Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 45 (11.11.1863)
- Date
- 1863-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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829 830 Bewegung zu setzen. Aber selbst diese Mittel wollen hier nicht mehr verfangen, und man bleibt wieder Rosch ha. Kahal. Bei dieser Gelegenheit sperrte man hier auch eine Lynagoge, welche die ״Jungen-Schul" genannt ward, weil sie dem Vereine Tifereth Ha-Dachurim gehörte. Glaubst du aber, lieber Leser, daß da die Mitglieder des Vereines in Kennlniß gesetzt wurden, waS mit dem Synagogenvermögen geschehen, wer eS genommen, wohin eö gekommen? Bewahre, daS machen hier auch einige Personen ab, eben wie eö selbst in den wichtigsten Angelegenheiten in unserer Gemeinde gehet. Wir fragen: mit welchem Rechte liefert man Alles auö, ohne in einer so!nichtigen Angelegenheit eine Generalversammlung zu halten, da überhaupt seit acht Jahren keine solche stattfand? Aber hier in Preßburg läßt man Alles über sich ergehen. Man läßt sich einen Maggid aufdrängen, dessen Rede, wie er selbst sagt, Niemand vcr, steht; man läßt sich Cantoren anstellen, die nicht entsprechen, man läßt eine Synagoge einrichten, die nicht befriedigt, man kauft Häuser, die man nicht zu dem bestimmten Zwecke vcrwendet, man verausgabt צדקה -Gelder ohne Ausweise und doch ist alles zufrieden: man verwendet ein zu einer UnterrichtSanstalt gespendetes StiftungSgebäude zu einer ״Chorschule", fordert Beiträge ab für einen Prediger, der auf ״Gostrollen" kommt u. s. w. 11. s. w und man ist zufrieden, jede Partei in ihrem Lager, während gegenseitig, wenn auch im Stillen, eiu stampf auf Leben und Tod geführt wird, und man sich gegenseitig aufzureiben sucht. Während man hofft, die kleine Partei werde sich verbluten, rechnet man mit Gewißheit ans einen Ausbruch der Unzufriedenheit im Lager der Gemeinde. Beides wäre gleich bedauerlich, denn in keinem Falle ist für unser Gemeindeleben Besseres zu hoffen, obwohl sich der Maggid abmübl, allcS Alte noch älter zn machen, jede Neuerung zu verpönen, während der Prediger in seinem leider nur allzubeschränklen Znhörerkreise für Reform in einem Sinne spricht, die nichts weniger als eine Reform ist, die überall als eine mnsterhafte Ortlwdorie bewundert würde. Während aber der Maggid in der großen Synagoge die ganze Gemeiude als Auditorium hat, fehlen in der Chorschule selbst die Vorkämpfer derselben, dadurch giebt man der Orthodorie gar scharfe Waffen in die Hand. Wir haben also hier eine große Schule und viele Zu- Hörer, obwohl nnbefriedigenden Vortrag; dort deutscher Vortrag ohne Zuhörer: hier keine ״Alten", dort keine ״Nenen": also Halbheiten! und darum rufen wir immer wieder von ״Neuem": Beide Synagogen sollen bestehen! Aber anch hier bestelle man einen Chor und für beide einen P re diger, einen gainrn ^Uan», gründe Institutionen, wie wir sie in unserem frühern Artikel anregten. Käme eS, wenn man überflüffige Diener entließe, unnöthige Ausgaben vermiede, dagegen die Gemeinde durch Vereinigung erstarken ließe, dann noch vor, daß man Lehrern 7—8 Monate lang keinen Gehalt zahlt? Denn seitdem wir unfern Artikel schrieben, haben die Lehrer noch nicht ihren Gehalt empfangen. Noch mehr! vor Nosch-Haschanah bei Gelegenheit der hebräischen Prüfung lieh der ehrw. Nabbiner S. W. Schreiber auS de» SammlungSkassen für Palästina so viel Geld her, um zwei der ärmsten Lehrer bezahlen zu können; aber