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Ben Chananja · 1863-12-16 · 50 (16.12.1863) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
50 (16.12.1863)
Date
1863-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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921 922 Macht in solchen Angelegenheiten, taS Erwirken bindender Ukase höherer Behörden rechtferligrn, ja nicht einmal für klug halten. Wir billigen eö, wenn der Rabbiner seine meinte über ihr Vorhaben, dessen religiöse Zulässigkeit oder Unznlässigkeit belehrt, anfklärt; aber wir finden eS im grellen Widerspruche mit der Bildung und Sitte unserer Zeit, ein Unternehmen oder dessen Unternehmer zu schwächen oder gar zu verfiuchen, weil man mit demselben nicht einverstanden ist. Wir finden eö gerecht, daß die angestellten Würdenträger und Beaniten der KultnSgemeindc in ihren wohlerworbenen Rechten geschützt und selbst in ihrem materiellen Einkommen nicht verkürzt werden; aber wir erachten eS für unbillig, ja ungerecht, ein Monopol für sich in Anspruch zu nehmen, und gleich befähigte und gesetzlich berechtigte, von einer ganzen Svnagogengemeinte aufgenommene Rabbiner und Prediger von rabbinischen Funktionen anSschließeu zu wollen, die ihnen vermögc ihrer Befähigung und Stellung nach göltlicht,» und weltlichem Rechte;»kommen und ihnen auch in anderen KiilniSgemeiiiken ohne Widerrede und Bedenken zugestanden werden. Tiefer erste oppefitionelle Versuch blieb auch, wie;11 erwarten stand, ohne Erfolg. Und da der Umbau der Meiselsvnagogc und die Aufnahme eine-- Predigers einmal eine beschlossene Sache war, die nicht mehr rüekgängig gemacht werden konnte, auch der in stiller Geniüthlichfeit anogebegle, hie und da auch leise knndgegebene Wunsch, den Tempelpredigcr;um fimnltanen Prediger der Meiselsvnagogc zu wählen, keine Aussicht ans Gelingen haue, und die Anstellung eines eigenen Predigers einmal als eine iudvitablc galt, in die man sich fügen müsse; hätte man cö wohl noch am liebsten gesehen, daß die Wahl ans irgend einen jungen obskuren, allensallS mit Doktorhut und nolhdürftig errungenem Rabbinerdiplom versehenen RabbinatSkandidatcn fallen würde, dessen Rivalität man nicht zu sürchteil. und dessen Ueberhebnng, wenn solche dennoch gewagt werden sollte, allenfalls mit einem Nasenstüber hätte gedemülhigt werden können. Und in der That scheute man sich nicht, ein solches erst vor Kurzem anS der Fremde angekommcneS, unreif gebliebenes Bacherlein der Meiselsvnagoge zu empfehlen. Nimmermehr aber konnte man sich mit kein Gedanken befreunden, einen gleichberechtigten Amtskollegen mit gleicher, oder wo möglich noch größerer rabbinischer Gelehrsamkeit, rednerischer Begabung und persönlicher Würdigkeit und gefälligen Manieren neben sich zu haben, und man hätte eö lieber bei dem Homerischen Spruch: ״Ein Gebieter soll sein!" bewenden lassen mögen, alö bei dem deö weisen Salomo "״טובי■ השנים רןהא־ד; darauf ging die Meiselsynagoge einmal nicht ein. Eö wurde ein Konkurs zur Desetzunz der Predigerstelle ausgeschrieben und zur Abhaltung von Probepredtglcu eingcladen. Der erste, der sich der>elben unterzog, war der gelehrte, rühmlichst bekannte Dr. 20lovitz. Da er aber nicht so glücklich war, den Beifall de- Publikums zu erringen und von seiner Anstellung weiter keine Rede war, so blieb die Opposition hübsch ruhig, sich mit der Hoffnung tröstend, eS werde anderen Kandidaten nicht besser gehen, und ein Prediger, wie man solchen hier zu hören gewohnt sei, werde sich nicht leicht finden; so weit ging die Selbstüberschätzung und Selbsttäuschung. Allein in dieser Hoffnung sah man sich nur zu bald getäuscht. Schon der zweite zur Abhaltung einer Probepredigt Eingeladene, der nun aufgenommene Rabbiner und Prediger Dr. Stein auö Danzig, erregte durch seine an zwei aufeinander fol» geuden Sabbathen gehaltenen Predigten eine solche Begeisternng, und seine ganze persönliche Erscheinung war eine so wohlthnende und einnehmende, daß man von ferneren Probepredigten abzusehen und über allgemeines Verlangen mit Stein wegen seiner Anstellung in Unterhandlung zu treten beschlossen hat. Jetzt ging nun der Kamps von Neuem an. Und da nun weder das frühere Leben und Wirken des Dr. Stein, noch seine literarischen Arbeiten irgend einen AnhaltS- Punkt zu kessen Verdächtigung boten, so benützte man einige anS dem Zusammenhänge der Predigt gerissene, und abfichtlich mißdeutete Worte, um Stein — horribile dietn —als Reformer auSznschreien, der nichrö Geringeres im Schilde führe, alö daS Jndenlhum in seinen Grundfesten zu erschütlern und die io fromme und streng rechtgläubige Prager Gemeinde in eine Reformgenossen,׳chast nach Berliner Mode umzuwandeln; obschon dem gesinnnngötüchtigen Stein nichtö ferner liegt, alö dieses, unk er in seinen begeisternden Predigten nur dem historisch berechtigten Fortschritt daS Wort sprach und nur der frömmelnden Heuchelei entschieden entgegentrat', die daS reine GottcSwort in witzelnder Weise nach echt polnischer Art verdreht und trübt und nur zu oft; רגלה פנים בהורה שלא בהלכה ist. 1 Tie Unterhandlungen mit dem Danziger Stein hatteu; anfangs nicht den gewünschten Erfolg, da dessen Gemeinde! daö Möglichste ausbot, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Auch einem dritten noch nachher alö Probeprediger ausge- . tretenen Kandidaten auö Norkkeutschland ist eS nicht gelun»! gen, den Beifall der Spnagogeugemeinde zu erringen, und eö schien säst, alö wenn letztere wirklich die Hoffnung, eineu Prediger nach ihrem Sinne zu acguiriren, ausgegeben hätte. Untcrdeß ging der Umbau der Synagoge rasch von Statten nud seiner Vollendung entgegen, und der allgemein ausgesprochene! Wunsch, den Gottesdienst in dem prachtvoll hergestellten GotteShause schon mit dem Neujahrsfeste zu eröffnen,, mußte dru . Vorstand veranlassen, auf eine würdige und erhebende Ein- ׳ weihungöseier ernstlich zu denken. Wer dadei mit der Funktion deö Festredners beehrt werden ipürde, blieb lange eiu Geheimniß, obschon der Eine oder der Andere in dem festea Glauben lebte, daß ihm solche Ehre nicht entgehen könne,

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