (Satan) Gewalt eingeräumt wird, zu zerstören, wird derselbe von Gott gewarnt, den Thorabeflissenen nahezutreten. Der Heilige, gelobt sei er, spricht zu ihm: ״Wenn du eine Stadt mit der Pest belagerst, so verderbe nicht ihren Baum, d׳ i. den Schriftgelehrten, denn er ist der Lebensbäum, der Frucht trägt; er ist עצה, der Rathgeber (!) der Stadt, damit sie vom Strafgerichte befreit werde; er zeigt den Menschen die Bahn, die sie wandeln sollen. Lege keine