Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 41 (14.10.1863)
- Date
- 1863-10-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ J 743 ein Thor glaubt AlleS (Spr. 1-4, 15.)״ a) Maimouides kennt also bereitum 1190 kabbalistische Charlatane, ein denselben zugängliches Publikum, einen kabbalistisch-magischen Apparat und eine darauf bezügliche Literatur! In der Thal nennt schon R. Hai Gaon Schriften über die praktische Kabbala. 4) Der Polemik des MaimonideS und dem Zeugnisse Hai'ö gegenüber wird wohl Herr Dr. Gräy seine Behauptung zurückziehen, daß die alte Mystik nichts weiter ist, ״als die jüdische Mu schab bi ha oder Mugassima, d. h. das konsequente polemische Festhalten des biblischen und aggadischen AiuhropomorfiSmuö, um gegen die rationalistische, den mohamedanischen Schulen entlehnte, sich in den KaräiSmnö verlaufende Mutazila zu reagiren (S. 442)." Die Mystik war schon iu der geonäischen Zeit, wie Dr. Gr. selbst schon 1859 auöeinandcrgesetzt hat, 5) viel reicher und mannigfaltiger; sie besaß bereits eine ausgebildete Magie! Die heutigen Meister der kabbalistischen Magie haben mithin jedenfalls das Recht, sich als Rachfolger der alten, vormaimonidischen Magier zu betrachten, wie denn letztere berechtiget waren, die heilende Kraft der Amulette und der beiligen Namen ans dem Talmud zu deduziren. Dies mochte man sich allerdings nicht gerne gestehen, so lange der Streit über kaS Alter der Kabbala zugleich den Streit über den Werth derselben involvirte, so daß letzlerer stieg, sobald jenes höher hinaufgerückt wurde. Diese Solidarität zwischen Alter und Werth der Kabbala ist aber nicht mehr vorhanden, mindestens für die historische Forschling nicht. Die Kritik läßt der Ahnenprobe der theoretischeu und praktischen Kabbala volle Gerechtigkeit widerfahreu, ohne sich in ihrem Urtheile über den iitnern Werth derselben irre machen zu lassen. Die Theorie von dem uachmaimonidischen Ursprünge der Kabbala hat bei Herrn Dr. Grätz eine historische und eine psychologische Seile. Jene haben wir bereits gewürdiget; diese verdient ebenfalls beleuchtet zu werden. Herr Dr. Gr. hält eS für unzweifelhaft, daß die Kabbala in ihrem Ursprünge ״einen Gegensatz zu der verflachen- .den Filosofie der Maiinunisten bilden wollte (S. 79);" ״ibr System war ein AuSweg, um auS der Klemme zwischeu dem naiven, plumpen, ankhropomorfistischen Buchstabenglauben und der maimunischeu Verflachung herauszukommen (S. 77)." Andererseits'erzählt Herr Dr. Gr., daß die Kabbalisten, — besonders Isaak Jbn Latif, Abraham Abulasta, Josef Gikatilla und Mo'e de Leon, — im dreizehnten Jahrhundert das GeisteSlicht, daS die Kraftmäuner von Saadla bis Maimuni innerhalb des JudenlhumS helleuchtend gemacht, mit dem Düster eines wüsten Wirrwarrs verdunkelt und an die Stelle eines geläuterten GotteöglaubenS fantastische, ja gotteölästerliche Wabngebilde gesetzt haben (220)." Wie nun diese den 744 Fikofofen als Kraftmännern gezollte Anerkeuuuug mit dem denselben gemachten Vorwürfe der Verflachung in Uebereinstimmung zu bringen sei, ist ein Räthsel, dessen Lösung wir dem Urheber desselben überlassen. Daß aber die Kabbalisten des dreizehnten Jahrhundert» ihr System schufen, um sich über die Maimunische Verflachung zu erheben, müssen wir, abgesehen von der Ungeschichtlichkeit dieser Behauptung, von rein psychologischem Standpunkte entschieden in Abrede stellen. In der modernen, namentlich in der modernen deutschen Welt lhut sich allerdings auch d i e Stimmung kund, in welcher der Geist sich einer ihm sonst einleuchtenden, gegründeten, an sich wahr und richtig scheinenden Erkenntniß entäu« siert, weil er dieselbe ״flach" findet, d. h. die Höhe oder Tiefe daran vermißt, die ihm Genüge und Befriedigung ge« währen könnte. Diese Entäußerung wird wirklich und autonom vollzogen, wo Gefühl und Fantasie vorherrschen, und den übrigen Seelenkräften die Richtung geben. Sie kann aber auch die Frucht unmündiger und blinder Nachbetern, oder berechnender Wohldienerei sein. RegierungSfilososen und NegierungStheologen in Deutschland haben in reaktionären Zeiten in Folge erhaltener Winke manche wissenschaftliche Richtung, die sie genirte, als stach und verflachend zu brandmarken versucht, und dieser Versuch pflegte auch vielen unbefangenen Gemülhern zu imponiren. Dem Mittelalter war der Begriff der Verflachung gänzlich fremd. Die jüdische Literalur hat ebenso wenig einen Anödruck dafür, als manche europäische Nation, welche daS, was der Deutsche Verflachung nennt, ebenfalls nicht kennet. Die Orthodorie und die Kabbala bekämpften die freieren Ansichten des MainronideS nicht, weil sie dieselben für flach oder zu wenig geistreich hielten. Flachheit hätten sie demselben gern verziehen, da diese iu ihren Augen durchaus kein Verbrechen war. Sie glaubten aber, daß MaimonideS, der neue ägyptische MoseS, den alten ägyptischen MoseS nicht so versteht und auSlegt, wie ihn der Talmud und daS Herkommen verstanden wissen wollen. DaS konnten sie ihm nicht verzeihen! Dr. Gr. thut also Unrecht, indem er dem MaimonideS vorwirft, derselbe habe dem Judenlhume Entzweiung gebracht, und hinzufügt: ״So wenig vermag auch der weiseste Sterbliche die Folgen seiner Handlungen zu berechnen (S. 71)." MaimonideS verdient weder den ihm gemachten Vorwurf, noch bedarf er sich zu seiner Entschuldigung auf die Kurzsichtigkeit deS sterblichen Menschen zu berufen. ״Kraftmäuner״, wie Maimoni« deS, müssen ihre Mission erfüllen, ohne sich von der durch sie provozirten Entzweiung irre machen zu lassen. Auch ist eS ja für die Gesammtheit viel heilsamer, wenn ein Theil derselben einer reinem Erkenntniß entgegengeführt wird, als wenn Alle solche Erkenntniß entbehren. Die neugewonnene Erkenntniß ist wohl in der Regel zuvörderst nur Eigenthlyn -1