Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 42 (21.10.1863)
- Date
- 1863-10-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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77g 774 ktm Boden seine Segnungen zu entlocken. Die Profeten und heiligen Sänger Israels sind weit entfernt, der Erde und ihren Gütern den Werth abzusprechen, den ihnen der Schöpser verliehen hat. Wie kann man also dem frommen Jsrae- Uten zumuthen, daß er auf die Erde und auf das, waS daS Dasein ans derselben verschönert, mit Verachtung Hinblicke? Die Erde bedarf deS Menschen, damit sie veredelt werde. Der Mensch bedarf aber auch der Erde, damit er veredelt werde, »nd die ihm von seinem Schöpfer verliehenen Kräfte und Fähigkeiten seiner Dcstimmung gemäß entfalte. Diese Be, stimmnng fordert, daß der Mensch fest stehe und wurzle aus Erden. Mag er bleiben aus dem heimatlichen Boden, auf dem Grunde, wo seine Väter gegrünt und geblüht haben; oter mag er verpflanzt werden auf ein ncncS Gebiet, wo sein Geschlecht und sein Nanie unbekannt sind: Einen Ort soll er haben, wo er selbst und sein ganzes Glück gesichert st. he; einen Srt, wo er mehr oder minder reichlich die ihm nöthige Nahrung gewinne, und, wie er selber Schuh gcfunden, den Seinen Schuh und Schirm gewähre. בל אדם שאין ״ דו קרקע אינו ארםEin irres, hcrnmschwcisendtS Leben, bei welchem der Mensch nirgend bleibt, nirgend mit Liebe und Anhänglichkeit einem Boden angehört, widerspricht seiner Bestimmung, seiner menschlichen Natur (Jebam 6:!, a).״ Nichts in der Welt ist daher trauriger, als wenn Menschen verdammt sind, in ihrer Heimat Fremdlinge zn sein; nichts trauriger, als wenn ganze Schaaren von Familien wandern muffen von Volk zu Volk, ans einem Reiche in das andere: ויההלכו שנוי אל גוי וששלבהאל עם אדר (Ps. 1010 ,,׳)! — Könnte also der fromme Israelit theilnabmloS bleiben, wenn eo sich darum handelt, ob seine Slammgenossen in diesem Zustande verharren, oder anS demselben befreit werden sollen? Und geseht, seine bürgerliche Stellung ließe nichts zn wünscheu übrig; könnte ihn dies taub machen gegen den Noth, schrei derer, an die ihn deS BluteS und deS Glaubens Bande knüpfen, und die er gewohnt ist, in seine Gebete cinznschliesien? Er sollte die Hände feig und furchtsam sinken lassen, während er oft die wohlthuende Wahrnehmung macht, daß edle Menschenfreunde, welche Reben eines andern WeinstockcS sind, für seine Brüder großmüthig in die Schranken treten? Diese Wahrnehmung führt unS aber auf den zweiten Punkt unserer Betrachtung. Je mehr nämlich die Zukunft seines Volkes dem fron״ men Israeliten am Herzen liegt, desto dankbarer verehrt er diejenigen, welche die bürgerliche Gleichstel, lung der Juden gefördert haben, oder dieselbe zu fördern geneigt sind. Andächtige Brüder und Schwestern! Wohl lucht und findet der Fromme in Allem, waS er schauet und empfindet, seinen Gott und dessen väterliches Walten. Er übersieht und j vergißt aber auch die sichtbaren Werkzeuge nicht, welche die Absichten GotteS auf Erden vollziehen. Ja, der dankbare ן Mensch hat allezeit ein sehr scharfsichtiges Auge, alle- Gute, ' daS ihm widerfährt, zu entdecken. NichlS wird von ihm übersehen, auch die gering scheinende gute Gabe ist ihm ein Ge, , genstand lebhafter Freude. Und widerfährt ihm einmal ei» ■ großes Heil, so walket sein Herz über von dem seligsten! GlückSgefühle, nnd eS ist ihm Dedürsniß, denen zn danken, > die die Urheber seines Glückes sind. Wie sollten also Jsrae. kiten nntankbar sein können gegen die Herrscher und Ratio-! nen, welche Allen, nnd daher auch den Juden, gleiches Recht ■ angcdeihen lassen? Wie könnten die Geretteten eS versäu,! n>en, ihre edlen Retter zu segnen? Haben die jüdischen Un« j terihanen Kaiser Jose f'S II. ihren Herrscher nicht dankbar ׳ gesegnet, und erfahren wir eS nicht in unseren Tagen, daß | tausende nnd tausende jüdischer Herzen mit dankbarer Degeisternng dem Kaiser Franz Joses I. entgegenschlagen? ן Und nicht nur Herrschern und Nationen widmet der! fromme Israelit seines HerzenS Dankbarkeit; er preiset dank-! bar auch jeden Einzelnen, der seine Stimme erhebt für uuj tertrücktc Mcnschcnbrüder, indem er mit Job spricht: הלא I ״ שבטן עשני עשהו וי בינגו ברחם אהדSchn f mich nicht I im Mn 1 terleibe der, der ihn geschafsen, ha t uaS j nicht Einer im Schoße bereitet (Job 31, 15)?" ן All die erleuchteten nnd großherzigen Menschenfreunde, die seit einem Jahrhunderte den Mull) hatten, im Rathe der I Fürsten, oder in gesepgebende» Versammliingen, oder in Schriftwerken, oder in TageSblättcrn dem Vorurthcile, der! Engherzigkeit, der Willtür entgegenzutreten, nm der Wahr.! beit, der Liebe, dem Rechte den Weg zu bahnen, — sie Alle leben unvergeßlich fort in der dankbaren Erinnerung 1 derer, für die sie mit den Waffen ihres edlen Geistege, kämpft haben. Der fromme Israelit sagt von ihnen mit Danie!: והמשכילים יזהירו בזדר הרקיע ושצדיקי הרבים בבובבים ״ לעולם וערDie Einsichtsvollen glänzen, wie der Glan; deS Himmels, und die Viele zur Ge recht i g k e i t führen, gleichen den Sternen e w i g l i ch u n d immerdar (Dan. 12, 3)." Und eS ist erfreuend und herzherhebend, Israeliten, daß wir mit der dankbaren Verehrung der Eklen, die unser Recht verthcidigen, nicht vereinzelt dastehen. Denn die Männer, welche gegen die Ausschließung der Juden sprachen und sprechen, waren und sind in der gebildeten Welt zugleich die Lieblinge ihres Vaterlandes, die von der össentlicheu Meinung gepriesen werden als die Vorkämpfer deS Fortschritte- und deS Rechts. Wie wohl muß uuS die Wahruehmung thun, Israeliten, daß gerade die Nameu, die uuS so unaussprechlich lieb und werth und thcuer sind, in der gaa« zen gebildeten Welt so einen guten Klang haben! Und ist dies nicht sehr natürlich? Müssen Freunde-es