Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 43 (28.10.1863)
- Date
- 1863-10-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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787 788 ich nicht von Gott an Dich gesandt, so hätte ich wohl erwogen, was daS jüdische Gesetz verlangt, und wie Heerführer sterben müssen. Du willst mich zu Nero senden? Wie? Werden denn ReroS Nachfolger so lange auf dem Throne bleiben? Du Vcöpasian wirst Cäsar und dein Sohn TltuS auch." JosefuS fügt hinzu, daß ihm DeSpasian Glauben schenkte, nachdem er sich früher von der Erfüllung einer an« dem Weissagung, die ebenfalls von JosefuS auSgegangen war, überzeugt hatte (j. Kr. III. 8, 9). Ob JosefuS von seiner Profetischen Begabtheit überzeugt gewesen sei, ist aller« dingS fraglich; gewiß ist aber, baß er den Glauben an eine höhere Quelle der Wahrsagerei bei seinen Lesern vorauözu« setzen berechtiget war. Erhaben über jeden Verdacht der Prahlerei und Eharlatanerie ist dagegen Philo, der edle, gottbegeisterte Weise. Dieser schickt seiner zweiten allegori« scheu Deutung der Cherubim und deö flammenden SchwerteS, — nach welchem die beiden Cherubim die Güte und Macht GotteS, daö flammende Schwert hingegen den Logos oder die Vernunft symbolisch darstellen, — die Bemerkung voraus, daß er diese Deutung seiner Seele verdanke, welche zuweilen von Gott ergriffen werde, und sich selbst unbewußt Orakel anSspreche (De Ober. 112. d. eck. Franks.): eine Be« schreibung, welche zu dem talmudischen סיד ה׳ ליראיו eine passende Parallele bietet. Auf geschichtlichem Standpunkte wird auch manche neutestamentliche Stelle hicher zu ziehen sein. Wir erinnern bloS an die Bekehrung dcS Panlnö, bei deren Darstellung Neander sagt: ״Wir kennen daS Gesetz nicht, nach welchem Mittheilungen einer hohem Gcisterwelt , an die in der Sinnenwclt lebenden Menschen stattfindcn, um! darüber etwas bestimmen zu können (Gesch. d. Pslan. 1, 119)." Diese ״inneren Mittheilungen einer hohem Geister- Welt an die in der Sinnenwclt lebenden Menschen" sind aber daS Lebcnöprinzip des Mystizismus. Für die Fortdauer der mystischen Grundanschauung in der nachtalmudischen Zeit haben wir bereits daS Zeugniß des R. Abraham b. David angeführt. Dieses Zeugniß ist aber durchaus nicht isolirt. R. Bach ja b. Josef Jbn Bakuda zählt in seinem Werke über die HerzenSpflichtrn dreißig vcrschie« dene Arten der Selbstbetrachtung auf. In der zehnten Selbst« betrachtung sagt er: ״Indem der Gläubige den Schöpfer unaufhörlich vor Augen und im Herzen hat, wird ihm der Schöpfer Ruhe des GemütheS gewähren, ihm die Pforten seiner Erkenntniß öffnen, die Geheimnisse seiner Weisheit offenbaren, und ihn zu der hohen Stufe erheben, wo er schaut ohne Auge, hört ohne Ohr, redet ohne Zunge, die Dinge wahrnimmt ohne Sinne, und schließt ohne SyllogiSm (8, 3)." N. Jehnda ha«Levi: ״Durch die Gemeinschaft seines Denkvermögens mit dem allgemeinen, thätigen Intel« ItU wird mancher Mensch der Anwendung von Schlüssen und der Spekulation überhoben, und eS wird ihm die Mühe deS Studiums der Profetischen Werke erspart. >) Diesekost« bare Gut wird Helligkeit oder heiliger Geist genannt (Kus. 5, 12)." So sehr nun auch R. Bachja und R. Jehuda im Wesentlichen übereinstimmen, so ist doch eine Differenz zwi, scheu ihren Anschauungen nicht zu verkennen. Ersterem ist die höhere Mittheilung ein rein supranatnraler Akt; seine Doktrin erinnert an Bernhard von Clairvaur'S: guanckarn ckivimtus adjuvatur (Nr. 40. S. 733) und NeanderS ״Mittheilungen einer höhern Geisterwelt an die in der Sinnen« weit lebenden Menschen", deren ״Gesetze wir nicht kennen." Letzterer denkt sich die höhere Erleuchtung, welche die gewöhnlichen Operationen deS Geistes überflüssig macht, als Wirkung deS aktiven Intellekts, oder der zehnten Intelligenz deS Jbn Sina, welche eine unmittelbare Emanation deS göttlichen WesenS ist *), und ans welche R. Salomo b. Gabirol die Worte der Schrift anwendet: ״daS Zehnte sei dem Ewigen geheiligt (3 M. 27 , 32) 3)!״ R. Dachja'S supra« natnrale Theorie hängt mit dem talmndischem סוד ה׳ ליראיו zusammen, R. Jchnda'S Vereinigung mit dem aktiven Intellekt ist nnmittelbar arabischen, mittelbar griechischen UrsprungS und ist daher mit der Inspiration Philo'S, deS Schü« lerS Plato'S, verwandt. Tie kontemplativen arabischen Filosofcn, die Jschkariten, als deren Führer Plato genannt wird, betrachteten eS als ihre Aufgabe, dea Menschen mit Gott oder der höhern Intelligenz zn vereinen, wie sie denn auch in den Mystizismus der Sufiö verfielen.^) DenSphä« r en schreiben auch die arabischen Peripatetiker daS Verlan« gen zu, sich mit der höchsten Intelligenz vereinigen zn, denn auch die Peripatetiker hatten manche neuplatonische Doktrin in ihr System ausgenommen.3) Die lauteren Brüder, — eine arabische Gelehrtengescllschaft, welche sich die Aufgäbe stellte, die vereinigten Prinzipien der Religion und Filosofie zu popularisiren, — lehrten: ״Der Grund deö SeiaS der Vernunft ist daS Sein deS herrlichen, erhabenen SchöpferS, sowie ׳die Emanation, welche von ihm ausging. Der Grund deS Bestehens der Vernunft ist, daß der herrliche, erhabene Schöpfer sie mit seinem Reichthume unterstützt, so wie mit der Dortresslichkeit, welche zuerst von ihm anSströmte. Der Grund der Vollendung der Vernunft ist die Annahme dieser Emanation und dieser Vortrefflichkeit, sowie daS Verlangen nach neuer Emanation 6).״ Jbn Roschd hat über die Vereinigung deS menschlichen Intellektes mit dem allgemeinen oder aktiven Intellekte ein eigenes Werk geschrieben, daS nur in handschriftlicher hebräischer Uebersetzung vorhanden ist; auch ihm ist diese Vereinigung eine diesseitige, welche durch filosofische Spekulation und gute Werke vermittelt wird 7). MaimonideS spricht an verschiedenen Stellen seiner Werke von dem aktiven Intellekte. Er läßt sogar die Profetie durch Vermittlung dieses Intellektmitgetheilt wer, den, (More 2, 26), und statuirt sowohl rücksichtlich der pro-