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Ben Chananja · 1863-11-04 · 44 (4.11.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
44 (4.11.1863)
Date
1863-11-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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J 811 scheu schied auch der Lehrer deS ungarischen Faches, Herr Nozsäsi, aus der Schule, und sein Fach übernahm der 5^lassenlchrer Herr Jgn. Großmann gegen eine entsprechende Nemuneration. Erst im Jahre 1857 sollte für die Anstalt eine neue glückliche Aera beginnen. Bekanntlich wurde in diesem Jahre die hier bestehende Musterhauptschule inS Leben gerufen. ES lag nun im Sinne der hohen Regierung, mit dieser Anstalt auch eine zweiklaffige Mädchenschule zu verbinden. Den Demübungen deS damaligen Vorstandes, inöbesonderS aber dem rastlosen Eifer deö SchulrnaufsrherS Dr. I. Hauser gelang eö, eine Fusion zu Stande zu bringen, der zufolge die inS Leben zu rufenden zwei Klassen an die bereits bestehenden angeschlossen und so die Vervollständigung der Anstalt zu einer komplet vierklassigen erzielt werden sollte. Die so kompletirte Mädchenschule sollte ebenfalls als Mustcrschule unter dem Namen Elisabethschule ihre Wirksamkeit fortsetzen. Allein eö bedurfte erst eincö ganzen StoßeS von Aktenstücken, damit anS der ganzen Angelegenheit eine — Fehlgeburt werbe. Die nnS vorliegende» Stattbalterei-Neskripte zeigen, daß die hohe Regierung für die Erweiterung der Mädchenschule nur. dann war, falls sich die Gemeinde entschlossen hätte, eine Trennung der Mädchcnschnle von der Normalschule vorzunehmeu. Die Schule mußte auch hier das Aschenbrödel sein und sich mit hingeworsencn Knochen begnügen. Anstatt der Elisabeth-Musterschnle wurde daö Bruchstück Mädchenschule zu ׳ einem großen Bruche erweitert. Denn mittelst Statthalterei-ErlasseS ddo. 13. November, Z. 35,32-1, wurde mit der bestehenden zweiklassigen Mädchenschule eine dritte verbunten, für welche die damalige Statthalterei den Haupt- >chu!lchrer Heinrich Reiß ans NikolSburg mit dem jährlichen . Gehalte von 680 fl. auö dem israelitischen Schulfondc er-! nannte. Die Lokalitäten, welche früher kaum für zwei Klaffen hinreichtcn, sollte nun auch für die neue dritte Klasse genü- 1 gen. Doch daö Flickwerk von Mädchenschule blieb eben ein! Flickwcrk und war ebenso wenig im Stande, sich die Sym-! pathie der jüdischen Bevölkerung zu erwerben, wie ehedem. > Die uns vorliegenden Kataloge beweisen uns, daß die Summe j tcr gesummten Schülerinnen die Zahl 120 nicht überstiegen, j Die hohe Statthalterei unterließ cS nicht, ihr Mißfallen I über den schwachen Schulbesuch, sowie über das Vereintsein > der beiden Schulen der hiesigen Gemeinde auszudrücken, und erst als dieselbe ernstlich die Trennung der Mädchenschule s von der Knabenanstalt anbefahl, ging letztere am 26. Ok׳ tober 1857 auch wirklich vor sich. Die Gemeinde miethete zu diesem Zwecke in der Tabakgasse ein Lokal von drei geräumigen Zimmern, stattete dieselben mit neuen Schulbänken und den sonstigen nothwendigsten Requisiten auö, und übertrug die Leitung der Anstalt, welche bisher unter der Direktion der Knabenhauptschule gestanden war, dem Klassenlehrer Herrn Ignaz Großmann. Die wohlthätigcu Folgen dieser Treuuung blieben nicht auS. Der Andrang zur Schule war ein so großer, daß schon ein Jahr später der Vorstand sich bewogen sah, auf Antrag deS SchnlenausseherS Herrn Dr. Hauser eine Mäbchen-Vorbereituugöklassc inS Leben zu rusen, welche gegenwärtig mehr als 160 Zöglinge zählt. Leider mußte diese Vorbereitungöklasse bis jetzt auS