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Ben Chananja · 1863-11-11 · 45 (11.11.1863) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
45 (11.11.1863)
Date
1863-11-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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L 826 einen dreifachen Sinn: den historischen oder buchstäblichen, der dem Leibe; einen moralischen, der der Seele; einen mystischen, der dem Geiste entspricht. OrigeneS fand diese Triplizität deS SchriststnneS in der Schrift selbst angedeutet: cwbv הלא כתבחי לך! (Spr. 22, 20) Dieser hochbegabte Kirchenvater (geb. 185; gest. 254) bekennet unumwunden, daß man, um die Juden mit Hilfe der Schrift zu bekehren, zur mystischen und allegorischen Erklärung der Profeten seine Zuflucht nehmen müsse.") Quäcker und Naturalisten, wie der Engländer Thomas Woolston (gest. 1733) gingen in der Anwendung der allegorischen Methode — auö rationa- Ustischen Motiven — noch weiter als die Kirchenväter; innerhalb gewisser Grenzen fand diese Methode selbst an Kam einen Vcrtbeidiger. '*) Die kabbalistische Allegorissrung historisch,biblischer Stücke kulminirt in den ״Urlönigen." Die tiefsten Mysterien der Geheimlehre werden hier mit einer einfachen, trockenen Königsliste in Verbindung gebracht. Da die betressenden Particen deS Sohar noch niemals von hcrmeneutischem Standpunkte beleuchtet wurden, dürften hier folgende Audcutungen am rechten Orte sein. ES ist daS 36. Kapitel der Genesis, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Auf daS GeschlcchtSregisterEsauS (1 — 19) und SeirS (20—30) läßt dieses Kapitel zwei Herrscherlisten folgen. Die erste Liste zählt acht Edomitische Könige auf: Bela, Jobab, Cluisam, Hadad, Samla, Saul, Baal-Ehanan, Hadar (31—39). Die zweite Liste zählt cilf Fürsten ") von Edom auf: Thimna, Alva, Jetherh, Oholibama, Ela, Pinon, KcnaS, The man, Mibzar, Magdiel, Jram (40—13). Die ältere Haggada hat sich mit diesen Listen gar nicht, die jüngere nur sehr wenig beschäftigt. Der aufmerksame Leser bemerkt in der betreffenden Midraschstcllc eine die römische Kaisergeschichte berührende Notiz die für die historischen Anschauungen der Haggadistcn charakteristisch ist. Da man sich nämlich seit dem Edomiter Herode S, dem von Rom eingesetzten und begünstigten Könige der Juden, gewöhnt hatte, den Namen EdomS auf Nom zu übertragen, so wurden die vorliegenden Listen auch auf die römische Zeitgeschichte bezogen. Als V a l e n t i u i a n II. (376—379) Kaiser wurde, träumte, wie die Sage erzählt, ein Schristgelehrter: Heule ist Magdiel zur Herrschaft gelangt! ,c) Valentinian wurde mit Magdiel, dem vorletzten Fürsten EdomS, parallelisirt, weil TheodosiuS der Große, — welcher Arkadiuö zum Erben deS östlichen und HonoriuS zum Erben deS tvestlichen Reiches ernannte, und solchergestalt eine NeichStheilung bewerkstelligte, — alS der letzte Kaiser der römischen Universakmonarchie erschien. Die Nachkommen EsanS konnten sich früher deS Besitzes von Königen rühmen, als die Nachkommen JakobS! — Diese Thalsache genirte die uationell fühlenden Haggadistea. Sie 826 trösteten flch mit dem Spruche: »Zu schnell envorbeneS Ei» genthum ist am Ende nicht gesegnet." (Spr. 20, 21.) Selbst christliche Ausleger glaubten, die Priorität deS Edomitische» KönigthumeS rechtfertigen zu müssen. Kalvin sagt: »Man darf nicht vergessen, daß die Schlechten schnell hervorragea, aber auch plötzlich fallen; wie daS Stroh der Dächer, dader Wurzel entbehrt, eine vorzeitige Frische hat, in kurzer Zeit jedoch verdorrt!" — Aber lange vor Kalvin, im neun» tcn Jahrhundert, hatte ein jüdischer Kritiker, Jsak Israeli in Keiruwan, eine andere Schwierigkeit in der fragliches Königsliste entdeckt. Die Worte: ״Dies sind die Könige, welche im Lande Edom regierten, ehe denn die Kinder Israel Könige hatten" (1 M. 36, 31) galten ihm als Zeugniß, daß die Liste auS einer Zeit stamme, wo bereit- Könige in Israel herrschten, mithin auS nachmosaischer Zelt l Jsak läßt die Liste in der Zeit deS Königs Josafat entstehen, und Spinoza führt den fraglichen VerS zum Behnfe seiner kritischen Operationen au; 7י) Aden Esra bezieht die Worte: ״ehe denn die Kinder Israel einen König hatten" auf die vormosaische Zeit. Dies thnt auch R. Samuel b. Mel'r, hinzufügeud, daß in Josippon nicht weniger, alS vierzig vordavidische Könige von Edom angeführt werden. Hieraus soll folgen, daß die Zahl von acht vormosaischen Königen EdomS nicht für zu hoch gehalten werden dürfe, wofür sie Jsak Israeli hielt. Den! Kabbalisten schien cs aber überhaupt unbegreiflich, daß gerade die Edomitische Königsliste einen Platz in der Thora finde, während doch so viele Könige auf Thronen saßen, bevor Israel auf den Schauplatz der Geschichte trat und von Monarchen beherrscht wurde. Sie faßten daher den kühnen Entschluß, die Edomitische Herrscherliste zur allegorischen Darstellung theosofischer und koömogouischcr Geheimnisse zu machen! Zwei Abhandlungen in unseren SoharauSgaben, die große und die kleine Jdra, sind der Lösung dieser Auf» gäbe gewidmet. Nach der vielversprechenden Einleitung deS Sohar (III. 128, a) erwartet nun der denkende Leser, daß die Allegorie sich der acht Namen der Königöliste de» mächtigen werde. Diese Erwartung wird aber getäuscht! Den überwiegend größten Theil deS doktrinellen Jdra-JnhaktS, die AiilhropomorsiSmen, bringt der Sohar mit der Liste, von der er auSgeht, nicht in den geringsten Rapport, und von den Namen wird nur der letzte einer Deutung unterzogen (142, a. 292, a.) DaS Wesentliche deö Mysteriums, knsofern dasselbe in die Liste hineingelegt wird, scheint sich dar» auf zu beschränken, daß der gegenwärtigen Ordnung der Dinge im Universum andere Ordnungen vorangegangen sind, die sich nicht behaupten konnten: die dem Untergange an» heimgcsallenen Weltordnungen sind in den Königen EdomS symbolisirt! Die Doktrin selbst findet sich schon im Mi» brasch 8י); der Sohar versucht bloS, dieselbe zu potenzire».

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