Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 42 (21.10.1863)
- Date
- 1863-10-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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759 760 Anerkennung der Verdienste deS Jubilargedenket, und daS Ehrengeschenk derselben, einen goldenen Pokal, geschmückt mit den Symbolen der GotteSlehre (MoseS mit den Gesetztafeln), deS Gottesdienste- (Roa'S Opferung) und der Mildthätigkeit (eine Gabenspendende Frauengestalt),den Grundlagen einelebensvollen und thatkräftigen JndenthnmS, zu dessen Verwirklichung in unserm Vaterlande Mannheimer da- Meiste beigetragen. DaS höchst sinnige Ehrengeschenk bleibt auch gewiß für alle Zeiten ein sprechendes Denkmal der Dankbarfeit jüd. Herzen. Möge eS dem edlen Jubilar durch die Tage seines Lebens, die ihm Gott mehre und segne, ein Kelch deS Heiles und de- Trostes werden! — Ein stets verthvolleS Zeichen brüderlicher Toleranz und wahrhaft religiöser Bildung ist für unS Juden die Theilnal/me, die Bekenner anderer Eonfcssionen unserer Feierlichkeit bezeugten. Alö solches gilt uns der einstimmige Beschluß des Wiener Gemeindcratheö, dem Jubilar das Bürgerrecht der Residenzladt als Ehrengabe zu erthcilen. Der Herr Bürgermeister ind die Liccpräsidcntcu des Gemeinderalhcö beehrten auch eie Tempelseier mit ihrem Besuche. — An die Tempelfeierlichkeit schloß sich sodann eine erhebende Schulfeier. DaS Bild des ehrwürdigen Jubilars wird zum Angedenken deheutigen Tages den Saal der Religivnsschule schmücken. UnS selbst war cS leider nicht gegönnt, bei der Schulfeier und den Fcstbanguette anwesend zu sein; wir überlassen daher den Bericht einen Glücklicheren. H. B. Wien, 18-lk» Ollobcr. ES ist geradezu unmöglich, all den Gefühlen Ausdruck zu geben, die in dem Herzen eines rechten historischen Juden am gestrigen Tage, bei Gelegenheit dcö M a n nhcimer-JubiläumS, austauchten. Einen Tag, wie ihn die Juden Österreichs noch nie gesehen, einen ewig denkwürdigen Tag, . den die Geschichte der Judenheil unseres Jahrhunderts nicht kennt, und den ein Jost gewiß in seine Geschichte deS JudenthumS mit goldenen Lettern verzeichnet haben würde, feierte gestern die Gemeinde Wiens und mit ihr alle großen und kleinen Gemeinden Österreichs, welche Letztere zum Theil hier vertreten waren. Schon gegen sieben Uhr Morgens füllten sich allmälig die Räume des Tempels, der bescheidenen Arche Noa Mannheimers, die sich inmitten der brausenden Fluten der Judenverfolgungen einerseits, und der Stürme deS Fanatismus andererseits so wundervoll erhielt. Festlich gekleidet, geschmückt mit freundlicher heiterer Wonne, gleich und reich an Theilnahme, erschien die Menge um Zeuge deS TriumseS zu sein, den echt jüdischer Geist über den blinden Fanatismus errungen. Um '/*9 Uhr erschien der gefeierte Jubilar aus seinem elegant dekorirten Sitze, ihm zur Seite saß sein AmtSdruder, Dr. Jcilinek. Der Gottesdienst wurde in solenner Weise abgehalten und nach d.Dorlesen de- Wochenabschnittes bestieg Dr.Jellinek die herrlich geschmückte Kanzel, um die Festrede zu halten. Tief ergriffen, innig durchdrungen von der Weihe de- Tagesprach Dr. Jellinek mit sprühendem Feuer der Begeisterung, mit rhetorischer Kunstfertigkeit und in jüdisch-homiletischer Meisterschaft zu einem in gehobener Stimmung lauschenden, zum Theil sehr intelligenten, Auditorium. Wir wollen unS nicht in eine Desprechnng dieser Festrede einlassen, da jede Besprechung weil hinter dem Werthe der Rede selbst Zurückbleiben müßte, und beschränken unS daher auf die Mittheilung der wesentlichsten Punkte derselben. Redner sprach über die Helden, Kämpfe, Waffen und über den Sieg deS JudenthumS. Seine Helden sind die VolkSlehrer, ihre Waffen nicht in Blut getauchte Schwerter, sondern da- Wort, die Kämpfe mannigfach und unzählig, der Sieg verschafft dem jüdischen Helden keine Desitzungen für seine Erben, sondern Werke für seine Glaubensbrüder und den endlichen Triumf der ganzen Menschheit. Die Rede endigte mit einem Gebete, das Redner und Zuhörer gleich mächtig erschütterte. Nach beendeter Rede trug der Oberkantor Sulzer den von ihm in Musik gesetzten 13-4. Psalm und das Musafgcbet vor. Hieraus trat Ritter von Werlheimstein als ältestes Mitglied der Gemeinde vor, 11. beglückwünschte drn Jubilar im Namen der Gemeinde; Ritter v. Königsw ar te r überreichte daS Fcstalbum,Tr.LeopoldKompert verlas die Adresse der Gemeinde, ein in kaligrafischer Beziehung seltenes.Kunstwerk. G. R. Moritz Pollak übergab bas Bürgcrdip.'om und hielt dabei eine passende Ansprache. G. N. Frankl überreichte einen prachvollen Pokal. Der Jubilar selbst hielt eine Rede, in welcher er dem Festredner und der ganzen Gemeinde für ihre Theilname dankte und in beredeten Worten den väterlichen Gefühlen für die seiner Obhut anvertraute Gemeinde Ausdruck gab. — So war die Tempelscier beendet. ES begann nun die Schulfeier. Auch hier drängten die Depmirten von Nah und Fern, die Schuljugend, Männer und Frauen der Gemeinde. Die Feier begann mit einer Rede deS Herrn Jos. Wertheimer, der im Namen der Schulscktion u. der Schuljugend daö segensreiche Wirken Mannheimerö auf die religiöse Erziehung schilderte, dem Jubilar dankte und ihn beglückwünschte. Hieraus trat Dr. Jellinek vor, um die von ihm veröffentlichte und dem Jubilar gewidmete Rhetorik' von Messer Leon zu überreichen. In diesem Akte kulminirte die ganze Feierlichkeit deS Tage-. Dr. Jellinek setzte durch die Veröffentlichung, beziehungsweise Widmung dieses Werkes dem Jubilar ein ewiges Monument, gleichzeitig lieferte er aber auch der ganzen Welt den Beweis, wie zwei Prrdiger iu einer Gemeinde in Eintracht wirken können, und die bezügliche Ansprache, welche Dr. Jellinek bei dieser Gelegenheit hielt, hatte seinen greisen AmtSdruder so mächtig ergnffen, daß dieser von seinem Sitze buchstäblich anfsprang,