Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 45 (11.11.1863)
- Date
- 1863-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 45, özegedin, Den tt. Jfooemfier!863. Sender Jahrgang. 3rb(ü Mittwoch erschrint eil PrSnumrrallontprrU: Ganzjährig 7 fl., balbj. 3 fl. 50 fr., virrlelj. 2 fl. 6(1. W. Man abonnirt bei all!» Post» ämtern u. Buchhandluogru dr« Zn- und AuSlandr«. LN Mnnnmn. Wocfjcnöfnff für HcrauSs ';V BL, JE ÄS BJ° \ 1/'' Cbrrrabl.״^. '^sche Efjcofojjte. '*fV akteur: '^^öw. Zosrrie find and. Redaktion 1» Szegedi! odrr an Hrn. /ranz U7agaer 11 Inntgiufritbrn. Dir 2spaltig» Peiiizrilr wird mit 10 Nkr. — 2 Sgr. berechnet. Briafcli«■: 3 Kronen.Gaffe, Politzer'sche« £ * •RjfcKlfa״ ־3 ־r<• Serif. Dow Heran^eber. - Dir Zustände in Preßburg. - Zrorrefponde»,. *״IM». ^rfh9״ Unb 2׳6'0י‘"^ kua-burq (Jekl.nrk und HlrsLseld.) Münchrn (Hirschseld ״״d scinr palrio.ische Predigt.) Belgrad (•IDiflftir eine« ,erblichen Nallchatuik'«.) Inland. Wien (Di. Preßdurg.r und Jrllinek.) r.m.-star (Adreffe an Mannheimer.) Pest (Sol Nid«. 3utfn in Len Kommiss,rnru ter akademischen Jugend.) Prcßburg (Da,an ul,d Maggid. PalästinrnS Berge.) Prag (die Reform Partei.) Brünn (L-tudentei,verein.) Gr. Kauijsa (Schul,.) Janfovücz (Schule) ׳Bafonv (B.ßprimcr Zustände.) Debreczin (Brrein.) Stern'« *JJeife nach Parma.- Inserate, Konkurse. Die ncucHc Hslhishle Der Jfaööafa. Dritter Artikel. (Fortsetzung). DaS Buch, über dessen Auslegung die Freunde und Gegner der allegorischen SchriftauSlegung in Streit geriethen, ist — daö Hohelied. Direkt erzählen zwar die Quellen nichts von diesem Streite; eS ist aber nicht schwer, den indirekten Berich! zn entdecken. Man muß sich zu diesem Behnse erinnern, daß im letzten Jahrhundert der zweiten Tempelperiode, — ungefähr nm dieselbe Zeit, als die ganzliche Abschließung dcS BibelkanonS zn Stande kam — die heiligen Schriften als rituell verunreinigend erklär! wurden. Diese befremdliche Norm, gegen welche die Sadduzäer Op- Position machten, wird aus eine doppelte Weise molivirt: entweder sollte dadurch der Prosanation, oder der vorzeitiligen Verwesung der heiligen Handschristen vorgcbeugt wer« den. Bevor nämlich die Norm ausgestellt war, pflegte mail heilige Schriften zu geweihten Vikinalien zn legen, wodurch auch erstere häuflg den Mäusen preisgegeben wurden. Die Frage, ob ein Buch rituell veruilreinige, ist daher gleichbedeutend mit der Frage, ob eS kanonisch sei. In Betreff des Hohenliedes, worüber diese Frage ventilirt wurde, involvirt dieselbe auch die Frage, ob daS Buch allegorische Bedeutung habe. Denn mit der Negirung deS kanonischen AnsehenS und der Zurücksührung des DucheS ans rein menschlicheu Ursprung, wird natürlich auch die Zulässigkeit der Allegorie negirt, und der Lileralsinu in sein ausschließliches Recht eingesetzt. Seit R. Akiba b. Josef wurde jedoch, wie die Kanonizität, so auch der allegorische Sinn des HohenliedeS allgemein anerkannt. ') Daß die christlichen Schüftauöleger deS ersten Jahrhunderts daS Hohelied ebenfalls allegorisch deuteten, beweist die eine» VerS desselben belrefsende Kontroverse zwischen R. Akiba und PapiaS, dem Bischöfe von HierapoliS in Frpgien. Beide, N. Akiba und Pa- 1 piaS, fassen Hoheöl. 1, 9. als göttliche Ansprache auf. Der! Bischof übersetzte: ״Wie ich mich freute ob deS Unterganges 1 der Wagen Pharao'S." *) Der Rabbi wendete ihm ein, daß; hier nicht von Freude (ששתי) , sondern von einer Stute! (פסחי) dir Rede sei, und deutete den Vers auf eine andere j allegorische Weise.') j N. Akiba beschränkt sich nicht darauf, daS Hohelied; aus der Quelle der Inspiration fließen zu lassen, und dem» 1 selben allegorischen Sinn zuzusprcchen; er preist dasselbe auf eine überschwengliche Weise, und erhebt eS über alle übrigen | poetischen Erzeugnisse der biblischen Zeit. Ihn muß also die ן allegorische Darstellung ganz besonders angezogen haben. Möglich, daß ihn seine Reisen mit Allegorikern zusammen« führten, und daß der Umgang mit denselben maßgebend auf ihn wirkte: die Vorliebe für allegorische Deutung war im zweiten Jahrhundert unter heidnischen, christlichen und Helle« nistisch-jüdischen Denkern weit verbreitet. Gewiß ist, daß die erweislich älteste Allegorie, welche die tal« inudische Literatur enthält, von Akiba herrührt. Dieselbe lautet: ״Alles wird auf Bürgschaft gegeben, und ein Netz ist über alle Lebenden auSgebreitet. Der Laden ist ge« öffnet, und der Kaufmann kreditirt, und daS Buch ist auf« geschlagen, und die Hand schreibt. Wer borgen will, kommt und borgt; aber die Kassirer gehen an jedem Tage beständig umher, und machen sich von dem Menschen bezahlt mit deffeu Wissen und ohne sein Wissen. Sie haben, worauf sie sich stü« tzen, und daö Urtheil ist ein wahrhaftiges Urtheil, und Alleist zum Mahle bereit." (Abotb 3, 16) Die letzten Worte wurden in der Folge in eschatologischem Sinne auSgebildet. *) Als allegorisch mag auch der kurze Spruch R. Tryfon'S, eines Zeitgenossen R. Akiba'S, gelten: ״Der Tag ist kurz, die Arbeit viel, der Arbeiter träge, der Lohu groß und der Arbeiter drängt." (Das. 2, 15.) Dir ausgesprochene Vorliebe R. Akiba'S für dir Alle« gorie wäre allein schon hinreichend gewesen, denselben in