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Ben Chananja · 1863-11-18 · 46 (18.11.1863) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
46 (18.11.1863)
Date
1863-11-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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\ L 849 krn frinrn rigenrn Wiffeo«durst zu fliklev. Der Gedanke. ak« Schrift« ßeller «uszutretrn, war ihw daher fremd; von Freunden oder neuen iiterärischen Erscheinungen angeregt. ließ er jedoch Manche» drucken. Der 6. Band de» Kerem Ehimed brachte von ihm eine sehr beachten«« werthe Erklärung der von Chorin, Geiger, Luzz-Ito u. Reggio besprochenen schwierigen Miskbna» Eduj. 1, 5. 6. Jo» Iahet 1856 erschienen einige von gründlicher Sachkenntniß zeugenden Anssätz, über da» jüdische KalenLcrwrsen von unserem PineleS, in welchen er den» berühmten Slomiusky eutgegenirilt (K. Ehem. 9. 27. 85. 100. 101.) Die kurze Auzeige de« More von Nachmann Krochmal tu, ersten Bande de« he- Ehalnz ist von ihn». Der Erkur« über die Haggada, ans den wir erst vor Kurzem hingewiesen haben, verrälh den gründlichen Kenner der haggadischcn Literatur und de» scharfsinnigen Kritiker. Außerdem haben Kobal'S Ieschnriiil, Ha-Maggid. Ha-Mcliz und De» Ehananja verschiedrnr Aussätze und Den»erk>»ngen von PineleS gebracht: Klarheit und Gründlichkeit der Auffassung und Präzision im Ausdrücke charakterisiren Alles, was PineleS schreibt. Mit vorliegendem Werke hat der würdige Verfasser seiner gründlichen talmudischen Gelehrsamkeit und seinem scharfe» kritische» Geiste ein unvergängliches Denknial gesetzt. Der Kern dieses in seiner uinsassendcn Anlage einzigen Werkes lieg« in der Erklärung halachischer Aussprüche vo» Thannaitcn und Nmoräer, von Nr. 14 bis 1-14 (S- 18 bis 168). Die »eiicrlhodorc» Rabbinen i» Dcnischland und Ungarn sollten sich beeilen, Liese Erklärungen unter Leitung eines dazu geeigneten Lehrers dnrchzustndiren. um dieselben in» Frankfurter .,Jeschnrnn" und im ״Mainzer Israeliten" gründlich zu »viderlrgen. Für die Orthodorie ist evon enllchcidender Wichtigkeit, an de!» Grundsätze scstzuhalten, daß der Ein», welcher den Ausspiüchen der Thannaitcn und Amcräcr i» der Gemara vintizirt wird, authentisch ist. Das Fundament der vulgären TradilionSdoklrin muß ossenbar gcivaltig erschüttert werden, sobald sich hrranestellt, daß die llebcrliefcruiig nicht wachsam genug war. oder die Kraft nicht besaß. den anlhenlischen Sinn der Aussprüche und Entscheidungen ihrer Depositäre für die Nachwelt zu brtrahrrn, so daß es nur de-Verlaufes etuigcr Geucralionen bctursie, um jeiicil Sin» der Vergessenheit preiszu« gebe». Von geschichtlichem Ctantpnnlle l-eirachket, hat tiefe Erscheinung durchaus nichts VesremtlicheS. Die Geschichte tennet keinen Stillstand. Sie bringt 111 de» Anschauuugcn und in der Sprache der Völker mannigfaltigc Veränderungen hervor. Diese Veräiidcrungcn werden in. Lause der Zeit so bcdcuiciid. daß literärische Erzengnisse einer frühem Epoche den Lesern einer spätern Epoche nur vermittelst sprachlicher und sachlichcr Erlänteruiigen zugänglich gemacht werten können. Die Urheber solcher Erlänicrnngcii kcunrii, wenn sic zu ihrer Arbeit befähigt sind, de» Sinn ihrer Autoren treffen; cS ist aber, wen» sic die erforderlichen Sprach- und Sachkeniilniffc nicht besitzr», oder sich nicht von gesunden hernienkutischeu Prinzipien Icitcii lassen, auch möglich. Laß ihnen die Aussiudung des richtigen SinticS nicht gelingt. Es kann mithin nicht dcsrrmdkn. wenn auch jütische Gelehrte, selbst die der tbalmudischcn Zeit, sich nicht immer von hermeiieutischen Jrrthümeru und Mißvcrstäutnisscn frei zu halten wußten. Ihren sonstigen Vrrtienstcn geschieht dadurch edtiisowcnig Abbruch, als ihrer religiösen und sittlichen Ehrwürdigkeit. Die Orthodcric gibt sich ater damit nicht zufrieden, kann sich damit nicht zufrlrdcn geben, da sic den Einstuß der geschichtlichen Entwicklung ans dir taliuudische Uebcrlieserung negirl. ״nd negiren muß, so lange sie dir Integrität ihrer TraditioliSdoktri» aufrecht erhalten will. Es lehrt aber d»e NrligionSgeschichte durch zahlreiche Beispiele, daß sich die Orthodrrie nicht immer der Konsequenzen bewußt wurde, welche eiuzelnr ihrer Aeußcrungcn in der Folge