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Ben Chananja · 1863-10-28 · 43 (28.10.1863) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
43 (28.10.1863)
Date
1863-10-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-so V L- 789 feilschen wie der nichtprofetischen Emanation derselben verschieden- Grade (das. 2, 36. 37). In seinen ״Abschnitten über die Glückseligkeit" sagt er sogar, daß der in tiefe Andacht Versenkte der Sinnenwelt entrückt sei, und vermittelst der Phantasie Künftiges, wie Vergangenes überschane (Abschn. 1). Diese Znsamnienstcllung, die auf Vollständigkeit durch » auS keinen Anspruch macht, dürfte wohl hinreichen, darzuthun, daß daS Lebensprinzip der Mystik, der fortlaufende Verkehr mit der höhern Welt und der Glaube an deren Mittheilnngcn und Enthüllungen, kein Attribut der Kabbala, soudern^bci Philo, Josefuö, dem Talmud, den Rabbinen und Filososen deö MitteltalterS ebcnsoeinhciinisch ist, wie bei den Kabbatisten, wie denn dieses Prinzip auch im Christenthume und im Islam Wurzel geschlagen hat. Mit Unrecht sagt daher Zunz, daß erst im letzten Viertel deö 12. Jahrhunderts ein der eigenen unmittelbaren Inspiration sich hingcbender Mystizismus genährt wurde (G. V. 402). Sehr erregbare, zur Eraltation geneigte Gemüther begnügen sich niemals damit, die Offenbarung auf eine gewisse GeschichtSperiode zu beschränken. Ihnen ist der Umgang mit der^ höhern Welt inneres HerzenSbedürfniß; sie warten auch niemals vergebens aus die gewünschte Erleuchtung von oben. Wer die Mosaide von Hartwig Wessein mit Aufmerksamkeit gelesen hat, weiß, daß eS mindestens einzelne Zeitpunkte gab, wo sich Wessely für inspirirt hielt. Die Quelle in der menschlichen Seele, auS welcher die Mystik fließt, haben also nicht die Kabbalisten entdeckt; sie schöpften bloS fleißiger daraus, als Andere vor ihnen geschöpft hatten. — Was hat nun die Geschichte über die spezifischen L e hren der Kabbala zu berichten? Wir gestatten uns, hierüber folgende Andeutungen zu geben. In vorderster Reihe steht hier die Doktrin, nach welcher in den Worten der h. Schrift außer dem einfachen und natürlicheu Literalsinne noch ein tieferer, geheimer Sinn verborgen liegt: eine Doktrin, welche dem höhern biblischen Altertbllme, der Zeit, wo die hebräische Vüchcrsprache zugleich die lebende Nationalsprache Israels war, gänzlich fremd sein mußte. Andererseits findet sich aber schon in einem Psalm die Bitte: ״Enthülle meine Augen, daß ich schaue Wunder auö deiner Lehre (119, 18)!" Statt ״Wunder" haben manche Uebcrsetzer, wie De Wette: ״Geheimnisse," eine Uebersctzung, die sich etymologisch rechtfertigen läßt. «) Inhaltlich deutet dieses Gebet jedenfalls hin, daß in den Worten der Thora auch ein geheimer Sinn liege. Wenn eS nun auch gewagt wäre, mit Hitzig den HaSmonäer Jonathan, MattathiaS fünften Sohn, der nach JudaS Tod den Oberbefehl über die Nationalarmee übernahm, für den Verfasser deS 119. Psalms ■i\1 halten; so wird doch kaum in Abrede gestellt werden können, daß der Psalm auS der griechischen Periode stamme. In dieser Periode wurde also bereitsein verborgener Sinn der Thora gesucht und gefunden. Ans den tiefem Schriftsinn wurden auch folgende Ä-tte Cirach'S bezogen; ״Der erste Mensch hat sie (die Thora) nicht vollkommen erkannt, und auch der letzte wird sie nicht vollkommen ergründen. Denn ihre Gedanken sind tiefer als daS Meer, und ihre Rathschläge unergründlicher, alS der Abgrund (24, 26. 27)." Bekannt ist die Warnung SirachS: ״Trachte nicht nach Dingen, die dir zu schwer sind, und forsche nicht nach dem, waSüberdeiue Kräfte geht; was dir anfgetragen ist, darauf richte deine Sinne, denn eS frommt dir nicht, daö Verborgene zu erspähen (3, 20, 21)." Wie kam die jüdische Forschung und Schriftauslegung auf die esoterische Dahn? — Mit dem alten CampegiuS Vitringa reden Viele noch heute von dem babilonischcn Erile und dessen Folgen. Dadurch wird aber nichts erklärt! DaS babylonische Eril bildet allerdings einen Wendepunkt auch in der ReligionSgeschichte Israels. Aber die literärischen Erzeugnisse, welche erwiesenermaßen anö den ersten nacherilischcn Jahrhunderten stammen, beweisen znr Genüge, daß die in Rede stehende rregetische Richtung zu jener Zeit noch nicht eingcschlagen wurde. Die allegorische Deutung einegegebenen SchriftterteS war bei den Griechen viel früher einheimisch, als beidenJuden; während oer Ptolemäischen und Seleuzidischen Zeit wurd e sie, wie vieles Andere, von erstcren zu letzteren verpflanzt. Wie man iin HcbraiSmuS keine befriedigenden Anhaltspunkte für die Skepsis deS KoheletbucheS findet, selbst wenn man daö babylonische Eril und den ParsiömuS mit in den Kreis der Betrachtung zieht; ebensowenig sind in der voralerandrinischen Zeit die Fäden zu finden, als deren Fortsetzung die künstliche, besonders allegorische Schriftauölegung angesehen werden könnte. Mit dem Eindringen der griechischen Anschauungen wurde die allegorische Schriftanölegung Bedürfniß, weil man sich nicht mit dem Gedanken befreunden konnte, daß die neugewonnenen Erkenntnisse nicht auch in den altezi NeligionSurknnden enthalten wären. Zur künstlichen, allegorischen Deutung dieser Urkunden ließ man sich aber um so leichter herbei, als die Griechen hierin mit ihrem Beispiele vorangegangen waren. Griechische Geschichtschreiber und Filosofen hatten die Umdeutung ihrer nationalen Mythen und Sagen, sowie ihrer nationalen Dichter, lang geübt, bevor in Folge deS Zuges AleranderS deS Großen der Occkdent mit dem Oriente in Berührung gekommen war. HierauS erklärt sich das Verhältniß der esoterischen Schriftdentuug zu den drei großen Gruppen der jüdischen Bevölkerung deS AlterthumS: der babylonischen, palästinensischeu und aleräudrtnischen. Den älteren babykonlschen Schulen, denen der hellenische Geist fremd war, war diese Eregese ebenfalls fremd. Einheimischer war sie ln Palästiua, insonderheit im Kreise der Essener, die zpmeist ale--

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