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Ben Chananja · 1863-10-08 · 40 (8.10.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
40 (8.10.1863)
Date
1863-10-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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731 732 Armea-Zeheut zu entrichten haben." WaS nun die Halacha : deS Mose vom Sinai betrifft, so sind die orthodoren Glossatorea nicht einig darüber, ob hier von einer solchen Halacha im eigentlichen Sinne die Rede sei. Diejenigen, die | sich dafür erklären, müssen natürlich zugebeu, daß die die größten Kapazitäten jener Zeit in sich vereinigende Svnode , von Schristgelehrtcn, deren Beschluß dem R. Eliezer mitgetheilt wurde, von dieser Halacha keine Kennluiß yatte! Auch die Erleuchtung von oben, welche R. Eliezer in dem Sv׳ nodalbeschlusse findet, muß eine sehr unvollständige gewesen . sein, da die Svnode, deren Verhandlung vorliegt, die getrossene Maßregel durchaus nicht als AuSstnß einer lieberlieferung behandelt, sondern als offene, von verschiedene» Gesichtspunkten zu betrachtende Frage. Nichtsdestoweniger ist der Gebrauch keS PsalmverseS in mystischem Sinne in den Palästinensischen und in den Persischen Schulen einheimisch: ein gewiß nicht unbedeutsames mystisches Element! Leider wurde aber der Psalmspruch von dem ״Geheimnisse GotteS" in manchen Schulen der talmudischen Zeit auch aus eine kiesen Spruch prosanirenke Weise angewendet. ') Der Glaube an eine nicht nur der Vergangenheit angehöreude, sondern fortlaufende supranaturale Offenbarung erhielt von Zeit;u Zeit neue Nahrung durch den Rapport, welcher zwischen dem Propheten Elias und manchen Schriflgelehnen vorausgesetzt wurde. Bon erstcrem erwartete man auch Aufschluß über manche das ReligionSgesctz betreffende zweifelhafte Fälle. "') Der Umgang mir Elia blieb nicht aus die talmutische Zeit beschränkt, )in nennten Jahrhunderte wurde R. Joses b.; >l dba;um Gaon von Pumbadilha gewählt, weil er für : einen Adepten der Geheimlehre und einen Vertrauten Elia'S! galt. Trotz all dem ist zwar nicht zu leugnen, daß die Bernsiing des Rabbi von PoSguiöreS auf den heiligen Geist ' iusoserne dem Talmud widerspricht, als dieser mit dem Tode > Edaggai'S, Zacharia'S und Maleachi'ü den Ruach Ha-Kodesch! ans Israel schwinden läßt: ") allein die innere Gewißheit nnistischer Inspiration konnte vor dem Buchstaben deS Tal« mutö nicht zurückweichen. R. Abraham spricht ferner von den ihm gewordenen Enthüllungen mit naiver Unbefangenheit. Daß seine Leser an seiner Angabe zweifeln werden, kömmt ihm nicht in den Sinn. Ebenso wenig findet er eS nöthig, die seiner Angabe zu Grunde liegende Anschauung näher zu erläutern. ES ge« nügl ihm, an den PsalmverS zu erinnern, nach welchem ״GolleS Geheimniß denen zu Theil wird, die ihn fürchten." Diese Zuversicht hätte unmöglich in ihm auskommen können, wäre er der Erste gewesen, der sich höherer Offenbarung theilhafrig glaubte. Vielmehr muß seinen Zeitgenoffen die Voraussetzung geläufig gewesen sein, daß einzelne AuSerwählte sich höherer Eingebungen erfreuen. Solche Voraus« sttzungen brauchen aber Zeit, um zur Reife und Verbreitung zu gelangen. Die Kabbalisten, denen ein pragmatische- Ge« schichtSstudinm fremd war, sahen dienicht ein, sonst hätten sie sich gehütet, R. Abraham zum ersten Depositär der Geheimlehre zu machen. Etwas plausibler ist schon der Kalknl de jenigea, die ihm zwei oder drei Depositäre, — R. Jsak den Naziräer, R. Jakob den Naziräer, R. Abraham b. Isaak in Montpellier, Schwiegervater unseres Abraham,— vorangehen lassen. Wie wenig sich Herr Dr. Grätz in den geschichtlichen Theil seines Gegenstandes vertieft hat, beweist seine Marime, daß ״die Kritik nicht skrupulöser zu sein braucht, als die eigenen Anhänger der Kabbala (S. 447).״ Aber die Kritik will ja keinen Prozeß gewinnen, daß sie sich von den Schritten deS Gegners sollte bestimmen lassen. Sie stellt sich die Aufgabe, die Wahrheit zu erforschen; sie muß dem« nach so viel Skrupulosität besitzen, als eben zur Lösung ihrer Aufgabe erforderlich ist. Ein Zeitgenosse R. AbrahamS, der berühmte Toßafift R. Isaak d. Samuel aus Dompaire, gewöhnlich R. Isaak der ältere genannt (1175), sott von R. Isaak Al faßt lgcft. 19. Mai 1103) gesagt haben, daß derselbe, hätte die Schechina nicht auf ihn geruht, sein Werk nicht vollendet haben würde. vl) Ware diese Notiz geschichtlich, so ließe sich daraus schließen, daß man zu ,'euer Zeit auch im nördlichen Frankreich die Inspiration auf wissenschaftliche Arbeiten instniren ließ. ES ist aber kaum glaublich, daß die den Talmud so geistreich sorlsetzcnden Toßafisten der Kompilation Alsaßi'S so hohe Bewunderung zollten. Gewiß ist, daß R. Menackem b. Aron (gest. zu Toledo 1385) den heiligen Geist auch auf Naschi ruhen ließ. '׳') Im vorigen Jahrhundert behauptete R. Jonathan Eybeschütz, daß die Feder der Rabbmen Josef Karo und MoseS JsserleS vom Geiste GotteS geleitet worden sei, so daß diese GesetzeSlehrer selbst ohne ihre Absicht daö halachisch Gütige niederschriebea.' ") R. Jonathan berücksichtigte nicht, daß die Gloffatoren deS Schulchan Aruch die Anösprüche und Entscheidungen der genannten GesetzeSlehrer nicht selten für irrthumlich erklären und sich nicht scheuen, dieselben zu verwerfen. Die Quelle, auS welcher R. Abr. b. D. unmittelbar seine kabbalistischen Kenntnisse schöpfte, dürfte in Lunel zu suchen sein. Er selbst nennt R. Mesch ul kam b. Jakob in Lunel seinen Lehrer. Dieser hatte fünf gelehrte und reiche Söhne: Josef, Isaak, Jakob, Aaron, Ascher. Letzterer führte, wie Benjamin von Tudela als Augenzeuge berichtet, ein von allen weltlichen Angelegenheiten zurückgezogene- Leben, stubirte Tag uud Nacht, fastete viel und nahm niemals Fleischkost zu sich. Die Vorbilder Ascher'S waren vielleicht Jakob und Jsak die Naziräer, auf welche einerseits da- Bei« spiel deS christlichen MöuchthumS, andererseits der Hang zn mystischer Vertiefung eingewirkt haben mag.

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