Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 40 (8.10.1863)
- Date
- 1863-10-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542959--3320-2547187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
729 730 erkläruug anerkannte, dieselbe für ausschließliches Gut der Adepten hielt, und daß sie ihm überliefert worden sei. Denn hätte er die Deutung der bezüglichen Anthropomorfiömen erfunden, so wäre sein ans MaimonideS bezügliches ״Vielleicht" ganz ohne Sinn. R. Abraham präsentirt sich demnach selbst mit klaren unzweideutigen Worten als Adep, teu geheimer nicht Jeglichem mitzuthcilender Doktrinen. Er thut dies mindestens 40 Jahre vor dem AuSbruche der anlimaimonldischen Wirren: Seine wenigen Worte reichen hin, die Unhaltbarkeit der Einkeilungöhvpothese deS Herrn Dr. Gr. und die Eristcnz der Kabbala vor dem Eintritte jener Wirren über allen Zweifel zu erheben. Fast unerklärlich ist eö, wie Dr. Gr. diese entscheidenden Worte übersehen konnte, da sie doch in der von ihm zitirten France israelite unseres gelehrten Freundes Earmoly (S. 122) angeführt werden! Merkwürdiger Weise hat Dr. Gr. in der Ausfassung der angeblich pomphaften Phrase ebenfalls Unrecht, während den vor ihm zurechlgewresencn Kabbalisten entschieden Recht gegeben werden muß. R. Abr.'S Berufung auf den heiligen Geist, — nicht aus Elia, wie Dr. Gr. hinzufügt, — ist keine bloße Umschreibung für den Gedanken: ״cS ist zur Gewißheit erhoben worden", wie Gr. behauptet (S. 147), sondern sehr c r n stlich gemeint. R. Abr. charakrerissrt auch daö, was in seinem Kommentare zum Traktate Edujolh gut und richtig ist, alö Frucht der Erleuchtung von oben, im Sinne der Psalmworte: ״Daö Gcheimniß Gotteö wird denen zu Thcil, die ihn fürchten, und sein Gesetz thut er ihnen kund." ל Davon ist R. Abraham lebhaft durchtrungeii; er vindizirk daher zu wiederholten Malen ,'einen halachischen Erllärnngen und Entscheidungcu den Ebarakler himmlischer Miuheilung und Offenbarung -): eine höchst bedeulsame Erscheinung im jüdischen Geistesleben, die um so naher betrachtet zu werden verdient, als sie von der biöhc« rigen Forschung gänzlich vernachlässigt wurde. Ohne Zweifel Halle auch die kabbalistische Schule ihre Eharlataue; welche Wissenschaft oder Kunst wäre von der Mißhandlung der Eharlatancrie verschont geblieben? Allein einer Persönlichkeit wie R. Abraham b. David auS PoSguiörcö gegenüber kann unmöglich der Gedanke an Charlatanerie auskommen: dagegen schützt den sükfranzösischen Rabbi dessen gründliche talmudische Gelehrsamkeit, sein religiöser und sittlicher Ernst, seine unabhängige Stellung, seine ganze, Respekt gebietende Individualität. Man muß auch den Glauben R. AbrahamS an die ihm zu Theil gewordene höhere Offenbarung psychologisch zu würdige» verstehen. Der Denker, der sich in fernen Gegenstand verliest, weiß in der Regel die ganze Reihe von Schlüssen, Beobachtungen und Versuchen namhaft zu machen, die ihn in seinen Forschungen zu irgend einem Resultate führten. Zuweilen geht ihm aber über seinen Gegenstand so plötzlich ein neues Licht auf, daß er kaum den Weg anzngeben vermag, auf welchem er zu der gewonnenen Erkenntniß gelangte. Solche Operationen deS menschlichen Geistes, bei denen derselbe gleichsam sich selber vorgreift, können allerdings auch nach den Gesetzen der empirischen Psichologie erklärt werden; dem Mystiker, dessen Spekulation so oft und so sehr von der Fantasie be« einflußt wird, ist die urplötzlich gewonnene Erkenntniß nicht- Geringeres, als eine Offenbarung Gottes, mit dem er sich in inniger Gemeinschaft weiß. Hervorragende Mystiker deS Mittelalters reden ausdrücklich von der durch GotteS Bei« stand vermittelten Anschaurrng, als von der höchsten Thätig« keit deS ErkenntnißvermögenS. Wir erinnern nur an einen Landsmann R. Abraham'S, welcher ebenfalls dem zwölften Jahrhundert gehört: an Bernhard von Clairvaur, (gest. 20. Aug. 1153), der, während er 11-16 die Völker zum zweiten Krenzzuge ansenerte, gegen die Verfolgung der Juden sprach, und dessen größtes Werk Reden über das Hohelied enthält. Bernhard stellt eine dreifache Stufenfolge der Thätigkeiten deS ErkenntnißvermögenS auf: die dispensarivc, ästimative und spekulative Betrachtung. Die erste beschäftigt sich mit sinnlichen Gegenständen und dem daraus zu ziehenden Nutzen. Die zweite führt durch fleißige und vernünftige Erwägung der Dinge znr Erkenntniß Gottcö. Die dritte erhebt sich, so weit ihr dazu ein göttlich er Beistand zu Hilfe kommt, über die irdi schen Dinge zur Anschauung deö höchsten Wesens. ל Die Berufung R. AbrahamS auf höhere Eingebung verdient näher betrachtet zu werden. Zuvörderst konstatiren wir, daß auch die talmudische Mvstik dieser Berufung und der Anwendung deö angeführten PsalmverscS auf dieselbe Anhaltspunkte bietet: der Urheber derselben ist R. Eliezer b. H y r k a n o S. Man wird hier zunächst an die Stimm« tochler (Bath Kol) denken, auf welche sich dieser Thannaite zu Gunsten einer halachischen Entscheidung berief, während R. Josua b. Eh an an ja deren Kompetenz in Abrede stellte, das Schristwort ansührend: ״sie (die Thora) ist nicht im Himmel!" Mittelbar gehört auch diese Berufung R.! EliezcrS hiehcr. Den unmittelbaren Beleg für daS hohe Al« i ter der Berufung, um die cS sich hier handelt, liefert der an! R. Jose gerichtete Zuruf R. EliezcrS, als ihm jener berichtete, die Schrisigelehrteu hätten auf dem Gebiete AmmonS und MoabS für daS Erlaßjahr den Armen-Zehent (כעשר עני) eingesührt. ״GotteS Gehcimniß", ries R. Eliezer auS, ״wird denen offenbar, die ihn fürchten, und sein Gesetz thut er ihnen kund!" Und zu seinem Berichterstatter gewendet, sprach er: Gehe hin und sage den Schrisigelehrteu, machet euch wegen eures Beschlusses keine Skrupel! Mir überkam von R. Jochanan b. Zakkai alö Halacha deö Mose vom Sinai die Tradition, daß Ammon und Moab im Erlaßjahrc den