Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 44 (4.11.1863)
- Date
- 1863-11-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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807 stischen Zahl 49 zeigen. Don einem hochbegabkea Schüler R. Me'ttS, SymachoS, wird im Talmud erzählt, daß für seinen dialektischen Scharfsinn die Aufgabe nicht zu schwer war, bei jeder r-ligionSgesetzlichen Frage These und Anti« these mit je 48 Gründen zu vertheidigen. Ein Midrasch schreibt solchen Scharfsinn einem Schüler' R. Aliba'S zu, und setzt 49 statt 48 Gründe, so daß der gepriesene Dialcktiker in dieser Hinsicht selbst dem Mose nicht nachstand (Midr. Tehill. 12, Jlk. das. Erub. 13, d). DieS der Ursprung der kabbalistischen Vielsinnigkeit der Schrift. Man braucht aber mit der Methode deS Talmuds nur einigermaßen vertraut zu sein, um cinzusehen, daß eS hier, wie öfters, mit den Zahlen nicht genau zu nehmen ist. Die runde Zahl deS bezüglichen PsalmverseS rief die runde Zahl deS Talmuds hervor: Dieö daS ganze Mysterium! Die 49 Buchstaben deS Schema-AnfangeS sind eine rein arithmetische Entdeckung; von einer symbolischen Beziehung kann hier natürlich nicht die Rede sein.') Mit der Marime, daß die Schrift ihre Worte in mehr alö Einem Sinne aufgcfaßt wissen will, hängt die allegorische Schristerklärung zusammen, wiewohl cS zuweilen den Anschein hat, daß der Allegoriker den Literalsinn gänzlich negirt, und nur den allegorischen Sinn gelten läßt, wie dieö z. B. bei den ältesten jüdischen und christlichen Auslegungen deS Hohenliedes der Fall ist. Heer wurde der buchstäbliche Sinn, alö der Bibel gänzlich unwürdig, abgewiesen, und nur der allegorische Sinn scstgchaltcn. DaS Geburtsland der Allegorie ist Alerandricn; in der Sprache deS Talmuds giebt rS für Allegorie gar keine Bezeichnung: Mascha! (בלשל) heißt Gleichniß, Fabel, Parabel, nicht Allegorie. Doch wurde die allegorische Schriftdeutung auS Alerandrien nach Palästina verpflanzt, wie man nach Dr. Frankel halachische Elemente von Palästina nach Alerandrien verpflanzte. Wie sich aber in Alerandrien die Halacha nicht zu akklimatisiren vermochte, so blieb in Palästina die Allegorie eine erotische Pflanze. Die in Griechenland und Kleinasien zerstreuten Juden, denen die griechische Sprache Muttersprache war, standen unter dem Einfllusse deS hellenistischen Geistes, wenn sie auch ihre Gaden nach Jerusalem sandten. Jerusalem war nur ihre nationale, Alerandrien hingegen ihre religiöse Metropole. Nicht der nüchterne Hillel, sondern der poetische, aber auch fantaliische Philo war ihr Muster und Vorbild. Dem in TarsuS ln Zilizien gebornen Apostel Paulus war nicht nur die griechische Sprache, sondern auch der Ausdruck Allegorie geläufig. Er sagt seinen Galatern in vollem Ernste, daß der Sohn Hagars daS alte, und Jsak das neue Testament allegorisch darstelle (Gal. 4, 22— 28). Die Worte der Genesis: ״Darum verläßt ein Mann seinen Vater und seine Mutter, und hangt an seinem Weibe, und sie werden Ein Fleisch- (2, 24) bezeichnet er als eiu großes Mysterium, 808 und dentet dasselbe auf Christus und die Kirche. Die Allegorie an dke Galater war zunächst wohl auf die Heideuchristea berechnet; sie mochte aber auch den dortigen hellenischen Zu« denchristea plausibel erschienen sein. In den Ohren der nicht entuationalisirten Inden Palästina'- und DabilonieuS hätte die Allegorie von JSmael und Jsak, sowie die vou Manu und Weib seltsam geklungen; erstere hätte auch daS Nationalgesühl derselben verletzt. Bei seinen alleg. Deutungen folgte Paulus seinem eregetischen Gewissen. Von der bei christlichen Theologen so sehr beliebten Akkomodation an die Schriftauslegung der Juden kann bei Paulus schon deshalb nicht die Rede sei, da er ja ganz vorzüglich auf Heiden wirken wollte. Auch hat er in der Schule seines Lehrers Gam aliel das Allegorisiren biblischer Erzählungen ganz gewiß nicht gelernt. Eine solche Allegorisirung war den Palästinensischen Schulen zur Zeit Pauli gänzlich fremd. In der ganzen Mischna kommen nicht mehr als zwei allegorische Erklärungen historisch-biblischer Stücke vor, und beide sind alcrandrinischen Ursprungs. Die erste Erklärung betrifft den Sieg Israels über Amalek, wenn Mose die Hände erhob, und den Sieg Amalck über Israel, wenn Mose die Hände sinken ließ (2 M. 17, 11). Die mischnischen Worte lauten: ״Konnten denn die Hände Moscö die Schlacht erfolgreich machen, oder die Schlacht stören? Die Schrift will nur sagen: So lange die Israeliten nach oben blickten und ihr Her; ihrem Vater im Himmel unterwarfen, siegten sie; wo nicht, mußten sie unterliegen." Die zweite Erklärung betrifft die Schlange von Erz, durch deren Anblick die Verwundeten geheilt wurden (4 M. 25, 8). Die Erklärung lautete: ״Konnte etwa die Schlange tödten oder beleben? Die Schrift will nur sagen: Wenn die Israeliten ihren Blick nach oben richteten^ und ihr Herz ihrem Vater im Himmel unterwarfen, wurden sie geheilt; wo nicht, schwanden sie dahin." (R. Ha-Schana 3, 8.) Waö nun die letztere Deutung betrifft, so steht dieselbe in dem alcrandrinischen Buche der Weisheit: ״Auch damals, als die schreckliche Wuth der wilden Thiere sie anfiel, und sie von den Bissen gefährlicher Schlangen vergiftet wurden, dauerte dein Zorn nicht immer fort. Sondern sie wurden nur zur Belehrung für eine kurze Zeit beunruhigt, und erhielten ein Zeichen der Rettung, auf daß sie sich an daS Gebot deines Gesetzes erinnerten. Denn der, welcher seinen Blick dahin richtete, wurde nicht durch daS, was er anschaute, gerettet, sondern.durch dich, den Retter Aller (16, 5—7)." Die Priorität dieser Deutung wird auch dann dem Buche der Weisheit zuerkannt werden müssen, wenn man dasselbe mit Grätz unter Kaligula entstehen 'äßt: in Alerandrien war der Boden, welcher daS Gedeihen solcher Deutunge״ egünstigte. Für