Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 45 (11.11.1863)
- Date
- 1863-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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823 824 feen Augen der Kabbalisten als einen HeroS ihrer Wissen« schaft glänzen zu lassen. Noch mehr bestärkt wurden sie in feer kabbalistischen Verherrlichung desselben durch die bekannte und vielgefeeutete talmufeische Sage, nach welcher eS R. Akiba gegönnt war, daS Paradies zu schauen, ohne, wie Andere, am Leibe oder an der Seele Schaden zu nehmen, skhag. 14, b.) So tief infee« auch die Ehrerbietung war, mit welcher die Nachwelt zu R. Akiba hinausschaute, konnte feie allegorische SchristauSlegung in der talinndischen Zeit feennoch keine weiten Dimensionen annehmen, da das Stu« feium t׳r Halacha feie freie Zeit der Gelehrten absorbirte. Doch haben selbst hervorragende Lehrer, wie R. Simon b. Lakisch, auch der mit so vieler Pietät behandelten Schö« vsungsgeschichke theilweise eine auf die politische Geschichte bezügliche allegorische Deutung gegeben: ״Die Erde war ipirr — durch feie Herrschaft der Chaldäer. Sie war wüste — durch die Herrschaft der MedoPerser. Und eS war Fiußerniß — durch die Griechen, die daS Auge Israels trübten, um eS von seinem Gotte abtrünnig zu machcn. Auf dem Ab gründe — das sind die bösen Römer- Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern — daS ist der gesalbte König (feer Messias)!" (Ber. r. 1.) Die eigentlichen Haggadisten verschmähten die Allegorie am allerwenigsten; vielmehr dehnten sie die Anwendung derselben sogar auf die geograsischen Namen der Bibel ans. a) Die nachtalmudische Zeit zeigt, wie in anderen Stücken, so auch hier, eine wesentliche Divergenz zwischen der germanosränkischen und arabisch-spanischen Schule. Jene nahm bei Erklärung der Bibel, wie bei der deS Talmuds, den naiven Standpunkt der Gläubigkeit ein. Sie reproduzirte hie und da die im Talmud und in den Midraschim niederge« legten allegorischen Deutungen; erlaubte sich am Hohenliede auch die eigene Kraft deS AllegorisirenS zu versuchen: weiter zu gehen, kam ihr nicht in den Sinn. DaS überkommene Schriftthum befriedigte sie vollkommen, und sie fühlte nicht daS Bedürfniß, erst fremde, erborgte Schätze hineinzulegen, um eS nach Gebühr schätzen zu können. Anders die arabisch-׳ spanische Schule. Sie besaß zu viel spekulative und zu wenig historische Bildung, um an dem grammatisch-historisch erklär« ten lilerärischen Vermächtniß der Väter ein Genüge zu sin« den. Sie schlug dieselbe Bahn ein, die einst die alerandrinischen Eregeten eingeschlagen hatten! In der Mitte deS zwölften Jahrhunderts polemisirt Abraham Aden Esra gegen die Ausschreitungen der Allegoriker, waS ihn jedoch nicht verhindert, einen esoretischen Sinn in der Bibel anzuerkennen, und daS Hohelied allegorisch zu erklären. ") Im drei« zehnten Jahrhunderte waren die Proven^alischen Juden ent« zückt, wenn ihnen von den Kanzeln herab in salbungsvollem Tone verkündet wurde: Abraham und Sara versinnlichen bloS die Begriffe von Stoff und Form. Die zwölf Söhne Jakobs sind die zwölf Planeten. Amalek ist die böse Begierde, (mit Philo übereinstimmend.) Lot ist die Vernunft, sei» Weib stellt die Materie dar! ד) Aehnlichen Unsinn, auf ein« zelne Talmudsprüche angewenbet, hört man auch in unfern Tagen, ja eS werd derlei Abgeschmacktheiten sogar durch die Presse verbreitet. Drthodorie schleuderte ihre Baun« strahlen degen die Allegor,ker in der Provence, ohne jedoch die eregetische Methode derselben mit Erfolg bekämpfen zu können. Dies hätte sie nur dann vermocht, wenn sie selbst sich zur grammatisch-historischeu Schriftauölegung be« kannt, und der Willkürlichkeit der Schriftdeutung die Einsinnigkeit deS Bibelwortes entgegengesetzt hätte. Dies konnte sie aber nicht, ohne mit beih Talmud in Konflikt zu ge« rathen. Dagegen konnten sich die Allegoriker darauf berufen, daß der Talmud nicht nur von der Vielsinnigkeit des Schrift« Wortes, sondern auch von Geheimnissen der Thora spricht. ^) Die Allegorisirnng selbst geschichtlicher biblischer Personen wurde so beliebt, daß man bis auf die neueste Zeit einen Brief dem MaimonideS zuschrieb, in welchem Pharao als die böse Begierde figurirt! Die Kabbalisten haben mithin den EsoteriSm und die allegorische Schriftdeutung ebenso wenig ersonnen , alö sic den mystischen Rapport zwischen dem Himmel und der Erde ersonnen haben. Vielmehr ist eS nur eine natürliche nnd konsequente Entwicklung der gegebenen Elemente, wenn feer Sohar lehrt: ״Selbst eines irdischen Herrscherist eö nicht würdig, idiotisch- Geschichten zu erzählen.' Wären dem Weltenherrn nicht heiligere Dinge zu Gebote gestanden, um aus denselben eine Thora zusammenzusetzen, so daß er zu den idiotischen Geschichten von Esau, Hagar, Laban, Bileam, Balak und Simri seine Zuflucht nehmen mußte, um denselben den Stoff zur Thora zu entnehmen; dann hätte ja die Thora nicht die Verherrlichung deö Psalmisten verdient. (Ps. 19, 8—11.) Eö ist mithin klar, daß den Wor« ten der Thora außer ihrem Literalsinne noch ein höherer Sinn innewohnt." ״) Ganz ans der Seele der Provenzalen Freigeister sind die Worte deö Sohar gesprochen: ״Wehe dem, der behauptet, die Thora wolle bloS Erzählungen und idiotische Geschichten vortragen! Wäre dem also, so könnten auch wir eine Thora komponiren. Ja, die weltlichen Geschichten wären noch lehrreicher, als die der Thora, und wir könnten sie zum Stoffe einer Thora benützen. Dem ist aber nicht also. Vielmehr sind eö höhere Wahrheiten, die sich in daS Gewand der Erzählungen der Thora hüllten, wie die Engel deö Himmels sich in einen Leib hüllen, wenn sie auf Erden erscheinen. Deö Thoren Auge nimmt nur die Hülle, das Gewand der Thora wahr; deS Weisen Blick dringt in daS innerste Wesen ein." *°) Den Literalsinn der Schrift hatte auch Oeigenes mit dem Leibe parallisirt, indem er lehrte: ״Wie feer Mensch (nach Plato) aus drei Theilen, Leib, Seele und Geist besteht, so hat auch die heilige Schrift