auch der Herr Oberrabbiner kann diese Summe nicht zurückerhalten, so sehr er auch auf Zahlung dringt. Nun denn, wir erlauben unS nur die eine Frage: Bleibt man einem Maggid, einem Prediger, der Me 14 Tage, oder alle 3 Wochen fungirt, an Emolumenten mehr hat, als der Lehrer Gehalt bezieht, bleibt man dem auch 7 bis 8 Monate lang den Gehalt schuldig, wie dem Lehrer, der sich abmüht und abplagt, wie kein letzter Diener einer Gemeinde? Doch anch hieran trägt der Lehrer Schuld: die Lehrer, die jedem Fortschritte feind sind, jeder Verbesserung hinderlich entgegentreten, daS Wort Reform gar nicht hören wollen. obivohl man heimlich spricht: der Maggid mache auS Preßburg ein Irrenhaus! Dafür macht man ihm De-; suche, heuchelt und schmeichelt ihm und mehr will man nicht, ' höchstens nur noch daS, daß daS Wort Maggid keiner Lippe! entfahre!!! Freilich richten sich die Lehrer nach dem Baale- Battim und daS ist'S, waS unS an Preßburg verzweifeln läßt. Alleist unzufrieden, alles murrt, alles schimpft, aber ' Niemand wagt eS, ein Wort zu reden, am allerwenigsten am maßgebenden Orte. Wir werden in einem zweiten Artikel unS ausführlich über den Zustand unserer Gemeinde ver« nehmen laffen.! ״Ein Gemeittdemitglied.^ Korrespondenz. Ausland. 0. Paris, (Sntc Oflefrtr. Rothschild als Prediger und Borde »er! — Am 2ßru 6hag des vrrgaiizeiieu SilkkolhfestrS, 7. Ol- »oder, wurde eine Synagoge ringcwrihl. und tcr Baron Iame« v. Roth- , schild fungirt« als Prediger und Vordcler bei dieser Feierlichkeit. »Wie ging dies zu?" Ich will es Ihnen erklären. Sie erinnern sich wohl noch, daß Rothschild voriges Jahr!» seinem Schlosse zu FerriüreS den Kaiser empfing. In demselben Schlosse hat er nun am 7. d. M. eine geschmackvoll kiiigerichtele Svnagcge, für welche er eigen« eine Leser Tdcra schreiben ließ, i» eigener Person eingewciht Allerdings hictlen! auch die Geoßrabbinrii Ullmann und Isidor, so wir Herr Albert ' (5 oh n sehr angknieffenr Ausdrachen. Drn licssten (findruck auf dra 1 Kreis der Anwesenden machte jedoch RorbschildS Ansprache, in welcher der Redner r« srincn Kindern nachdrücklich an« Hrrz legte, dem Glauben der Dälrr mit aller Wärme und Innigkeit anzuhängen. und die Haussyuagogr. dir eben ringeweiht wird, str!» als ein HrUigthum de» Herrn z» ballen und zu bewahren. Der Baron zilirle auch Bibelvers, , und zwar in der Ursprache, »iiler andern auch die Wort, אחיך עמך Ml; denn. sagte er, an die Armrn und Noihleitcuden darf der Jude bei keiner Gelegenbeit vergessen, (!e spendete auch sogleich fünfzig tau send Franken für wchlthäligr Zwecke. Welch ein Prediger! DaS Mincha-Gebet trug er selbst als Dorbeler vcr: korrekt, andächtig, mit Würde und Weihe. Die Baronesse und die ganze Familie wohniea der Funktion bei. k?. Augsburg, 5. November. Die österreichische Iudenhei« hat in den letzten Jahre» de» Triumph erlebt. daß da« gebildete Deutschland. wie da« «almudmLchtize Polen, geborene Orficerricher aus ibrr Rabbinaissstze berief. Auch Ihr ungarisches Vaterland ist neuesten« durch einen würdigen Sohn im Auslände rrpräsentirt. Der frühere Komilat-rabbiner in Fünskirchen De. I. H. Hirschfeld, eia geborener Un« gar, wurde im vorigra Jahre von der Hauplstadtgemeinde Augsburg z» ihrem Rabbiner und Prediger rrkorrn, und e« ist hirrbei charakteristisch, daß Dr. Iekliork, dirser durch srinr frühere Stellung in Leipzig mit den Bedürsniffro der deutschen KultuSgrmeiudeu am besten vertrant»