Mangel an Raum in der Knabenhauptschule untergebracht werden, wo sie sich noch gegenwärtig brsindet. Mit raschen, jedoch siche- 812 reu Schritten eilte die Anstalt unter der Leitung ihrer berufStrenen Lehrer und Lehrerinnen ihrem Ziele entgegen, und schon im Jahre 1860, als Schreiber dieses an die Stelle deS Herrn Reiß in die Mädchenschule versetzt wurde, zählte sie 260 Zöglinge, von denen zwei Drittel zahlende nnd nur ein Drittel gratis waren, waS allenfalls im Derbältnifle zu der geringen Anzahl in früheren Jahrgängen eine respektable Frequenz bekundete. Die eigentliche Blüthezeit der Anstalt begann jedoch erst im Jahre 1862, durch die im Schoße deS Vorstandes ins Leben gerufene Schulsektion, zu deren Mitgliedern die iutelligentesten Männer PestS gehörten. Mit einer innigen Liebe und seltener Aufopferung widmeten diese gewiß den sämmtlichen Lehrkörpern d. PesterGemeinde unvergeßlichen Männer jede ihrer freien Stunden derSchnle. Undwie waren sie nach allen Kräften hin bemüht, die moralische und materielle Stellung der Lehrer zu heben und zu verbessern! Datirt sich ja von jener Zeit nicht nur die Aufbesserung sämmtlicher Lehrergehalte, sondern selbst die jetzt vor sich gehende Lokal« erweiterung der hiesigen Mädchenschule. ES ist hier nicht der Ort, mich über daS segensreiche Wirken jener Männer näher einzulassen, aber die Zukunft dürfte einst darüber den besten Aufschluß geben. Im Jahre 1862 erfolgte der Austritt deö an der Schule seit 10 Jahren wirkenden Klassen- und Oberlehrers Ignaz Großmann, der so manches für daS Aufblühen der Anstalt geleistet. An seine Stelle folgte der hierorts rühmlichst bekannte Lehrer Josef Nozsäsi zum Klassenlehrer und dem Schreiber dieses wurde die geschäftliche Leitung der Anstalt übertragen. Schon im Jahre 1861 stellte sich die Nothwendigkeit einer Erweiterung der Schule heraus, da viele Eltern ihre Kinder, trotzdem diese mit dem besten Erfolge wiederholend die dritte Klasse durchgemacht hatten, durchaus der Schule nicht entziehen wollten. ES bildete sich also die Schule stillschweigend zu einer vierklassigen heran, entbehrt jedoch als solche bis heutigen TageS die gesetzliche Sanktion. Die biö heute Gunter dem Namen dritte Klasse obere Abtheilung bestehende Klasse zählt nahe an 40 größtentheilS dem Erziehungöfache sich widmende arme Mädchen. Wie wir hören, wird der hiesige Vorstand um die Sanktion, so wie um die Anstellung deS im Jahre 1857 von der hohen Regierung zugesagten Lehrers, petitioniren. Im letztverflossenen Schuljahre wurde auf Anregen Schreiber dieses ein allsabbathlicher Gottesdienst inS Leben gerufen, welcher nicht nur pünktlich von der schulbesuchendeu Jugend, sondern von vielen bereits längst die Anstalt nicht mehr besuchenden Schülerinnen und von vielen Müttern besucht wird. Die Eröffnung desselben geschah im Beisein der abgetretenen Schulsektion nnd der beiden AuSschuß-Damen Frau Josefine GanS und Amalia Diamant, sowie in Anwesenheit deS Lehrkörperö der Normalhauptschule und zahlreicher Gaste, durch eine passende Ansprache deS Vorstehers Herrn Dr. Hanser. Außerdem hielt auch daS gewesene SchulsektionSmitglied Herr R. Fuchs Erhörten an Sabbathtagen, die aber zum Bedauern deS Lehrkörpers und zum Nachtheile der Schuljugend unterbleiben mußten. Ebenso wurde im letztverfloffenen Schuljahre vom Schreiber dieseeine Ingen dbibliothek inS Leben gerufen, zu welcher die löbl. Gemeinde Pest auf Anregen deö Herrn Dr. Hauser 20 fl. beigrsteuert und die gegenwärtig nahe an 200 Bändchen zählt.

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