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Ben Chananja · 1863-10-21 · 42 (21.10.1863) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
42 (21.10.1863)
Date
1863-10-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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771 77 2 Abend, and ward Morgen, eia Tag (1. M. 1. 1,-5). Verbindet damit die Anfangsworte der bezüglichen Haftara. Sie sind dem Profeten JesajaS entnommen, und kanten wie folgt: So fpricht Gott der Ewige, der den Himmel schuf und ihn auSspannte, der die Erde bereitete mit ihren Sprößlingeu: derbem Volke, daö darauf ist, den Athen: gab, und Geist denen, die auf ihr wandeln: Ich, der Ewige, habe dich derufen in Gerechtigkeit, und dich gefaßt bei der Hand; ich machte dich zum VundeSvolke, zum Lichte der Nationen. Jcsaj. 42, 56. Der Tert aus der Parascha, den ihr vernommen, and. Zuhörer, versetzt unS in den Urbeginn der Zeiten, als Gott iprach: cS werde Licht, und eS ward Licht. DaS Licht war das erstgeborne Kind der schöpferischen Allmacht Gotteö! — Auch die verlesenen Worte der Hastara reden von einem Lichte, von einem Lichte der Nationen! Welche Bcwandtniß hat eS mit diesem Lichte? And. Znh. ES hat dem Ewigen gejammert, daß in der mit dem süßen Lichte begabt-n und gesegnete» Schöpfung der Mensch allein, der eigentliche Mensch, sein Geist, sein Inneres dunkel bleiben sollte. Er sprach daher zum zweiten Male: eö werde Licht! und eS ward Licht. Uebcr dem Sinai ging daS neue Licht aus: ein leuchtendes, erwärmendes, erheiterndes Licht. Israel empfing dieses Licht, und ward da׳- durch selbst zum Lichte der Nationen. Die gebildeteren Nationcn der Erde erkennen dies cinmüthig an; die heiligen NeligionSurlnndcn Israels sind auch ihnen heilig. Und dennoch ist cS erst unsere Zeit, die sich auschickt, den ältesten Trägern dcS LichtcS göttlicher Offenbarung, den crstcrn Dentzern jener NeligionSurknndcn volle Gerechtigkeit angrdcihen zu laffen. In manche» Ländern ist dieS bereits geschehen. In anderen Ländern giebt eS dagegen noch eine Judenfrage d. h. man fragt: ob die Juden bei Erfüllung der bürgerlichen Pflichten in den Genuß der bürgerlichen Rechte eingesetzt werden sollen.*) Wie verhält sich nun der fromme und denlende Jsraelite nach den Lehren seiner Religion der Judenfrage gegenüber? Darüber, meine andächtigen Zuhörer, will ich euch unter dem Beistände Gottes Auskunft gebe» in dieser srfllichen Stunde. Ich lade euch ein, mir euere andächtige Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Vielleicht gelingt eS mir, daS mich beglückende Vrrtraueu, daS ihr zu mir heget, einigerinaßen zu rechtfertigen. *) 2« Skwlin. too dirsr Predigt gehalten wurde. jat>U jede io» lerirt« jüdische Familie 10 st. jährlich ala besondere Judeusteuer und tatf der Nachzrdorae nicht heiraten. Der fromme und denkende Israelit schenkt den bürgerlichen Zuständen seine-Stammedie denselben gebührende Thrilnahme und Aufmerk samkeit. Fern ist von ihm der Gedanke', alö müßten bürgerliche Freiheit und Ehre ihm gleichgiltig sein, weil sie irdische Güter sind, und die fromme Seele nur nach himmlischen Gütern trachtenmüffe. Solche krankhafte Einseitigkeit widerspricht dem Gciste und dem Bnchstabcn der Thora. Die Thora will nimmermehr, daß der Mensch die Erde verachte, die ihm der allgütige Schöpfer zum Wohnsitz angewiesen hat; sie will immermehr, daß er daS irdische Leben mit seinen Erscheinungen und Bestrebungen, mit seinen Aufgaben und Arbeiten, seinen Verwicklungen und Lösungen für ein leeres, eitles, nichtiges Spiel ansehe, daö nur eine» sündhaften Sinn zu feffcln vermag. Sie verwirft entschieden jenen schwärmerischen Wahn, der den Menschen zu einem unmenschlichen Wesen macht, indem er sich anmaßt, denselben zu einem übernienschlichen Wesen zu erheben. Schon aus ihrem ersten Blatte erzählt sie: CIN וי^טר אלהים נעשה בצר^טני כרטוחנו .וירדו בדנח הים ובעיה השטים ובבהטה ובכל הארץ "Es sprach Gott: Lasset uns Menschen machen nach nnferm Bilde, nach unserem Gleichniß, daß sie herrschen über die Fische deS McereS und über die Vögel deS Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde t 1 M. 1, 26)." Zu der Herrschaft über die Erde, die hier dem Menschen eingeränmt wird, könnte sich derselbe aber unmöglich ans׳ schwingen, wenn er sich in schlaffer, unthätiger Beschaulichkeil von der Erde abwendcn würde. Nicht ohne schweren Kampf hat sich der Mensch den Planeten unterworseu, den er bewohnt. ES wirb euch über-, raschen, meine Freunde, wenn ihr bemerket, daß diese Unterwcrsung im Ganzen und Großen in derselben Folge und Ordnung geschah, in welcher ihr sie in diesem Spruche der Thora vorgezcichnct findet. Auf der untersten Stufe der Kultur ist der Mensch Fischer und Jäger, dessen Ueberlrgenheit über die Thiere nur eine momentane und vorübergehende ist. (ברנח הים ובעוף השטים) Auf einer Höhen: Stufe steht der Nomade, der sich die großem Thiere deS Festlandes bleibend unterwirft. (ובבהטה). Noch eine höhere Stufe nimmt der Ackerdaurr ein, der sich die Erde selbst dienstbar gemacht hat. (ובכל הארץ). Die Stammväter Israels treten zumeist a!s Nomaden auf den Schauplatz der Geschichte. Bei ihren spälern Nachkommen ist die Landwirthschast vorherrschende Beschäftignng. DaS mosaische Gesetz wendet sich nicht an ein Volk, daß die Hände in den Schoß legt, um müßiger Deschauung nachzuhängen, sondern an ein Volk, dadie Arbeit liebt, und eö uicht scheut, im Schweiße seines Angesichtes

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