haben könnte. Bei jüdisch-vrthodcren Schriststrllrr« war die» insbesondere der Fall, da dir jüdischen Dogmen wohl von fiiizelnea Rckigionssilosofeo aus den Re» ligionSurkundea abflrahirt und sestgeüeklt, niemals aber reu Synoden 850 gutgeheißen und sanklionirt wurde». Wie die Jude» in da« Ghetto der Städte zurückgedrängt wurden, so wurde da« jüdische Dogma i» da« Ghetto der jüdischen Literatur zurückgedrängt. So astgemeia auch da« TeaditiooSdogma auerkannt wurde, oder vielmehr, weil es alkgemei» anerkaun« wurde, ließ man sich zuweileu gehen, ohne wabrzunehme», wenn man mit droisrlbrn >n mittelbaren Konflikt grrirth. So ist es er« klärlich, daß einzrlne Talmudrrklärer die gemarischr Mischnaerklärung nicht für maßgebend anerkannten, und in der Erklärung der Mischna ihren eigenen Weg eiuschluge». Sic ahnten nicht, daß sie dadurch die Glaubwüecigkeit der Paradofi«. die sie zuweilen gegen die KarLer t» Schutz »ahmen, mit eigener Hand erschütterten. Die Reihe der vo» der Gemara abweichenden Mischna-Erklärer eröffnet N- Saadia« Gaon. Die meisten aniigemarischen Mischiia-Erkläruiigen liefert M aimonide«. Den beseicdigendsten Aufschluß über da« Derhältniß der spätere» Mischna-AuSIcger zur Gemara gibt Schorr in cinrr mit wahrhaft imponirrndrr Gelehrsamkeit grschricbenen Abhandlung (he-Ehaluz 5,31—54.) Damit leistete Herr Schorr der Geschichte der Mischna-Errgefe einen sehr daiikcnswerthcn Dienst. Zur Förderung der Eregese selbst eröffutle er in feinem Jahrbuche he-Ehaluz eine eigene Rubrik. Der erste Jade» ganz brachte »ntcr dieser Rubrik 14 Nnmiiicrii, deren einige Herr Schorr früher im ״Zion" vrrösscnllirbt halte (he-Ehal. 56-65). Der zweite Jahrgang brachte zwei Nnmmcrn von Abraham Krochmal (58—00). Der fünfte Jabezand setzte die Forschung von Nr. 19 bis Nr. ZS fort (5—66). Diese 39 Nummern enthalt n tbcildas Resultat eigener Forschnilg. lheilS die Mitthcilnngcn Anderer, theilS auch Erjrrptr a»t« gedruckte,1 Werken: sie wollen auch nicht mehr sei», als eine Sammlung und Zusauimcnslcllnng des sich zufällig Darbiet.nden. Dem Herrn Pineles gebührt aber di« Anerkennung, daß.er den Talm n d. oder doch einen beträchtlichen Theil desselben, mit kritischer Absichtlichkeit geprüft, und die Unzulänglichkeil der ge m arischen Mischna -Eregese d»»rch zahlreiche Beispiele nachgewicscn ha». Was Schorr für die Geschichte der Mischiia-Ercgcsc leistete, hat PineleS süe diese Eregese selbst geleistet. Die Forschungen dieser beiden Gelch>':n ergänzen sich mithin gcgciiscing, und sind gcnicinichastlich das Resultat fccicr Prüfung und Forschung. Herr PmeleS vertvahrt sich zwar zu wiederhoUrn Malen aus'« Nachdrücklichste gegen jede tendenziöse Verwandtschaft mit seinen Land«- lenken Schorr und Abraham Krochmal. Er versichert, daß er weit ent« freut ist, den Talmud herabznsctzcu, und dir Abolirung dcr i» demselben enlhaltciieu Brschränkniigcn und Einrichlnngen hrrdeizuführrn (S 10. 97). Herr P. ist uns nnd ohne Zweifel vielen unserer Leser ak« eia viel zu ebreuwerlher Mann bekannt, als Laß »vir an dieser seiner Derfichcrniig een geringslri, Zweifel hegen sollten. Wir haben aber nicht seine religiöse Gesinnung, sonder» seine »viffenschastlichr Leistung im Auge. Nach gcwiffeuhasier Prüfung dieser letzter», müssen wir brkrn»»ru, daß nach unscrm Dafürhalten Herr PineleS an« konservative״ Beweggrüodcu dieselben kritischen Operationen am Talmud vornimmt. welche Herr Schon an« destruktive», Beweggründen daran vcrgeuoMmea hat. E« liegt hierin auch nicht« UiirrhörtcS. Vielmehr geschah uvd geschieht r« häufig, und zwar nicht »ur aufdcm Gebiete der Theologie, daß die kolljcrvativr Schuir einige Pvsitirurn ausgibt, um die übrigen Positionen um so staodhaster und nachdrücklicher zu vertheidigen. So gibt Herr P. die Hermeneutik der Gemara preis, um R. Jehuda den Heiligen gegen die Angriffe Schon'« in Schutz zu nehmen (69—71). Die Orthoderie wird dem Herrn Veesaffer sür seine Apologie wenig Dank wiffra, indem fl« dr» Preis, uw welchen er dir Ehre R. Jehuda« rettet, viel z» hoch finde» wird. Ob durch dir Jusammrnstelluug de« Hrrra Dersaffer« dir Akte» der iu Rede stehende» Frage vollständig gesammelt sei», möchte» wir

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