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Ben Chananja · 1863-10-21 · 42 (21.10.1863) · page 8

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Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
42 (21.10.1863)
Date
1863-10-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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776 776 Lichte- und drS Rechtenicht fordern, daß Alle, die ihre bürgerlichen Pflichten erfüllen, auch deS Genusses der bür, gerlichen Rechte theilhaftig werden sollen? Ueber den Richter, der sich vom Ansehen der Person bestimmen läßt, wird der Stab gebrochen; und daS Gesetz selbst sollte, waS ,S dem Einen gewährt, dem Andern bei dessen ganz gleichen Leistungen enkzieben dürfen? ״ ויברל אלהים בין האור ובין החשךGott schied zwischen dem Licht und der Finsterniß." Dieselbe Scheidung besteht aber auch in der menschlichen Gesellschaft. DaS Licht verträgt sich nicht mit der Finsterniß, und die Finstcrniß schließt daS Licht auS. Welches ist aber daS Licht der menschlichen Gesellschaft? DaS Recht, ihr Geliebten. Welches ist die Finsterniß der menschlichen Gesellschaft? DaS Unrecht, meine Freunde! Der fromme Israelit findet aber auch darin eine süße Genugthuung, daß die Wortführer seines Volkes nur daS für dasselbe fordern, waS dessen Staatögesetz ebenfalls gewährte. Denn in dem uralten mosaischen Gesetze stehen die goldenen Worte verzeichnet: הקהל הקה אחת לכם ולנר הנר הקח עולם להרחיבם כבם כבי“ יהיה לפני ה׳ ■חורה אהח וכזשסט ״ אחר יהיה לכם ולנר הנר אתכםGemeinde, einerlei Satzung sei für euch und für den ansässigen Fremden, es ist eine ewige Satzung für euere Nachkommen, daß vor dem Ewigen der Fremdling sei wie ihr. Einerlei Gesetz und Einerlei Recht soll euch und den Fremden sein, der bei euch weilet (4. M. 15, 15. 16)." III. Sein Eifer für daö Recht, daö Wohl und die Ehre seines Volkes reißl aber den frommen Israeliten nimmermehr hin, gegen diejenigen erbittert zu werden, welcher der bürgerlichen Gleichstellung seiner Stamm- und Glaubensgenossen hindernd in den Weg treten, dieselbe bekämpfen, und die treue Anhänglichkeit an den Glauben der Väter mit bitteren AuS. uahmSgesetzen belohnt wissen wollen. So wehe uns auch solche Kränkung thun mag, so darf doch keine Erbitterung gegen Personen Eingang finden in unser Gemüth. Nichts wäre widernatürlicher, als wenn wir in dem Augenblicke, wo wir uns über die Lieblosigkeit Anderer beklagen, im eigenen Herzen der Lieblosigkeit Raum gönnen würden. Unser Kamps gilt keiner Person, wohl aber dem Vorurtheil, der Verblendung, der Engherzigkeit. Ihr kennet vielleicht solche, meine Freunde, die, voK einem engen Gesichtskreise begrenzt, der Meinung sind, als wäre der Haß gegen die Juden, von dessen Ausbrüchen die Jahrbücher der Geschichte Kunde geben, eine ganz vereinzelte Erscheinung, die ihres Gleichen nicht hat in der Geschichte deS Menschengeschlechtes. Durch diesen Jrrthum wird Erbitterung erzeugt, die Leidenschaft ausgestachelt. ES ist «in Herzzerreißender Gedanke, daß alle, alle Menschen ohne Ausnahme eioauder brüderlich lieben, zu allen Zeiten brüderlich ge, liebt haben, und daß nur die Einen eS sind, die vom Haffe getroffen werden. Dem ist aber nicht also, meine Freunde. Würden alle Menschen außerhalb deS HauseS Jakob sich mit Liebe umschlingen, wie sie könnten und sollten; und hätten sie dies zu allen Zeiten gethan, wie eS ihre Pflicht und Aufgabe war: dann, meine Freunde, hätte die Geschichte auch von gar keiner Judenverfolgung zu erzählen gewußt. Aber die Liebe war unter den Menschen viel weniger einheimisch, als die mit dem Hasse vermählte Unduldsamkeit.. Verfolgung traf nicht die Juden allein! Heidnische Kaiser deS alten Rom verfolgten ihre christl. Untertcrthancn mit grausamer Schonungslosigkeit. ES wurden Blutgerüste und Scheiterhaufen errichtet, neue Qualen und Martern ersonnen, um Menschen zu vernichten, deren Verbrechen darin allein bestand, daß sie ihrem Gotte nach ihrer Ueberzeugung dienen wollten. Aber auch in späterer Zeit, als die Macht deS HeidenthumS bereits gebrochen war, wurden angeblich zur Ehre GotteS Kuege geführt, in denen Tausende ihren Tod fanden. Da wurden GlaubenSgerichte, GlanbenSwächter, GlaubenSverräther angeordnet, die jeden als einen tvdeöwürdigen Ver, brecher anklagten, der sich unterfing, von der vorgeschricbenen GlaubenSformcl abzuweichen. Wie viele Tausende haben auf der Folterbank, auf Blutgerüsten, auf Scheiterhaufen ihre Seele aushauchen müssen! Theure Brüder! Allerdings erfüllt unö ein' Grauen bei der Erinnerung an so wilde Ausbrüche deö falschen ReligionöcifcrS. Und dennoch dürfen wir uns dieser Erinnerung nicht entschlagen. Sie giebt unzweifelhaftes Zengniß, daß die Unduldsamkeit zu den Verirrungen deS menschlichen Geiste- und Herzens überhaupt gehört. Im Lichte dieser gewonnenen Einsicht die Geschicke seines Volkes betrachtend, sagt der fromme Israelit: Siehe, nicht dein Volk allein ist eS, daS von der Geißel der Verfolgung verwundet wurde. Kaum giebt eS ein Land ans Erden, kessen Geschichte nicht Leidensgeführten deines Volkeaufzuweisen hätte. Manches Land wurde nicht nur von kurzen GlaubrnSschden, sondern auch von dreißigjährigen Kriegen verwüstet und verheert. Nicht nur verschiedene Nationen, sondern die Söhne einer und derselben Nation, die Kinder einer und derselben Mutter, führten mit unversöhnlicher Vernichtnngögier daS Schwert gegen einander. Wie könntest du also klagen, daß in einer Welt voll Liebe dein Volk allein die Stachel deS Hassetraf; daß unter einer Sonne, deren Strahlen sonst nur auf duldsame Geschwister fielen, dein Stamm allem nicht geduldet wurde; und daß eine Gesellschaft, die für jede Gotteöverehrung Raum genug hatte, nur der Synagoge kein Blätzchen gönnen wollte?

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